Der »Runde Tisch« der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland hielt sein fünftes Treffen als Videokonferenz ab.

Der »Runde Tisch« der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland hielt sein fünftes Treffen als Videokonferenz ab. Auch im Format dieses virtuellen Treffens bewährte sich die entstandene tragfähige Gemeinschaft trotz deutlich unterschiedlicher Grundüberzeugungen.

Bericht vom »Runden Tisch«

Das Ziel »als Kirche zusammenzubleiben« im Blick

Innerhalb der EmK zeichnet sich angesichts der Auseinandersetzungen um Homosexualität der Weg zu einem versöhnten Miteinander ab.

Mitte Juli hatte der von Bischof Harald Rückert für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland eingesetzte Runde Tisch seine als Videokonferenz durchgeführte fünfte Sitzung. Nach den inhaltlichen Weichenstellungen der vorherigen Sitzung hatten die Mitglieder jetzt über einen Namensvorschlag und die theologische Grundlage und Organisationsstruktur des zu gründenden Bundes zu beraten. Als Name für einen Verbund innerhalb der EmK sprechen sich die Mitglieder des Runden Tischs für »Gemeinschaftsbund der EmK« aus. Auch die vorgelegte Beschreibung des Bundes in einer »Theologischen Grundlage« wird angenommen.

Der von zwei Mitgliedern des Runden Tischs verfasste Bericht liegt jetzt vor. Die Veröffentlichung erfolgt hier im Rahmen einer Dokumentation des gesamten Textes:

Runder Tisch befürwortet »Gemeinschaftsbund der EmK«

Am 17. Juli 2020 hat sich der »Runde Tisch« der EmK in Deutschland zu einer weiteren Sitzung – diesmal per Videokonferenz – zusammengefunden. Es war das erste »Treffen« seit der zweitägigen Klausurtagung im Januar 2020 in Fulda.

Im Januar hatten die Mitglieder des Runden Tischs einstimmig beschlossen, den folgenden Vorschlag an die Zentralkonferenz zu senden: Zum einen sollen alle näheren Bestimmungen von »Ehe« und zur sexuellen Orientierung von Menschen im ordinierten Dienst der Kirche aus einer zukünftigen VLO herausgenommen werden, um keiner der unterschiedlichen Grundansichten zu widersprechen oder auszuschließen. Zum anderen schlagen die Mitglieder des Runden Tischs vor, innerhalb der Kirche einen Verbund einzurichten, in dem die bisherigen, traditionellen Bestimmungen zum Eheverständnis beibehalten und andere theologische Positionen gesichert werden können.

Bischof Harald Rückert betonte zu Beginn der Videokonferenz seine tiefe Dankbarkeit über den bereits zurückgelegten gemeinsamen Weg des Runden Tischs und unterstrich seine Unterstützung für beide Teile des Vorschlags, mit denen in Deutschland ein tragfähiges Miteinander unterschiedlicher theologischer Überzeugungen und der damit verbunden Praxis im Rahmen der Kirche gestaltet werden könne. Der Kirchenvorstand hat in seinen vergangenen Sitzungen der Arbeit des Runden Tischs und dem dort entwickelten Vorschlag grundsätzlich zugestimmt und diesen ebenfalls einstimmig unterstützt.

Aufgabe der Juli-Sitzung des Runden Tischs war es nun, über den Namensvorschlag und einen vorgelegten Entwurf zur theologischen Grundlage und zur Organisationsstruktur des zu gründenden Bundes zu beraten. Eine Gruppe aus Mitgliedern des Runden Tischs, die sich an der konkreten Gestaltung des Bundes beteiligen wollen, wurde im Januar beauftragt, eine entsprechende Vorlage zu erarbeiten. In monatelanger, gründlicher Arbeit begleitet von intensivem Nachdenken, Ringen und Gebet wurde der genannte Entwurf erstellt und im Vorfeld der Videokonferenz an die weiteren Mitglieder des Runden Tischs mit der Bitte um Rückmeldung versandt.

In der Videokonferenz galt es, die Vorlage weiterzuentwickeln und somit eine Grundlage für die im November anstehenden Verhandlungen des Kirchenvorstands und der stimmberechtigten Mitglieder der Zentralkonferenz zu erstellen.
Der Runde Tisch nahm den Entwurf und die bereits eingearbeiteten Rückmeldungen dankbar entgegen. Fast einstimmig wurde der vorgeschlagene Name des Bundes angenommen: »Gemeinschaftsbund der EmK«. Das Wort »Gemeinschaft«“ beschreibt etwas Verbindendes, das sowohl innerhalb des Verbundes als auch zur Gesamtkirche hin gilt. Dieser Name, der eher theologisch neutral ist, polarisiert nicht, weil er sich nicht gegen die Glaubensüberzeugungen anderer richtet.

Auch die vorgelegte theologische Grundlage wurde als inhaltliche Positionierung des zu gründenden Gemeinschaftsbundes angenommen. Sie wird gemeinsam mit diesem Bericht veröffentlicht.

Die Organisationsstruktur des Gemeinschaftsverbundes und seine inhaltliche und strukturelle Einflechtung in die Gesamtkirche konnten in den drei Stunden der Videokonferenz noch nicht abschließend besprochen werden – das ist echtes Neuland und braucht noch manche Verständigung im Blick auf den besten gemeinsamen Weg. Einerseits ist es das Ziel, dass der Bund deutlich Teil der Kirche ist. Andererseits sollen eine gewisse Eigenständigkeit und Sicherheit zum Ausdruck kommen, um jetzt und auch in den kommenden Jahren die Kirche mit der theologischen Farbe zu bereichern, die der Gewissenslage und den Überzeugungen der Bundes-Mitglieder entspricht. Soviel sei aber schon gesagt: Mitglieder des Gemeinschaftsbundes sollen Bezirke, Gemeinden, Einzelpersonen und damit auch Gruppen von einzelnen Christinnen und Christen werden können. Begegnungen, Treffen, Publikationen und damit eine Organisationsstruktur und Öffentlichkeitsarbeit, auch unter dem Dach der EmK-Medien, sollen den Gemeinschaftsbund mit Leben füllen.

Die Mitglieder des Runden Tischs bitten um Begleitung der finalen Arbeit im Gebet. Im September wird bei einer weiteren Sitzung die Arbeit an dem Entwurf der Organisationsstruktur fortgesetzt und bis spätestens Oktober zum Abschluss gebracht. Somit erhalten der Kirchenvorstand und die stimmberechtigten Mitglieder der Zentralkonferenz für die anstehende Kurztagung im November 2020 in Zwickau eine Arbeitsgrundlage. Trotz der aufgrund der Corona-Pandemie notwendigen Verschiebung der Zentralkonferenz und ihrer Entscheidungen auf das Jahr 2021 soll nach Möglichkeit auf diesem Weg bereits im November dieses Jahres ein deutliches Signal in die Kirche gesandt werden, welches Klarheit für die weiteren Schritte ermöglicht.

Den in vielen Gesprächen und einem gemeinsamen geistlichen Prozess erarbeiteten Vorschlag verstehen die Mitglieder des Runden Tischs in aller Demut als Kompromissvorschlag und als Weg, der angesichts der bleibenden Unterschiede in grundlegenden Überzeugungen derzeitig gemeinsam gegangen werden kann. Er eröffnet die Möglichkeit, trotz der Unterschiede gemeinsam Kirche zu leben und zu gestalten.

Für den »Runden Tisch« der EmK in Deutschland:
Steffen Klug (steffen.klug(at)emk.de)
Stephan von Twardowski (stephan.twardowski(at)emk.de)│im Juli 2020

Die Dokumentation des Berichts und die Theologische Grundlage finden sich zum Herunterladen im Anschluss an diese Meldung.

Trotz unterschiedlicher Auffassungen miteinander leben können

Der Runde Tisch für die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) in Deutschland war im März letzten Jahres eingesetzt worden. Anlass hierfür war die kurz zuvor zu Ende gegangene außerordentliche Generalkonferenz, die im Februar 2019 in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri ausschließlich zu Fragen der Homosexualität getagt hatte. Dabei waren die traditionelle Sichtweise in Fragen von Eheschließung und Ordination Homosexueller bestätigt und weitergehende Disziplinarmaßnahmen bei Zuwiderhandlung beschlossen worden. Diese Entscheidung führte in der EmK weltweit zu starken Auseinandersetzungen.

Der Kirchenvorstand der EmK in Deutschland hatte daraufhin erklärt, »dass wir in der Bewertung von Homosexualität weder im Kirchenvorstand noch in der Gesamtkirche einig sind«. Es gebe große Gruppen in der EmK, die entgegengesetzter Meinung in dieser Frage seien. Deshalb sei zu befürchten, »dass das auch auf absehbare Zeit so bleiben wird«. Für das vom Kirchenvorstand erklärte Ziel, als Kirche zusammenzubleiben, »in der Menschen unterschiedlicher Auffassungen miteinander leben können« wurde ein Runder Tisch angeregt, der von Bischof Harald Rückert einberufen wurde und inzwischen fünfmal getagt hat.

Mit den zwischenzeitlich vom Runden Tisch vorgelegten Ergebnissen ist die Grundlage für ein versöhntes Miteinander im deutschen Teil der EmK gelegt. Die Namensgebung für den Verbund, dessen Theologische Grundlage sowie Überlegungen zur vorübergehenden Aussetzung von Passagen der aktuell gültigen Kirchenordnung werden dem Kirchenvorstand der EmK in Deutschland im November dieses Jahres zur Beratung vorgelegt. Zu dieser Sitzung sind auch die Mitglieder der Zentralkonferenz Deutschland eingeladen. Dabei sollen Wege erörtert werden, wie die Zeit bis zur Tagung der auf Herbst 2021 verschobenen Zentralkonferenz überbrückt werden kann.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit 


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links
Bericht der fünften Sitzung des Runden Tischs
Theologische Grundlage für den Gemeinschaftsbund der EmK