Ökumene in Deutschland Von Michael Löffler  | 

Charta Oecumenica in Deutschland unterzeichnet

14 Männer und 4 Frauen stehen im Halbrund um einen Abendmahlstisch mit aufgeschlagenem Buch. Alle Personen tragen ein Tuch mit der Aufschrift »Charta Oecumenica« um den Hals. Im Hintergrund befindet sich eine Kanzel und stehen zwei weitere Personen.
Die Unterzeichnenden der überarbeiteten Charta Oecumenica in der Französischen Friedrichstadtkirche in Berlin
Bildnachweis: Jörg Farys/Erzbistum Berlin
Für die EmK hat Bischof Werner Philipp in Berlin die neue Charta Oecumenica unterzeichnet. Sie setzt Zeichen für das Miteinander.
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Bischof Werner Philipp hat am 15. September für den deutschen Teil der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) die überarbeitete Charta Oecumenica unterzeichnet. In der Französischen Friedrichstadtkirche am Berliner Gendarmenmarkt setzte er seine Unterschrift unter das ökumenische Dokument. Mit ihm unterzeichneten 17 weitere kirchenleitende Vertreterinnen und Vertreter der Mitgliedskirchen der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland (ACK).

Mit der Unterzeichnung beginnt die Aufnahme der europäischen Leitlinien in Deutschland. Die Kirchen wollen damit ihr Miteinander nicht nur beschreiben, sondern ihm auch im Alltag von Gemeinden und Regionen eine verbindliche Richtung geben.

Die Charta Oecumenica gibt Leitlinien für die wachsende Zusammenarbeit der Kirchen in Europa. Ihre erste Fassung stammt aus dem Jahr 2001. Zwei Jahre später hatten 16 ACK-Mitgliedskirchen sie beim ersten Ökumenischen Kirchentag in Berlin unterzeichnet. Die jetzt vorliegende, überarbeitete Fassung wurde im November 2025 auf europäischer Ebene in Rom unterzeichnet.

Die Charta soll vor Ort wirken

Für den ACK-Vorsitzenden Reverend Christopher Easthill ist die Unterzeichnung deshalb mehr als ein feierlicher Akt. »Die neue Charta Oecumenica ist kein abstraktes Dokument«, sagte er im Gottesdienst. Sie sei vielmehr »ein ganz konkreter Fahrplan für gemeinsames Handeln und Zeugnis und ein Versprechen für unsere Zukunft«.

Der nächste Schritt führe nun in die Gemeinden und regionalen Arbeitsgemeinschaften. »Jetzt geht es darum, die Selbstverpflichtungen in unseren Kirchen, Gemeinden und ökumenischen Arbeitsgemeinschaften auf allen Ebenen mit Leben zu füllen«, sagte Easthill. Dafür müsse man nicht auf die nächste große Veranstaltung warten: »Ökumene beginnt bei jeder und jedem von uns.«

Was das heißen kann, wurde im Gottesdienst sichtbar. Verantwortliche aus den 14 regionalen ACKs in Deutschland nahmen den Text der Charta in Form großer Fahnen für ihre Regionen entgegen. Sie verbanden damit konkrete Vorhaben für die ökumenische Arbeit vor Ort.

Antworten auf heutige Herausforderungen

Die überarbeitete Charta greift Fragen auf, die bei ihrer ersten Veröffentlichung vor 25 Jahren noch nicht in dieser Dringlichkeit auf der Tagesordnung standen. Sie nimmt Stellung zu Frieden und Versöhnung, zu Flucht und Migration, zur Bewahrung der Schöpfung sowie zum Umgang mit neuen Technologien. Auch junge Menschen sind ausdrücklich im Blick: Sie seien »nicht nur die Zukunft, sondern auch die Gegenwart der Kirchen und der Ökumene«, heißt es in der Charta.

Dabei bleibt die gemeinsame Aufgabe der Kirchen dieselbe: Einheit sichtbar zu machen, ohne Unterschiede kleinzureden. Die Charta lädt dazu ein, miteinander Gottesdienst zu feiern, auf Gottes Wort zu hören, füreinander zu beten und gemeinsam für Menschen einzutreten, die Unterstützung brauchen. Sie wendet sich zugleich gegen den Missbrauch von Religion für ethnische, nationalistische, politische oder populistische Zwecke.

Woran Einheit zu erkennen ist

Landesbischof im Ruhestand Heinrich Bedford-Strohm stellte in seiner Predigt die bleibende Trennung der Kirchen infrage. Sie dürfe nicht zum Normalfall werden, sondern sei »ein Scheitern an dem Auftrag Jesu«. Pointiert fragte er: »Sind unsere konfessionellen Traditionen selbst zur Hauptsache geworden?« Zugleich erlebte er den Gottesdienst als ein Zeichen der Hoffnung: Er habe »in allem die Gemeinschaft der Liebe sichtbar gemacht, zu der Jesus uns gerufen hat«.

Auch der Berliner Bischof Christian Stäblein sieht in der Charta Oecumenica ein prägnantes Zeichen gelebten Christseins. Entscheidend bleibe Jesu Wort: »Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt.«

Bischof Werner Philipp formuliert es so: »Die Charta erinnert uns daran, dass unsere Einheit nicht in der Gleichheit unserer Traditionen gründet, sondern in Jesus Christus. Von ihm her können wir einander als Geschwister begegnen und gemeinsam Hoffnung in diese Welt tragen.«

 

Weiterführende Links

Charta Oecumenica (PDF)

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de