Tagung des EmK-Bischofsrats Von Klaus Ulrich Ruof  | 

»Gib dem Frieden eine Chance«

Zu sehen ist ein Ausschnitt aus dem Schriftstück, das die Erklärung des EmK-Bischofsrats zum Gaza-Krieg zeigt. Darunter schaut die englische Fassung hervor.
Unter dem Titel »Gib dem Frieden eine Chance« gibt der Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche anlässlich des Gaza-Kriegs eine Erklärung ab.
Bildnachweis: Grafik, EmK-Öffentlichkeitsarbeit; Collage: Ralf Würtz
Anlässlich des Gaza-Kriegs gibt der EmK-Bischofsrat eine Erklärung ab. Er ermutigt »zu allen Bemühungen um eine friedliche Lösung«.
4 Minuten

Zu seiner Herbstversammlung traf sich der internationale Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) vom Montag bis Samstag vergangener Woche, 6. bis 11. November. Die Tagung fand statt in Lake Junaluska im Bundesstaat North Carolina im Osten der Vereinigten Staaten. Dabei veröffentlichte der Bischofsrat am Freitag, 10. November, eine weitere Erklärung zum Krieg im Gazastreifen, der durch einen Terrorangriff der palästinensischen Hamas ausgelöst wurde. Zudem befasste sich der Bischofsrat mit Vorbereitungen zur kommenden Generalkonferenz und mit internen Wahlen.

Sich um eine friedliche Lösung bemühen

Unter der Überschrift »Gib dem Frieden eine Chance« verurteilt der Bischofsrat »den Angriff der Hamas vom 7. Oktober 2023 und die anhaltenden Todesfälle von Israelis und Palästinensern, darunter Tausende von Kindern«. Die rund hundert zur Tagung anwesenden Bischöfe und Bischöfinnen verurteilen in ihrer Erklärung »die Verbreitung von Antisemitismus, Islamophobie und Hassverbrechen, die mit Worten beginnen und oft in Gewalt gegen Personen münden, deren Rasse, ethnische Zugehörigkeit oder Religion verunglimpft wird«.

Außerdem ermutigt der Bischofsrat »zu allen Bemühungen um eine friedliche Lösung« und fordert »die Freilassung der Geiseln und ein Ende des Tötens« sowie »die sofortige Gewährung uneingeschränkter humanitärer Hilfe«. Die Erklärung schließt mit einer Selbstverpflichtung, »gemeinsam mit allen Menschen lebensspendende Wege auf dem Weg zu Frieden und Gerechtigkeit für alle zu schaffen«.

Vorbereitung der Generalkonferenz 2024

Ebenfalls Thema der Tagung des Bischofsrats war die Vorbereitung der vom 23. April bis 3. Mai kommenden Jahres in Charlotte, im US-Bundesstaat North Carolina tagenden Generalkonferenz. Das weltweit höchste Kirchenparlament der EmK wird dann über die weitere Situation der Kirche zu beraten haben. Auf dem Hintergrund der jahrelangen Auseinandersetzungen über sexualethische Fragen, besonders hinsichtlich der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und der Zulassung von Homosexuellen zur Ordination als Pastor oder Pastorin, sieht sich der US-amerikanische Teil der EmK damit konfrontiert, dass ordinierte Pastoren und Pastorinnen und Gemeinden die Kirche verlassen.

In den Vereinigten Staaten gibt es eine bis zum 31. Dezember dieses Jahres gültige Regelung. Diese ermöglicht Gemeinden, unter bestimmten Voraussetzungen die Kirche unter Mitnahme ihres Immobilieneigentums zu verlassen. Davon haben zwischenzeitlich rund 6.800 Gemeinden Gebrauch gemacht. Das entspricht ungefähr 22 Prozent der US-amerikanischen EmK-Gemeinden. Ein Teil davon schloss sich der neugegründeten, theologisch traditionell ausgerichteten Globalen methodistischen Kirche (Global Methodist Church) an. Überraschenderweise gehen aber viele der Gemeinden in die völlige Unabhängigkeit.

International verließen bisher einige wenige Jährliche Konferenzen die EmK. Die dafür geltenden kirchenrechtlichen Vorgaben sind andere als für die Kirche in den Vereinigten Staaten. Beispielsweise gibt es keine Möglichkeit, dass Gemeinden samt Immobilieneigentum die Kirche verlassen können. Im Übrigen, so verlautet aus dem Bischofsrat, verließen fünf Bischöfe die Gemeinschaft des Bischofsrats, um sich der Globalen methodistischen Kirche anzuschließen.

Erneuerter Geist und Entschlossenheit

Hinsichtlich dieser Entwicklungen wies Thomas Bickerton als Präsident des Bischofsrats in seiner Predigt zum Auftakt der Tagung darauf hin, dass sich viele im Bischofsrat und den Gemeinden »von Menschen verabschiedet haben, die wir einst Kollegen und Freunde nannten«. Trotz der Schmerzen über diese Ereignisse sei die anstehende und bleibende Aufgabe, »die nächsten Schritte zu planen und wie die dann kleiner gewordene Kirche zu leiten ist, bei der sich jedoch eine klare Mehrheit der Gemeinden und Einzelpersonen zum Bleiben bekannt hat«.

Als Präsident forderte er seine Mitbischöfe auf, einen »erneuerten Geist und Entschlossenheit an den Tag zu legen«, um die nahe Zukunft der Kirche aktiv mitzugestalten. Deshalb dürfe es bei der kommenden Generalkonferenz nicht mehr um »unsere Auseinandersetzungen, unsere Meinungsverschiedenheiten und unsere Spaltung« gehen. Es gehe vielmehr darum, neue Hoffnung zu fassen für das, »was die Evangelisch-methodistische Kirche im Namen Christi tun kann«.

Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, erlebte die Bischofsratstagung sehr ermutigend und positiv. »Der Wille, in der Krise der Kirche einen Ausgangspunkt für Erneuerung zu sehen, war deutlich und wohltuend«, sagte er als erstes Resümee nach seiner Rückkehr aus Lake Junaluska. »Es ist die Mischung aus Schmerz, Demut und erneuerter Berufung, den bischöflichen Auftrag zur geistlichen Leitung der Kirche wahrzunehmen, damit Gott seine Kirche erneuern und zum Segen setzen kann.« Es ist ihm anzumerken, dass die Bischofsratstagung eine neue Zuversicht für den weiteren Weg der Kirche bewirkte.

Neuwahlen für die Stabsstellen des Bischofsrats

Für die Leitungsaufgaben des Bischofsrats fanden die turnusmäßigen Wahlen statt, die ab Mitte nächsten Jahres wirksam werden. Für den gegenwärtigen Präsidenten des Bischofsrats, den für die Region New York zuständigen Bischof Thomas Bickerton, rückt dann seine jetzige Stellvertreterin, die für die Region East Ohio zuständige Bischöfin Tracy S. Malone, in die Position als Präsidentin auf. Ruben Saenz, Bischof der Region Dallas, wird Malones Stellvertreter. Für Sally Dyck, Bischöfin im Ruhestand und gegenwärtig die Ökumenebeauftragte des Bischofsrats, übernehmen dann Hope Morgan Ward und Rosemarie Wenner, beides Bischöfinnen im Ruhestand, die Beauftragung für die Gestaltung der internationalen ökumenischen Verbindungen.

 

Weiterführende Links

Gib dem Frieden eine Chance – Erklärung des EmK-Bischofsrats zum Gaza-Krieg  (PDF)
Give Peace a Chance – Statement by the Council of Bishops on the Gaza War  (Englisch)

Der Autor

Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Der Bischofsrat der EmK
Der Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) beaufsichtigt und fördert die Arbeit der auf vier Kontinenten wirkenden Kirche. In der Regel trifft sich der Bischofsrat zweimal im Jahr. Außerdem sorgt er für die Durchführung der von der Generalkonferenz gefassten Beschlüsse. Zum Bischofsrat gehören alle aktiven und im Ruhestand befindlichen Bischöfe und Bischöfinnen der EmK. Zurzeit sind dies sechzig aktive Bischöfe und Bischöfinnen – vierzig in den USA, dreizehn in Afrika, drei in Asien sowie vier in Europa – sowie über hundert Ruhestandsbischöfe.

Eine Person aus dem Bischofsrat wird für zwei Jahre ins Amt des Präsidenten gewählt. Mit dieser Funktion ist keine zusätzliche Autorität über die anderen Mitglieder des Rates verbunden. Dem Präsidium des Bischofsrats gehören neben dem Präsidenten auch der designierte Präsident, der Schriftführer, der Exekutivsekretär, der Beauftragte für Ökumene und der Präsident der letzten Amtszeit an. Als Exekutivsekretär dient für eine vierjährige Amtszeit ein pensionierter Bischof. In der Regel trifft sich der Bischofsrat zweimal im Jahr. Das Büro des Rates befindet sich in einem EmK-Gebäude ganz in der Nähe des Kapitols und des Obersten Gerichtshofs der Vereinigten Staaten in Washington DC.

www.unitedmethodistbishops.org