EmK: aus den USA Von Michael Löffler  | 

Historischer Wahlsieg: EmK-Pastor wird Senator

Ein Mann, grauhaarig, Brille, in Aktion. Er spricht in ein Mikrofon, das er in der linken Hand hält, und unterstützt sein Reden mit der rechten Hand. Er trägt ein hellblaues Hemd und eine Weste mit Reißverschluss. Im Hintergrund ist, sehr unscharf, ein Baum zu erkennen.
Adam Hamilton spricht bei einer Wahlkampfveranstaltung in Newton, Kansas, zu seinen Unterstützern. Am 3. November wurde der evangelisch-methodistische Pastor in den US-Senat gewählt.
Bildnachweis: Leoniceno / Wikimedia Commons (CC0 1.0)
Die Vision der EmK führte Adam Hamilton in die Politik. Nun zieht der Pastor nach einem historischen Wahlsieg in Kansas in den US-Senat ein.
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»Kühn lieben. Bereitwillig dienen. Entschlossen vorangehen.«  Mit diesen Worten beschreibt die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK; englisch: United Methodist Church, UMC) ihre neue Vision. Adam Hamilton ließen sie nicht mehr los. Als der evangelisch-methodistische Pastor im vergangenen Herbst in seiner Gemeinde darüber predigte, begann ihn eine Frage zu beschäftigen: Was bedeutet diese Vision für mein eigenes Leben?

Ein Jahr später steht fest: Hamilton wird US-Senator. Bei den Wahlen am 3. November setzte er sich im Bundesstaat Kansas als Kandidat der Demokratischen Partei gegen den republikanischen Amtsinhaber Roger Marshall durch. Ein historischer Erfolg: Seit 94 Jahren hatte in dem überwiegend republikanisch geprägten Bundesstaat kein Demokrat mehr eine Wahl zum US-Senat gewonnen.

»Warum nicht du?«

In seiner Siegesrede erzählte Hamilton, wie es zu seiner Kandidatur gekommen war. Immer wieder habe er angesichts der politischen Entwicklungen gesagt, dass endlich jemand etwas unternehmen müsse. Seine Frau LaVon, mit der er seit 44 Jahren verheiratet ist, habe ihn daraufhin gefragt: »Warum nicht du?«

Es folgten vier Monate des Ringens, Nachdenkens und Betens. Seine Frau habe ihn schließlich gefragt, ob er Gott in dieser Entscheidung vertraue. Sie selbst sei ziemlich sicher, dass Gott ihn dazu berufe. Hamilton ist Gründungspastor der »Church of the Resurrection« (»Auferstehungskirche«) im Großraum Kansas City. Der Bezirk, den er 1990 gründete, ist heute mit mehreren Standorten der größte EmK-Bezirk in den USA.

Für seine Kandidatur hatte ihm die Gemeinde eine Beurlaubung ermöglicht. In seiner Siegesrede dankte Hamilton den Gemeindegliedern für ihre Unterstützung und ihre Gebete. Er sei weiterhin überzeugt, dass Gott ihn berufen habe, auf andere Weise etwas in der Welt zu bewirken.

Wenn Republikaner Demokraten wählen

Bereits im Sommer war Hamilton durch Kansas gereist, hatte zahlreiche Orte besucht, mit Menschen gesprochen und sich über ihre Lebensbedingungen informiert. Sein Anliegen fasste er damals in einem Satz zusammen: »Ich bin hier, um zuzuhören.«

Von solchen Begegnungen erzählte Adam Hamilton auch in seiner Siegesrede. Viele Menschen sorgten sich um steigende Lebenshaltungskosten und die Gesundheitsversorgung. Zugleich hätten sie genug davon, dass Politiker die Bevölkerung immer weiter spalteten.

Eine ältere Frau habe ihm erzählt, dass politische Gegensätze inzwischen selbst Familien und langjährige Freundschaften auseinanderbrächten. Sie wünsche sich einen Senator, der dazu beitrage, dass Menschen wieder miteinander sprechen könnten.

Ein Mann, der nach eigenen Angaben bei 46 Wahlen in Kansas noch nie einen Demokraten gewählt hatte, habe Hamilton berichtet, diesmal für ihn gestimmt zu haben. Entscheidend seien für ihn Anstand, Freundlichkeit und Werte gewesen, die er auch selbst vertrete.

Hamilton ist überzeugt, dass Menschen trotz unterschiedlicher politischer Überzeugungen gemeinsam Lösungen finden können. Gerade in Kansas, wo sich nach seinen Angaben nur etwa ein Viertel der Bevölkerung zur Demokratischen Partei hingezogen fühlt, zeige sein Wahlerfolg, dass politische Grenzen überwunden werden könnten.

Der barmherzige Samariter als Vorbild

Was das für sein politisches Handeln bedeutet, erklärte Hamilton mit mehreren biblischen Texten. Er erinnerte an die Goldene Regel aus der Bergpredigt Jesu (Matthäusevangelium, Kapitel 7, Vers 12): Andere Menschen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte, müsse auch die Politik prägen. Ebenso verwies er auf den Propheten Micha, der dazu auffordert, Gerechtigkeit zu üben, barmherzig zu handeln und demütig vor Gott zu sein (Micha, Kapitel 6, Vers 8).

Besonders ausführlich beschäftigte sich Hamilton mit dem Gleichnis vom barmherzigen Samariter (Lukasevangelium, Kapitel 10, Verse 25 bis 37). Jesus erzählt darin von einem Menschen, der einem Verletzten hilft, obwohl beide verfeindeten Bevölkerungsgruppen angehören. Würde Jesus das Gleichnis heute erzählen, so Hamilton, könnte der Samariter ein Republikaner sein, der einem Demokraten hilft – oder umgekehrt.

Dabei erinnerte Hamilton an Martin Luther King, der dieses Gleichnis in seiner letzten Predigt aufgegriffen hatte. King stellte die Frage, warum die beiden religiösen Männer an dem Verletzten vorbeigegangen waren. Vielleicht hätten sie Angst gehabt, selbst überfallen zu werden. Der Samariter dagegen habe anders gefragt: Was geschieht mit diesem Menschen, wenn ich ihm nicht helfe?

Für Adam Hamilton liegt darin eine entscheidende Frage, auch für die Politik. Er unterschied zwischen Menschen, die anderen bewusst Schaden zufügen, solchen, die Unrecht erkennen und schweigen, und jenen, die wie der Samariter handeln und helfen. Welche dieser Rollen werde der Kongress künftig einnehmen?

Kühn lieben – auch im Senat

Während einer Predigtreihe über die Vision der EmK im vergangenen Herbst habe ihn die Frage nicht mehr losgelassen, was es für ihn persönlich bedeute, kühn zu lieben, bereitwillig zu dienen und entschlossen voranzugehen. Damals sei ihm erstmals der Gedanke gekommen, dass dies eine Kandidatur für den US-Senat bedeuten könnte.

Am 3. Januar 2027 tritt Hamilton sein Mandat an. Sechs Jahre habe er nun Zeit, sagte er in seiner Siegesrede. Diese Zeit wolle er nutzen, um auch in der Politik das zu verwirklichen, was ihn als Pastor geprägt habe: kühn zu lieben, bereitwillig zu dienen und entschlossen voranzugehen.

 

Weiterführende Links

Siegesrede von Adam Hamilton auf Youtube

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de