Auf Bitten des EmK-Kirchenvorstands hat Bischof Harald Rückert einen Gesprächsprozess eingeleitet, der mit einem Runden Tisch am 1. Mai seinen Auftakt hatte.

Auf Bitten des EmK-Kirchenvorstands hat Bischof Harald Rückert einen Gesprächsprozess eingeleitet, der mit einem Runden Tisch am 1. Mai seinen Auftakt hatte. Ziel dieses Gesprächsprozesses ist, möglichst vielen Menschen trotz unterschiedlicher Überzeugungen in der Frage der Homosexualität eine Heimat in der Kirche zu bieten.

Vertrauenvolles Miteinander

Runder Tisch sieht sich als »Impulsgeber«

Aus dem vom Kirchenvorstand angeregten Runden Tisch liegen erste Informationen vor. Der »dringend nötige Weg der Verständigung« soll fortgesetzt werden.

Im Februar dieses Jahres hatte die Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) die traditionelle Sichtweise in Fragen von Eheschließung und Ordination Homosexueller bestätigt und weitergehende Disziplinarmaßnahmen bei Zuwiderhandlung beschlossen. Daraufhin hatte der Kirchenvorstand der EmK in Deutschland erklärt, »dass wir in der Bewertung von Homosexualität weder im Kirchenvorstand noch in der Gesamtkirche einig sind«. Es gebe große Gruppen in der EmK, die entgegengesetzter Meinung in dieser Frage seien. Es sei zu befürchten, »dass das auch auf absehbare Zeit so bleiben wird«. Erklärtes Ziel des Kirchenvorstands ist, »als Kirche zusammenbleiben, in der Menschen unterschiedlicher Auffassungen miteinander leben können«. Dazu hatten die Mitglieder des Kirchenvorstands einen »Runden Tisch« angeregt, dessen erste Begegnung am 1. Mai stattfand. Jetzt liegen erste Informationen aus dieser Begegnung vor.

Grundlage für vertrauensvolle Arbeit gelegt

Laut einer Mitteilung des Runden Tisches, die den drei demnächst tagenden Jährlichen Konferenzen der EmK in Deutschland vorliegen wird, wurden bei diesem ersten Treffen »die Grundlagen für eine vertrauensvolle gemeinsame Arbeit gelegt«. Die Gruppe ist hinsichtlich der inhaltlichen Überzeugungen und der persönlichen Lebenssituation sehr breit aufgestellt.

Ziel der Arbeit des Runden Tisches sei, nach Lösungen zu suchen, »damit möglichst viele Menschen trotz unterschiedlicher Überzeugungen in der Frage der Homosexualität eine Heimat in unserer Kirche finden und behalten können«. Dabei sei unter anderem auch die Möglichkeit einer »eigenen ›konservativen‹ Jährlichen Konferenz« andiskutiert worden. Außerdem habe die Gruppe damit begonnen, »nach Regeln für die Kirche und Gemeinden zu suchen, in der sowohl homosexuell empfindende Menschen ordiniert und bei einer Eheschließung gesegnet werden können als auch traditionell eingestellte Menschen dies nicht tun und ihre Vorstellungen und Lebensweisen bewahren können«.

Transparente Information und umfassende Beteiligung

Mit einem Antrag an alle drei Jährlichen Konferenzen erbitten die Mitglieder des Runden Tisches größtmögliche Freiheit für die weiteren Beratungen und bitten darum, keine schnellen Festlegungen zu treffen, die eine Verständigung verschiedener Gruppierungen und Konferenzen erschweren könnten. Um diese größtmögliche Freiheit gewährt zu bekommen, sei es wichtig zu wissen, dass der vom Kirchenvorstand eingesetzte Runde Tisch »kein Entscheidungsgremium« ist, sondern sich als »Impulsgeber« versteht. Am Ende des Prozesses soll aus diesen Impulsen »ein Modell zur Entscheidung« erwachsen, das den Jährlichen Konferenzen und der Zentralkonferenz vorgelegt wird.

Das nächste Treffen des Runden Tisches soll im Juli dieses Jahres stattfinden. Von da an soll für die Gemeinden und Konferenzen eine Vorlage erarbeitet werden, die daraufhin lokal und regional diskutiert werden kann. Eine »transparente Information und Beteiligung der ganzen Kirche« sei wichtig für eine gute Verständigung, so die Mitteilung des Runden Tisches.

Bischofsrat setzt Zuhörerteam ein

Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof der EmK, war nach dem Runden Tisch zur Frühjahrstagung des internationalen Bischofsrats der EmK nach Chicago aufgebrochen. Die vorgestern zu Ende gegangene sechstägige Sitzung beschäftigte sich ausführlich mit den Folgen der Entscheidungen der Generalkonferenz vom Februar dieses Jahres.

In einer abschließenden Erklärung wendet sich der Bischofsrat an die Menschen der weltweiten EmK. Dabei betonen die Bischöfe angesichts der spannungsvollen Situation seit den Entscheidungen der Generalkonferenz, dass sie »keine Richter oder Gesetzgeber« seien. Sie seien vielmehr »Prediger, Lehrer, Hirten, Vermittler und Missionsstrategen, die Geistliche ernennen und Jährliche Konferenzen leiten, um Jünger und Jüngerinnen zu machen, um so die Welt zu verändern«.

Um diese Aufgaben noch besser erfüllen zu können und um das Ohr möglichst nahe an der kirchlichen Basis zu haben, berief der Bischofsrat aus seiner Mitte ein »Zuhörerteam« (Servant Listening Team) unter der Leitung von Bischof Kenneth Carter und Bischöfin Cynthia Fierro Harvey. Zu den insgesamt elf Mitgliedern gehört auch Bischof Harald Rückert. Dieses Team soll Gespräche in der weltweiten Kirche begleiten, in denen künftige Modelle struktureller Einheit oder unterschiedlicher Organisationsformen für die Kirche beraten werden.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Zwischenbericht vom Runden Tisch (PDF)

Zur Information
Die Mitglieder des Runden Tisches: Petra Becker-Löffler (Berlin), Pastorin Mareike Bloedt (Leinfelden-Echterdingen), Olaf Bogdan (Dresden), Alexandra Brenner (Bietigheim-Bissingen), Joris Brombach (Karlsruhe), Pastorin Franziska Demmler (Erfurt), Frieder Dittrich (Lößnitz), Pastor Dr. Lothar Elsner (Stuttgart), Prof. Dr. Roland Gebauer (Reutlingen), Pastor Andreas Hertig (Aue), Pastor Andreas Kraft (Hamburg), Superintendent Stefan Kraft (Essen), Pastor Christian Meischner (Schönheide), Carola Michalski (Berlin), Superintendent Siegfried Reissing (Stuttgart), Superintendent Christhard Rüdiger (Chemnitz), Andreas Pilz (Cranzahl), Pastor Stefan Schörk (Pegnitz), Prof. Stephan von Twardowski (Reutlingen)