Klare Stimme und nachdenkliche Texte: Ein Konzert mit Sefora Nelson, das über den Abend hinaus nachklingt.

Klare Stimme und nachdenkliche Texte: Ein Konzert mit Sefora Nelson, das über den Abend hinaus nachklingt.

Ostdeutsche Jährliche Konferenz

Wenn das Leben nicht mehr wie gewohnt weitergehen kann

Der letzte Sitzungstag der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz startet mit einem Theologischen Referat und klingt mit einem nachdenklichen Konzert aus.

Die in der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof tagende Ostdeutsche Jährliche Konferenz hatte am gestrigen Samstag, dem 26. Juni, den letzten Sitzungstag. Es ging um die Bewältigung von Krisen sowie um den Haushalt der Konferenz. Zum Abschluss des Tages berührte ein Konzert mit Sefora Nelson die kleine Schar vor Ort sowie die per Livestream zugeschalteten, weit verstreut wohnenden Zuschauer.

Nicht zu schnell nachgeben

»Ich weiß, dass dieses Thema nicht ohne aktuellen Bezug zur Situation der methodistischen Kirche gewählt wurde«, war der Einstieg ins Thema des für die Tagung einer Ostdeutschen Jährlichen Konferenz traditionellen Theologischen Referats. Dafür war Matthias Stiehler, Theologe, psychologischer Berater und promovierte Erziehungswissenschaftler aus Dresden, gewonnen worden. Es ging um Krisen und wie sie bewältigt werden können. Er wolle sich in die konkrete Auseinandersetzung nicht einmischen, vielmehr wolle er psychologische, aber auch theologische Orientierung geben. Durch seinen beruflichen Hintergrund als Paarberater und seine theologische Fachkenntnis gewannen seine Aussagen große Lebensnähe.

»Eine Krise«, so Stiehler, lasse sich ganz einfach als eine Situation beschreiben, »in der das Leben nicht mehr in den gewohnten Bahnen weitergehen kann«. Krisen seien mehr als eine kleine Störung oder ein kleines Ruckeln. Bei Krisen gehe es »um etwas Grundsätzliches«. Etwa das Fremdgehen eines Partners, eine Krebsdiagnose oder massive Auseinandersetzungen. Dabei gehe es auch um Argumentation, um das Ringen um Wahrheit oder den richtigen Weg. Zu schnelles Nachgeben sei falsch, wenn es um wichtige Themen gehe. Aber wenn dem anderen das Recht auf eine andere Meinung abgesprochen werde und schon von vornherein gesagt werde, dass diese Meinung falsch sei, »dann ist das Miteinander bedroht und die Beziehung ist in der Krise«.

Die Wahrheit besitzen wir nie

Christen, so sagt der Theologe und Berater, hätten dafür eigentlich das Korrektiv des Glaubens. Denn der Glaube betone, »dass die Wahrheit bei Gott liegt und wir selbst niemals im Besitz der völligen, endgültigen Wahrheit sind«. Es könne um die Wahrheit gerungen werden, sie könne gesucht werden und man könne sich ihr annähern, »aber im Besitz haben wir sie nie.«

Wenn es nicht gelinge, einen Konflikt gemeinsam und relativ zügig zu beenden, dann sei Hilfe von außen nötig. Viele Menschen empfänden es allerdings als Kränkung oder Niederlage, wenn sie Hilfe annehmen müssten. Stiehler: »Das ist es keineswegs!« Komplexe Krisen seien nicht alleine lösbar. Problematisch sei vielmehr, »wenn gar keine Hilfe in Anspruch genommen wird oder wenn sie zu spät organisiert wurde«. In diesem Zusammenhang zitierte er Paulus mit dessen Lob der Schwachheit als Stärke im zweiten Korintherbrief (Kapitel 12). Stiehler: »Ich möchte sagen, dass nicht die immer Starken eine gute Beziehung führen, sondern eher die, die auch schwach sind und sich das zugeben können.«

Flexibilität und Mut zur Veränderung

Auch die Mitglieder der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz berieten das sogenannte »Strukturpapier«. Darin schlug eine Planungsgruppe für die Arbeitsweise der EmK auf Ebene der Zentralkonferenz Deutschland eine deutliche Verschlankung vor. Die Superintendenten Christhard Rüdiger und Werner Philipp lenkten den Blick in ihrer Einführung in besonderer Weise auf »das Verhältnis von Ehrenamt und Hauptamt«. Die Gemeinden sollten in Zukunft stärker in Eigenverantwortung das Gemeindeleben gestalten, so die Tendenz der vorgelegten Strukturveränderungen. Diese grundlegende Weichenstellung werde Arbeitsformen, Dienstaufgaben und vor allem das Zusammenwirken von Ehrenamtlichen und Hauptamtlichen verändern. Es müsse zwar berücksichtigt werden, dass dieses Papier vor der Pandemie entstanden sei. Dennoch seien die Impulse weiterhin gültig.

Viele Gesprächsbeiträge waren sich darin einig, dass Änderungen nötig seien. Eine Person brachte dies so auf den Punkt:  In Deutschland gebe es heute halb so viele Kirchenglieder der EmK wie bei der Entstehung der bestehenden Strukturen. Deshalb müssten wir neue Wege suchen.  Gleichzeitig bestehe die Gefahr, dass mit den neuen Regelungen, eine Amtskirche entstehen könne, weil viele Dinge geregelt und zugeordnet werden müssten.

Außerdem würde sich mit der Stärkung des Ehrenamts auch der pastorale Dienst verändern müssen. Menschen müssten ihre Gaben entdecken, es brauche Schulungen und die Bereitschaft der Pastorinnen und Pastoren, Veränderungen anzugehen. Ihre neue Aufgabe würde stärker bei der Förderung des Ehrenamts liegen, während der bisher ausgeprägte Generalismus im pastoralen Selbstverständnis deutlich hinterfragt werde. Dazu brauche es viel Flexibilität und Mut zur Veränderung. Festgefahrene Erwartungen, »alles wie bisher zu machen«, würden den Prozess lähmen.

Die Herausforderungen seien nur zu bewältigen, wenn Ehrenamtliche und Hauptamtliche sich gemeinsam auf den Weg machten. Letztlich gehe es um die Fragen: »Wer geht los?« und »Wie finden wir eine Richtung?« Für den Aufbruch in diese Veränderungen könnten auch die Möglichkeiten der Gemeindeberatung stärker in Anspruch genommen werden.

Finanzielle Einnahmen stabil

Am Samstagnachmittag standen die Konferenzfinanzen im Mittelpunkt. Erfreulicherweise blieben die Einnahmen im zurückliegenden Pandemiejahr gegenüber dem Vorjahr stabil. Eine weitere Steigerung wie in den Jahren zuvor war aufgrund der Pandemie nicht möglich. Der Gebedurchschnitt pro Kirchenglied und Jahr ist erneut um rund drei Prozent gestiegen. Leider wird die positive Wirkung dieser Steigerung durch die abnehmende Zahl der Kirchenglieder von jährlich rund zwei Prozent wieder abgeschmolzen. Die Zahl der Kirchenglieder in der Ostdeutschen Konferenz liegt jetzt knapp über 7.000. Immer weniger Kirchenglieder tragen daher die finanziellen Aufgaben. Das sei, so der Schatzmeister Jörg Ringeis, erfreulich, aber es stelle sich die Frage, wie lange ein durch diese Steigerungen annähernd ausgeglichener Haushalt noch möglich sein werde.

Ort nachhaltigen Lebens

Für den Tagungsort, die Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof, richtete die Konferenz einen Fonds zur Erhaltung und Entwicklung der Immobilien ein. Die dafür eingesetzte Summe von 250.000 Euro soll helfen, das auf Schwarzenshof in Gang gebrachte Projekt »Kirche in anderer Gestalt« zu entwickeln. Dabei sollen ökologische Gesichtspunkte eine große Rolle spielen. Beispielsweise soll Schwarzenshof mit einem neuen Energiekonzept zu einem »Ort des nachhaltigen Lebens« werden.

»So einen Ausblick hatte ich noch nie«

Fast hätte ihr »Navi« Schwarzenshof mit dem Schwarzwald verwechselt, erzählte Sefora Nelson. Die Sängerin aus dem schwäbischen Backnang war schon für die pandemiebedingt ausgefallene letztjährige Konferenztagung eingeladen worden. Mit einem Jahr Verspätung fand nun in ganz besonderer Atmosphäre zum Wochenausklang am Samstagabend ein Konzert statt. Im Backhaus am weißen Flügel schlug die Künstlerin ganz authentisch eine Brücke zu den wenigen Konzertbesuchern im und ums Backhaus herum.

»So einen Ausblick hatte ich noch nie zu einem Konzert«, schwärmte sie von dem Ambiente der Veranstaltung im Licht der untergehenden Sonne. Mit klarer Stimme und nachdenklichen Texten brachte sie ihren persönlichen Glauben zu Gehör. »Gott ist treu«, war ihre Botschaft trotz aller durch die Pandemie zutage getretenen Unwägbarkeiten des Lebens. Wie ein roter Faden zog sich dieser Gedanke durch den Abend.

Mit neunzehn Jahren war die in einer italo-deutschen Großfamilie aufgewachsene Sängerin nach Chicago und später nach Frankreich gezogen, um Gesang und Theologie zu studieren. Diese Verbindung ist charakteristisch für ihre Lieder, in denen sie aus ihrem Leben erzählt. Ein Leben mit Gott, das in ihrer persönlichen Ausstrahlung erkennbar wird. Ihr Gespür für Melodielinien, die im Ohr hängen bleiben, lassen die Gedanken zum Leben und Glauben über den Abend hinaus nachklingen. Ein stimmungsvoller Ausklang einer ungewohnten und anstrengenden »so ganz anderen«, weil digitalen Konferenz.

Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit


Die Autoren

Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz. Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de.

Weiterführende Links

Tagung der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz
Theologisches Referat (PDF)

Zur Information

Die Ostdeutsche Konferenz umfasst rund 110 Gemeinden in 56 Bezirken mit über 12.000 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Das Gebiet erstreckt sich von Erfurt bis Zittau und von Dessau bis Schöneck und Adorf im oberen Vogtland. Rund 150 Delegierte und Gäste nehmen an der Tagung teil.
www.emk-ojk.de