Zum Hauptinhalt springen

Sozial und politisch – eine Kirche mit »Sozialem Bekenntnis«

Aus einer Pionierkirche auf Pferderücken war mit der Zeit eine bürgerliche Mittelstandskirche geworden. Das soziale Engagement war zeitweise stark in Vergessenheit geraten. Anfang des 20. Jahrhunderts schrieben sich die Methodisten das soziale Gewissen selbst ins Stammbuch.

Die von England ausgehende »industrielle Revolution« erreichte Mitte des 19. Jahrhunderts auch die USA. Die neu entstehenden Fabriken, Stahlhütten und Bergwerke hatten einen enormen Bedarf an Arbeitskräften – eine Wanderungsbewegung vom Land in die Industriezentren setzte ein. Binnen kurzer Zeit fanden sich die Arbeitermassen in auswegloser Verelendung. Drei große Streiks 1877, 1886 und 1894, in denen es um Lohnerhöhungen und die Verbesserung der Arbeitsbedingungen ging, wurden blutig niedergeschlagen. Obwohl die sozialen Initiativen John Wesleys als Vorbild hätten dienen können und müssen, tat die schon damals große Methodistische Kirche in den USA angesichts dieses Elends zunächst einmal gar nichts.

Not erkennen und handeln

Aufbrüche in der Kirche gehen oft von Menschen aus, die eine Not erkennen und daraufhin handeln. Für die geordnete Form kirchlicher Arbeit ist das nicht immer willkommen und kann zu einer echten Herausforderung werden. Der methodistische Pastor Frank Mason North gründete 1907 mit vier Kollegen die »Methodist Federation for Social Service«, den Methodistischen Verband für soziale Dienste. Zur Generalkonferenz 1908 reichten sie einen Antrag ein für ein »Soziales Bekenntnis der Bischöflichen Methodistenkirche«. Völlig überraschend nahmen die Delegierten der Generalkonferenz den Antrag an! Zum ersten Mal in der Kirchengeschichte hatte eine christliche Kirche ein »Soziales Bekenntnis« beschlossen.
Dieses Soziale Bekenntnis zeigte Wirkung auch in anderen protestantischen Kirchen, die es – in teils veränderter Form – übernahmen. Für die Arbeit des »Federal Council of the Churches of Christ in America« (Nationaler Kirchenrat der USA) diente es als wichtiger Impuls.

Soziales Bekenntnis und Soziale Grundsätze

Bei der Generalkonferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 1972 erfolgte eine grundlegende Neuformulierung. Außerdem wurde die Bezeichnung verändert. Innerkirchlich war am Begriff »Bekenntnis« schon mehrfach Anstoß genommen worden, weil darunter im Allgemeinen die altkirchlichen und die mit der Reformation verbundenen Bekenntnisse verstanden wurden. Im Sinne dieser Bekenntnistradition wurde deshalb das kurzgefasste »Soziales Bekenntnis« formuliert. Es ist eine bekennende Selbstverpflichtung in liturgischer Form, die in methodistischen Gottesdiensten und bei besonderen liturgischen Feiern eingesetzt wird. 
Das ursprüngliche Soziale Bekenntnis wurde weiterentwickelt zu ausführlicheren »Sozialen Grundsätzen«. In sechs Haupt- und rund sechzig Unterkapiteln wird Stellung bezogen zu brennenden sozialen Fragen. Im vierjährigen Rhythmus der Generalkonferenztagungen werden die Sozialen Grundsätze überarbeitet. Zu neu aufkommenden Entwicklungen im gesellschaftlichen, technischen und wirtschaftlichen Bereich wird Stellung bezogen. Über die Jahre hinweg kamen Äußerungen zu militärischen Einsätzen als Mittel der Politik, zur Verantwortung überregional oder global agierender Konzerne, zur Informations- und Gentechnologie und anderen Themen hinzu.
Die Sozialen Grundsätze sind Leitlinien, die zu verantwortlichem sozialen Handeln auf der Basis biblischer Grundlagen ermuntern. Methodistische Grundüberzeugungen und gesellschaftliche Wirklichkeit werden miteinander ins Gespräch gebracht – ganz im Sinne Jesu Christi, der Menschen in seine Nachfolge rief und ihnen zutraute, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.

»Das Soziale Bekenntnis« (liturgischer Bekenntnistext)

Wir glauben an Gott, den Schöpfer der Welt,
und an Jesus Christus, den Erlöser alles Erschaffenen,
und an den Heiligen Geist, 
durch den wir Gottes Gaben erkennen.

Wir bekennen, diese Gaben oft missbraucht zu haben,
und bereuen unsere Schuld.

Wir bezeugen, 
dass die natürliche Welt Gottes Schöpfungswerk ist.
Wir wollen sie schützen 
und verantwortungsvoll nutzen.

Wir nehmen dankbar 
die Möglichkeiten menschlicher Gemeinschaft an.
Wir setzen uns ein für das Recht jedes Einzelnen
auf sinnvolle Entfaltung in der Gesellschaft.

Wir stehen ein 
für das Recht und die Pflicht aller Menschen,
zum Wohl des Einzelnen 
und der Gesellschaft beizutragen.

Wir stehen ein 
für die Überwindung von Ungerechtigkeit und Not.

Wir verpflichten uns 
zur Mitarbeit am weltweiten Frieden
und treten ein 
für Recht und Gerechtigkeit unter den Nationen.

Wir sind bereit, 
mit den Benachteiligten unsere Lebensmöglichkeiten zu teilen.
Wir sehen darin eine Antwort auf Gottes Liebe.

Wir anerkennen Gottes Wort
als Maßstab in allen menschlichen Belangen
jetzt und in der Zukunft.

Wir glauben 
an den gegenwärtigen und endgültigen Sieg Gottes.
Wir nehmen seinen Auftrag an, 
das Evangelium in unserer Welt zu leben.

Amen.

Veröffentlichungen zum Thema

Das Soziale Bekenntnis der Evangelisch-methodistischen Kirche
Geschichte, aktuelle Bedeutung, Impulse für die Gemeinde.

Herausgegeben von Lothar Elsner, Ulrich Jahreiß u. a.
110 Seiten, Hardcover, 2008
Edition Ruprecht, ISBN 3-7675-7099-3
Zu bestellen im EmK-Shop  oder im Buchhandel.

Soziale Grundsätze der Evangelisch-methodistischen Kirche
Fassung 2008/2010. EmK-Forum 36
60 Seiten, Broschur, 2010
Medienwerk der Evangelisch-methodistischen Kirche, ISBN 978-3-940463-15-9
Zu bestellen im EmK-Shop  oder im Buchhandel. 

Oder hier herunterladen

Zur Übersicht von typisch methodistisch