100 Jahre VEF: Einheit sichtbar leben
Mit einem Gottesdienst und einem Festakt in Berlin hat die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert. Vertreterinnen und Vertreter aus Kirchen, Politik und Gesellschaft würdigten die gewachsene Zusammenarbeit und hoben ihre Bedeutung für Kirche und Gesellschaft hervor. Rund 200 Gäste nahmen an der Feier teil. Deutlich wurde dabei: Die VEF ist über die Jahrzehnte zu einer verlässlichen Stimme im ökumenischen Miteinander geworden.
Durch den Festgottesdienst und den anschließenden Jubiläumsempfang führte Anja Kieser von »radio m«, der Radioagentur in der Region Deutschland der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK).
Gemeinschaft als geistliche Grundlage
Im Gottesdienst stellte VEF-Präsident Marc Brenner die geistliche Dimension der Zusammenarbeit in den Mittelpunkt. Ausgehend vom alttestamentlichen Buch Prediger (Kapitel 4, die Verse 9–12) machte er deutlich, dass gemeinsames Handeln stärke: Menschen könnten einander aufhelfen, sich gegenseitig Wärme geben und gemeinsam widerstehen. Die »dreifache Schnur« stehe dabei für die Verbindung, die entsteht, wenn Christus die Mitte bildet. So gewinne Gemeinschaft ihre Tragfähigkeit nicht aus sich selbst, sondern aus der Beziehung zu ihm. Mit Blick auf die VEF unterstrich Brenner, dass genau diese geistlich gegründete Verbundenheit die Zusammenarbeit der Freikirchen über unterschiedliche Prägungen hinweg trägt und ermöglicht.
Ökumenische Wertschätzung – und klare Worte
In den Grußworten wurde die Rolle der Freikirchen ausdrücklich gewürdigt. Kirsten Fehrs, Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), betonte:
»Das, was uns verbindet, ist ungleich bedeutender als das, was uns trennt.«
Zugleich wurde die aktuelle gesellschaftliche Lage nicht ausgeblendet. Fehrs verwies auf Versuche, Kirchen politisch gegeneinander auszuspielen, und stellte klar:
»Wer versucht, einen Keil zwischen unsere Kirchen zu treiben, scheitert an unserer gelebten Geschwisterlichkeit.«
Hintergrund sind unter anderem Äußerungen aus der AfD in Sachsen-Anhalt, die Freikirchen als vermeintliche Alternative zu den großen Kirchen ins Spiel gebracht hatten. Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) reagierte darauf mit einer klaren Positionierung. Ihr politischer Beauftragter Konstantin von Abendroth wies entsprechende Vereinnahmungsversuche zurück und betonte, dass Freikirchen fest in der ökumenischen Zusammenarbeit stehen und sich nicht für politische Zwecke instrumentalisieren lassen.
Auch aus römisch-katholischer Sicht wurde das Jubiläum eingeordnet. Gerhard Feige, Bischof von Magdeburg und Vorsitzender der Ökumenekommission der Deutschen Bischofskonferenz, würdigte die VEF als »ökumenische Pionierin« und erklärte zugleich: »Ich tue dies im Wissen darum, dass die katholische Kirche … Schuld auf sich geladen hat.«
Damit wurde deutlich: Die heutige ökumenische Zusammenarbeit steht auch vor dem Hintergrund einer Geschichte, die kritisch erinnert und bewusst aufgearbeitet wird.
Vorstand neu gewählt
Am Tag nach dem Jubiläum trat die Mitgliederversammlung der VEF zusammen. Dabei wurde Marc Brenner (Präses der Gemeinde Gottes) als Präsident bestätigt. Neu in den Vorstand gewählt wurde Michael Bitzer, Bundessekretär der Region Süd des Bundes Freier evangelischer Gemeinden. Wieder gewählt wurden Jochen Geiselhart, der Leiter von Foursquare Deutschland, Anette Janowski von der Heilsarmee in Deutschland und James Ros, Vizepräses im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Stefan Kraft von der EmK stellte sich nicht mehr zur Wahl und schied aus dem Vorstand aus.
Neue Mitglieder im Blick
Der Blick richtet sich darüber hinaus auf mögliche Erweiterungen: Mit Vineyard Deutschland sowie dem Bund Evangelischer Täufergemeinden steht die Aufnahme weiterer Freikirchen im Raum. Damit könnte das Netzwerk der VEF künftig noch breiter aufgestellt werden.
Einheit als Auftrag
In den Beratungen wurde deutlich: Die Zusammenarbeit der Freikirchen ist kein Selbstzweck. Sie dient dazu, gemeinsam Verantwortung wahrzunehmen – in Kirche und Gesellschaft. So verbindet das Jubiläum Rückblick und Ausblick. Die Erfahrungen eines Jahrhunderts gemeinsamer Arbeit treffen auf aktuelle Herausforderungen – auch im gesellschaftlichen und politischen Raum.
Die VEF setzt damit ein Zeichen: für Zusammenarbeit statt Abgrenzung, für klare Haltung statt Vereinnahmung – und für eine gelebte Einheit der Christen, die über Unterschiede hinweg trägt und Zukunft eröffnet.
Weiterführende Links
www.vef.de
www.katholisch.de
VEF - Evangelisch predigen
VEF - Reaktion auf das Wahlprogramm der AFD in Sachsen-Anhalt
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Zur Information
Vereinigung Evangelischer Freikirchen
Die Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF) ist ein Zusammenschluss evangelischer Freikirchen in Deutschland. Sie wurde im April 1926 gegründet, um die Zusammenarbeit der Freikirchen zu stärken und gemeinsame Anliegen in Kirche, Gesellschaft und Politik zu vertreten. Die VEF engagiert sich unter anderem in ökumenischen Dialogen, in ethischen und sozialpolitischen Fragen sowie in der Förderung kirchlicher Vernetzung.
Zur VEF gehören derzeit unter anderem folgende Kirchen und Gemeindebünde:
- Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG, Baptisten und Brüdergemeinden)
- Evangelisch-methodistische Kirche (EmK)
- Bund Freier evangelischer Gemeinden (FeG)
- Heilsarmee
- Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Gemeinden in Deutschland (AMG)
- Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP)
- Kirche des Nazareners






