Gerechtigkeit, Frieden, Freude im Heiligen Geist
Mit Musik, Tanz und viel salvadorianischer Herzlichkeit hat der Weltrat methodistischer Kirchen (World Methodist Council, WMC) am Donnerstag, 13. August, seine Tagung in San Salvador eröffnet. Bis zum 17. August beraten Vertreterinnen und Vertreter aus verschiedenen Teilen der Welt über Gerechtigkeit, Frieden und Freude im Heiligen Geist. Aus der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Deutschland nehmen Bischof Werner Philipp, Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner und Michael Löffler teil.
Der Weltrat verbindet 80 Kirchen in 138 Ländern, die zusammen für mehr als 80 Millionen Christinnen und Christen stehen. Er lebt davon, dass Kirchen aus ganz unterschiedlichen Ländern und Kulturen einander begegnen, voneinander lernen und gemeinsam nach Antworten auf die Fragen ihrer Zeit suchen.
El Salvador gibt den Ton an
Die Gastgeber machten gleich zu Beginn deutlich: El Salvador ist mehr als nur der Ort dieser Tagung. Die Methodistische Kirche des Landes entstand erst 1994, kurz nach dem Ende des zwölfjährigen Bürgerkriegs. Seitdem verbindet sie die Verkündigung des Evangeliums mit sozialem Engagement und dem Einsatz für eine friedliche Entwicklung des Landes. Am ersten Sitzungstag nahm der Weltrat die Methodistische Kirche von El Salvador nun offiziell als Mitgliedskirche auf – ein besonderer Moment für die Gastgeber.
Wie viel El Salvador kulturell zu bieten hat, zeigte eine Präsentation mit Musik, Tanz und Kunsthandwerk. Eine Schülerin der einzigen methodistischen Schule des Landes erzählte von Pupusas, den gefüllten Maisfladen, sowie von Festen und den indigenen und spanischen Wurzeln der salvadorianischen Kultur. Die Schule wurde vor zwölf Jahren gegründet. Inzwischen besuchen sie 623 Schülerinnen und Schüler.
Außerdem ging es in der ersten Arbeitssitzung um die künftige Ausrichtung und die Finanzen des Weltrats. Berichte aus den Verbindungsbüros in Rom und Jerusalem, aus der Genfer Arbeit sowie zur ökumenischen »Schöpfungszeit« gaben Einblick in weitere Arbeitsfelder.
Ein Dienst für die weltweite Ökumene
Ein besonderer Moment der Sitzung galt Rosemarie Wenner: Der Weltrat würdigte ihren langjährigen Dienst als »Genfer Sekretärin«. Seit 2017 vertrat sie den Weltrat beim Ökumenischen Rat der Kirchen und hielt die Verbindung zu anderen weltweiten Kirchengemeinschaften. Ein eigenes Büro in Genf hatte Wenner dabei nie. Sie nahm die Aufgabe von Deutschland aus wahr und war regelmäßig bei den ökumenischen Partnern zu Gast. Mit dieser Tagung endet diese Aufgabe.
Wenner dankte für die vielen Begegnungen und die Unterstützung durch Mitgliedskirchen und ökumenische Partner. Ihr Wunsch: Der Weltrat möge eine lebendige und gesunde Gemeinschaft bleiben. WMC-Präsidentin Debra Wallace-Padgett dankte Wenner für ihren unermüdlichen Einsatz und ihre prägende Stimme in der weltweiten Ökumene.
Halt finden – und aufbrechen
Am Abend kamen die Teilnehmenden zu einem mehrsprachigen Abendmahlsgottesdienst zusammen. In ihrer Predigt verband Wallace-Padgett das Tagungsmotto aus dem Römerbrief (Kapitel 14, Vers 17) mit einer Zusage Jesu aus der Apostelgeschichte (Kapitel 1, Vers 8): »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen und werdet meine Zeugen sein.«
Gerechtigkeit, Frieden und Freude seien nicht aus eigener Kraft zu schaffen, sagte die US-amerikanische Bischöfin. Der Heilige Geist helfe Menschen, in Gott Halt zu finden. Gleichzeitig setze er sie in Bewegung und schicke sie über das Vertraute und die eigenen Grenzen hinaus.
Biblische Gerechtigkeit habe dabei zwei Seiten: die Beziehung zu Gott und zu den Mitmenschen – und den Auftrag, gesellschaftlichem Unrecht entgegenzutreten. In methodistischer Sprache: Persönliche und soziale Heiligung gehören zusammen. Als Beispiel erinnerte Wallace-Padgett an die Methodistin Rosa Parks und ihren friedlichen Widerstand gegen die Rassentrennung in den USA.
»Wir sind berufen, Zeuginnen und Zeugen der guten Nachricht von Jesus zu sein«, sagte Wallace-Padgett. Ein Weg dazu sei, Gerechtigkeit, Frieden und Freude sichtbar werden zu lassen. In einer gemeinsam gesprochenen Selbstverpflichtung bekräftigten die rund 200 Teilnehmenden, für die Würde aller Menschen einzutreten, Frieden zu stiften und der Freude des Evangeliums Raum zu geben.
Weiterführende Links
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Zur Information
El Salvador
El Salvador – auf Deutsch »der Erlöser« – ist der kleinste Staat Mittelamerikas und ungefähr so groß wie Hessen. Das Land liegt zwischen Guatemala, Honduras und dem Pazifik; Hauptstadt ist San Salvador. Die jüngere Geschichte ist vom Bürgerkrieg zwischen 1980 und 1992 geprägt; Erzbischof Óscar Romero, der für arme und entrechtete Menschen sowie gegen staatliche Gewalt eintrat, wurde 1980 während einer Messe ermordet. Bis heute gilt Romero vielen Menschen in El Salvador als »Stimme der Stimmlosen« und als Symbol für Gerechtigkeit, Menschenwürde und den Einsatz für die Armen.






