Methodistischer Weltrat Von Michael Löffler  | 

Frieden, der trägt – Freude, die bleibt

Teilnehmende sitzen vor einer Bühne, auf der sechs Personen über Frieden im weltweiten Zusammenhang sprechen. Im Hintergrund ist eine englischsprachige Präsentation zum Reich Gottes und zum Frieden zu sehen.
Bei der Weltratstagung in San Salvador geht es um Frieden, der trägt, und Freude, die auch dem Leid standhält.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Wie können Frieden und Freude wachsen, wenn Gewalt und Leid das Leben bestimmen? In San Salvador weisen Zuhören, Versöhnung und Hoffnung einen Weg.
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Das Leitwort der Tagung des World Methodist Council (Weltrat methodistischer Kirchen) in San Salvador ist aus den vorherigen Berichten bereits vertraut: »Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit und Frieden und Freude im Heiligen Geist« (Römerbrief, Kapitel 14, Vers 17). Nachdem es am Vortag um die Gerechtigkeit gegangen war, rückten am Samstag, 15. August, Frieden und Freude in den Mittelpunkt. Zwei große Worte, die leicht zu schön klingen können. Doch die Gespräche zeigten: Beide haben mit dem wirklichen Leben zu tun – mit Gewalt und Versöhnung, mit Leid und Hoffnung, mit der Verantwortung der Kirche.

Mehr als das Schweigen der Waffen

Humberto Martin Shikiya aus Argentinien, der am Vorabend den Friedenspreis des Weltrats erhalten hatte, eröffnete die Einheit zum Frieden. Der Methodist und Wirtschaftswissenschaftler unterschied zwischen einem »negativen Frieden«, bei dem die Waffen schweigen, und einem »positiven Frieden«. Dieser entsteht erst, wenn Menschen in Würde leben können, ihre Rechte geschützt werden und ungerechte Verhältnisse sich verändern.

Auf dem Podium wurde es konkret. Der aus Chile stammende Jurist und methodistische Missionar Cristian Schlick arbeitet in Mexiko mit Migranten. Er erinnerte daran, dass Kirchen nicht anstelle der Betroffenen sprechen sollten. Sie müssten vielmehr dafür sorgen, dass deren Stimmen gehört und sprachliche Barrieren abgebaut werden. Wer sich nicht in seiner Muttersprache äußern kann, bleibt leicht am Rand – selbst bei einer internationalen kirchlichen Tagung.

Sam Murillo und Jeimy Peña berichteten von Friedenspilgerreisen nach Korea und Kolumbien. Dort waren die Teilnehmenden Angehörigen, Opfern und Menschen begegnet, die selbst schuldig geworden waren. Konflikte lassen sich eben nicht auf Zahlen und politische Vereinbarungen reduzieren. Hinter ihnen stehen Namen, Gesichter und Lebensgeschichten. Frieden beginnt deshalb mit Zuhören, mit dem Benennen von Schuld, der Übernahme von Verantwortung und der Bereitschaft zu einem langen Weg der Versöhnung.

Bischof Luis Caicedo beschrieb die Lage Kolumbiens nach dem Friedensabkommen von 2016. Trotz wichtiger Fortschritte gefährdeten Armut, Drogenhandel, bewaffnete Gruppen und die Vernachlässigung ländlicher Gebiete weiterhin den Frieden. Kirchen könnten Menschen begleiten, über Menschenrechte informieren, Jugendliche stärken und sich unabhängig gegen Machtmissbrauch stellen. Frieden brauche Wahrheit, Sicherheit brauche Recht. Gerechtigkeit müsse helfen, zerstörte Beziehungen zu heilen und Gemeinschaft neu aufzubauen.

Freude, die dem Leid widerspricht

Am Nachmittag rückte die Freude in den Mittelpunkt. Die australische Theologin Amelia Koh-Butler vom Council for World Mission (Rat für Weltmission) beschrieb christliche Freude als Sehnsucht, als widerständige Kraft, als gemeinschaftliche Erfahrung und als Sendung. Freude leugne das Leiden nicht. Sie weigere sich aber, ihm das letzte Wort zu überlassen.

Heather Morris von der Methodistischen Kirche in Irland griff diesen Gedanken auf. Kirche müsse den Kreis weiter machen und mehr Platz am Tisch schaffen. Das klingt einfach, ist es aber nicht. Menschen bringen Prägungen, Verletzungen und Vorurteile mit. Manchmal beginne Veränderung deshalb mit dem ehrlichen Satz: »Ich möchte es wollen.« Gottes Geist begegne Menschen genau dort.

Sarah Friswell aus Großbritannien sprach über das Pilgern. Wer sich auf den Weg mache, müsse im inneren Gepäck Raum lassen für neue Begegnungen und überraschende Einsichten. Pilgern könne Menschen verändern und sie mit neuen Geschichten, größerer Aufmerksamkeit und neuer Kraft in den Alltag zurückkehren lassen.

Eine Probe für das Leben

Der aus Brasilien stammende und heute in den USA tätige Pastor und Liturgiewissenschaftler Tércio Junker verband Freude und Gottesdienst. Gottesdienst sei keine Flucht aus einer leidvollen Welt, sondern eine »Probe für die Mission«. Dort üben Menschen Versöhnung ein, um auch außerhalb der Kirche Brücken zu bauen. Sie teilen Brot, damit ihnen der Hunger anderer nicht gleichgültig bleibt. Sie beten füreinander – und manchmal singt einer für den anderen mit, wenn diesem die Worte fehlen.

Frieden und Freude standen an diesem Tag nicht einfach nebeneinander. Sie führten zurück zur Gerechtigkeit – und damit zum gesamten Leitwort. Wo Gerechtigkeit fehlt, bleibt Frieden brüchig. Wo Frieden fehlt, wird Freude schnell oberflächlich. Wo Gottes Geist wirkt, kann mitten in einer verletzten Welt etwas von Gottes Reich sichtbar werden: wenn Menschen zuhören, Ausgeschlossene an den Tisch holen, Brot teilen und die Hoffnung füreinander wachhalten.

 

Weiterführende Links

https://worldmethodistcouncil.org/

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

El Salvador – auf Deutsch »der Erlöser« – ist der kleinste Staat Mittelamerikas und ungefähr so groß wie Hessen. Das Land liegt zwischen Guatemala, Honduras und dem Pazifik; Hauptstadt ist San Salvador. Die jüngere Geschichte ist vom Bürgerkrieg zwischen 1980 und 1992 geprägt; Erzbischof Óscar Romero, der für arme und entrechtete Menschen sowie gegen staatliche Gewalt eintrat, wurde 1980 während einer Messe ermordet. Bis heute gilt Romero vielen Menschen in El Salvador als »Stimme der Stimmlosen« und als Symbol für Gerechtigkeit, Menschenwürde und den Einsatz für die Armen.

Weltrat methodistischer Kirchen / World Methodist Council (WMC)
Der Weltrat methodistischer Kirchen ist ein internationales Netzwerk. Nach eigenen Angaben gehören ihm 80 Kirchen in 138 Ländern an, die zusammen mehr als 80 Millionen Christinnen und Christen vertreten. Zu den Mitgliedern gehört auch die Regionalkonferenz Deutschland der Evangelisch-methodistischen Kirche. Der Weltrat fasst keine für seine Mitgliedskirchen verbindlichen Beschlüsse. Er bietet ihnen jedoch ein gemeinsames Forum für internationale Zusammenarbeit, öffentliche Stellungnahmen und den Austausch über kirchliche und gesellschaftliche Fragen.