Bischofsbotschaft zu Weihnachten Von Bischof Werner Philipp  | 

Den Blick heben – Staunen und Hoffnung

Mann im Anzug sitzt an einem Schreibtisch vor einem Bücherregal, lächelt in die Kamera und schreibt mit einem Stift. Vor ihm liegt eine aufgeschlagene Bibel; im Hintergrund stehen Bücher und eine kleine Skulptur.
Bischof Werner Philipp: »Bindet euren Karren an Gottes Verheißung« – ein Wort der Hoffnung zur Weihnachtszeit.
Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Weihnachten beginnt mit Staunen und öffnet Raum für Hoffnung. Bischof Werner Philipp lädt ein, den Blick zu heben und mitten im Ungewissen Gottes Nähe zu entdecken.
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Wenn wir in diesen Tagen vor Weihnachten den Blick heben, beginnt vieles mit Staunen. Der Himmel spannt sich weit über uns, ein funkelndes Zeichen von Weite, Verheißung und Hoffnung. Zugleich wissen wir: Wir können den Himmel nicht festhalten, keinen Stern erreichen, kein Seil dorthin knüpfen. Genau hier berührt uns die Weihnachtsbotschaft. Sie erzählt davon, dass Gott selbst die Verbindung schafft, die wir nicht herstellen können.

Hoffnung als Kompass

»Binde deinen Karren an einen Stern« – dieses alte Wort, das Leonardo da Vinci zugesprochen wird, beinhaltet eine tiefe Wahrheit. Es lädt uns ein, unser Leben nicht allein an dem auszurichten, was schwer, mühsam oder begrenzt erscheint, sondern an einer Hoffnung, die größer ist als wir selbst. Die Weisen aus dem Morgenland haben genau das getan. Sie folgten keinem sicheren Plan, sondern einem Ruf. Der Stern führte sie nicht, weil sie alles verstanden, sondern weil sie vertrauten. Hoffnung war ihr Kompass.

Gott sucht unsere Nähe

Auch wir ziehen unsere Karren. Sie sind gefüllt mit Sorgen, Fragen, Enttäuschungen, manchmal auch mit Erschöpfung. Viele Menschen erleben diese Zeit als persönlich, gesellschaftlich und kirchlich herausfordernd. Umso wichtiger ist die Zusage von Weihnachten: Gott kommt uns entgegen. Er bleibt nicht fern, sondern wird Mensch. Das Kind in der Krippe zeigt uns: Gottes Nähe beginnt klein, leise und verletzlich – und gerade darin liegt ihre Kraft.

Weihnachten spricht uns zu, dass wir mehr hoffen dürfen, als wir oft wagen. Es erinnert uns daran, dass Gott nicht erst handelt, wenn alles geordnet ist, sondern mitten im Unfertigen, im Fragilen und im Dunklen. Der Stern über der Krippe ist kein Zeichen perfekter Verhältnisse, sondern ein Licht auf dem Weg. Er sagt uns: Du darfst weitergehen. Du bist nicht allein. Dein Weg hat ein Ziel.

Hoffnung neu ausrichten

Einen Karren an einen Stern zu binden heißt, sich neu ausrichten zu lassen. Es heißt, der Zukunft Gottes mehr Raum zu geben als der Angst vor dem Morgen. Es heißt, darauf zu vertrauen, dass Gottes Möglichkeiten größer sind als unsere Begrenzungen. Diese Hoffnung nimmt uns die Last nicht immer sofort ab, aber sie verändert die Richtung. Sie setzt in Bewegung, schenkt Mut und öffnet neue Perspektiven.

So wünsche ich Ihnen und euch ein Weihnachtsfest, das stärkt und aufrichtet. Möge das Licht von Bethlehem Herzen wärmen, Sorgen leichter machen und neue Zuversicht schenken. Möge der Stern Gottes euch begleiten – in stillen Momenten ebenso wie in herausfordernden Tagen.

Wenn wir in das neue Jahr gehen, lasst uns diesen Stern nicht aus den Augen verlieren. Bindet euren Karren an Gottes Verheißung. Traut seiner Zukunft mehr zu als den Grenzen der Gegenwart. Geht mit Vertrauen, mit Offenheit und mit Hoffnung in das kommende Jahr. Denn Gott geht mit – an unserer Seite, Schritt für Schritt.

Gesegnete Weihnachten und ein behütetes, hoffnungsvolles neues Jahr!

Ihr / Euer Werner Philipp

Der Autor

Werner Philipp D. Min. ist als Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche für das Gebiet der Regionalkonferenz Deutschland zuständig. Er versteht seinen Dienst als Auftrag, Einheit in Vielfalt zu fördern, den geistlichen Blick zu schärfen und Hoffnung als tragende Kraft für Kirche und Gesellschaft zu stärken. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de