Missionarischer Aufbruch Von Michael Löffler  | 

Hundert Jahre Zeltmission – Aufbruch mit »freiraum«

Der Blick fällt aus dem Eingang eines größeren Zelts aus hellem Stoff auf ein bewaldetes Gebirge und hinunter ins Tal, wo es dunstig ist. Im Zelteingang ist eine Grafik und ein Schriftzug: »freiraum – Glaube geht raus«. Die Grafik besteht aus einem nach links gekippten Quadrat mit Kreuz.
Geöffnete Zeltbahnen geben den Blick frei in die Weite: Das Motiv steht für den Übergang von hundert Jahren Zeltmission hin zu »freiraum – Glaube geht raus«.
Bildnachweis: Evangelisationswerk der EmK
Nach hundert Jahren endet die Zeltmission, und mit »freiraum – Glaube geht raus« beginnt ein neuer Weg in der EmK.
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Ein vertrautes Bild verschwindet – und macht Raum für Neues: Nach hundert Jahren endet die Arbeit der Zeltmission in der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Zugleich beginnt unter dem Namen »freiraum – Glaube geht raus« ein neuer Abschnitt.

Gefeiert wird dieser Übergang am 1. und 2. Mai in Laichingen auf der Schwäbischen Alb. Rückblick und Aufbruch gehören dabei untrennbar zusammen.

Ein Jahrhundert mit Wirkung

Über viele Jahrzehnte hinweg hat die Zeltmission Menschen erreicht, die mit Kirche oft wenig Berührung hatten. Ihre Stärke lag in ihrer Schlichtheit: ein Zelt, ein offener Raum, eine Einladung.

Hans-Martin Kienle, Leiter der EmK-Zeltmission, beschreibt diese Erfahrung so: »Menschen brauchen Orte, an denen sie Gottes Ruf im Herzen spüren und hören können.« Genau solche Orte seien in den Zelten immer wieder entstanden. Viele hätten dort erstmals bewusst über ihren Glauben nachgedacht oder eine Entscheidung getroffen. Für Gemeinden sei daraus über Jahre hinweg ein tragfähiges Fundament gewachsen.

Veränderte Rahmenbedingungen

In den vergangenen Jahren wurde zugleich deutlich, dass die klassischen Formen der Zeltevangelisation an Grenzen stoßen. Der organisatorische Aufwand wächst, während die Beteiligung vor Ort zurückgeht.

Auch gesellschaftliche Erwartungen haben sich verändert: Viele Menschen suchen heute weniger Veranstaltungen, sondern persönliche Zugänge, Begegnungen und glaubwürdige Beziehungen. Vor diesem Hintergrund fiel die Entscheidung, die bisherige Arbeit zu beenden – und zugleich neu anzusetzen.

Eine neue Richtung: »freiraum«

Der neue Name ist bewusst gewählt. Er steht für Offenheit, Beweglichkeit und die Bereitschaft, gewohnte Wege zu verlassen.

Bernd Schwenkschuster, Sekretär für missionarischen Gemeindeaufbau für die Region Deutschland und geistlicher Leiter von »freiraum«, beschreibt die Ausrichtung so: »Der Name zeigt, dass Glaube hinausgeht zu den Orten, an denen Menschen leben, fragen und hoffen.«

Damit verbindet sich ein Perspektivwechsel: Nicht mehr die Einladung zu einer Veranstaltung steht im Mittelpunkt, sondern die Begegnung im Alltag.

Unterstützung für Gemeinden

»freiraum« versteht sich nicht als fertiges Konzept, sondern als Unterstützung für Gemeinden. Sie sollen ermutigt werden, eigene Formen zu entwickeln – passend zu ihrem Umfeld. Dazu gehören Begleitung und Coaching, kreative Möglichkeiten für Aktionen im öffentlichen Raum sowie geistliche Impulse, die Gemeinschaft stärken und neue Zugänge eröffnen. Im Kern geht es darum, Räume zu schaffen, in denen Menschen sich öffnen können – für Gespräche, für Fragen und für Glauben.

Einladung zum Mitfeiern

Der Übergang von der Zeltmission zu »freiraum« wird am 1. und 2. Mai in Laichingen gefeiert.

Am Freitag steht der Rückblick auf hundert Jahre Zeltmission im Mittelpunkt. Der Samstag ist dem Neuanfang gewidmet – mit einem Gottesdienst und Einblicken in die zukünftige Arbeit. Eingeladen sind alle, die sich für missionarischen Gemeindeaufbau interessieren, nach neuen Wegen suchen oder diesen besonderen Moment miterleben möchten.

Ein Abschied – und vor allem ein Anfang

Mit dem Ende der Zeltmission geht eine prägende Epoche zu Ende. Der Auftrag bleibt – und wird in veränderter Form weitergeführt. Bernd Schwenkschuster beschreibt die Perspektive so: »Wir wollen Gemeinden und Menschen dazu befähigen, Räume zu schaffen, in denen andere Gott begegnen können – mitten in ihrem Alltag.«

Der Glaube bleibt nicht stehen. Er geht weiter – hinaus in neue Räume.

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

www.evangelisationswerk.de/