Zwischen Kosmos und Glauben
Die Astronomie habe ihn schon seit seiner Kindheit fasziniert, berichtete Bischof Werner Philipp zu Beginn seines Vortrags in der Christuskirche Böblingen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Der Blick in den Kosmos habe seine Sicht auf das Leben geprägt: Wie klein erscheine doch der Mensch angesichts der unermesslichen Weite des Universums – und zugleich wie erstaunlich sei es, dass Menschen über Unendlichkeit, Licht und die Geheimnisse des Alls nachdenken können. »Gott setzt den Menschen ins All, aber so, dass der Mensch das All durchdringen kann«, sagte der Bischof.
Im Rahmen der Ausstellung »IMPULSE« sprach der Bischof am Mittwoch, 6. Mai, über das Thema »Himmel, Licht und Unendlichkeit – Wenn Kunst und Astronomie den Glauben berühren«.
Die EmK-Gemeinde in Böblingen veranstaltet im zweijährigen Rhythmus Kunstausstellungen und öffnet dafür ihre Kirche bewusst als Raum für Begegnung zwischen Kunst, Gesellschaft und Glauben. Begleitet werden die Ausstellungen jeweils von Vorträgen, Gesprächen und kulturellen Veranstaltungen. In diesem Jahr zeigt GYJHO (Gyjho Frank) aus Filderstadt farbintensive Bilder, Alexander Gerlach aus Weil im Schönbuch Skulpturen aus Metall und Holz.
Naturwissenschaft, Kunst und Glaube
Der Vortrag des Bischofs in der voll besetzten Kirche widmete sich dem Dreiklang von Naturwissenschaft, Kunst und Glaube. Sie seien drei Wege, Wirklichkeit wahrzunehmen und insofern »unterschiedliche Sprachen derselben Wirklichkeit«. Die heutige Meinung, dass nur das wahr und wichtig sei, was beweisbar ist, verkenne, dass das Unsichtbare nicht die Ausnahme, sondern vielfach die Regel ist. Werner Philipp warb dafür, verschiedene Ebenen menschlicher Erkenntnis zusammenzudenken: Verstand, Wahrnehmung und inneres Erleben. »Ein Leben ohne Kunst wäre arm. Auch ohne Glauben wäre ein Leben arm«, sagte der Bischof. Erst das Zusammenspiel verschiedener Perspektiven ermögliche einen umfassenden Blick auf die Wirklichkeit.
Das Licht als Schlüsselbild
An den Themen Himmel, Licht und Unendlichkeit zeigte Werner Philipp, wie sich naturwissenschaftliche, künstlerische und geistliche Sichtweisen gegenseitig ergänzen können. Besonders das Licht stand dabei im Mittelpunkt seiner Überlegungen. Physikalisch sei es schwer zu fassen, lege unfassbare Entfernungen zurück und bleibe in vielen Bereichen für das menschliche Auge unsichtbar. In der Kunst wiederum mache Licht Farben und Stimmungen überhaupt erst sichtbar. Unterschiedliche Lichtverhältnisse gäben Bildern jeweils einen eigenen Charakter. Im Glauben werde das Licht schließlich zum Zeichen der Gegenwart Gottes. Sonne, Mond und Sterne seien dabei keine göttlichen Wesen, sondern Geschöpfe Gottes zum Wohl der Menschen.
Kunstwerke im Dialog
Spannend für die Zuhörenden und die anwesenden Künstler war, wie Werner Philipp einzelne Werke der Ausstellung unmittelbar in seine Gedanken einbezog. So sprach er unter anderem über Arbeiten wie »Begegnungen«, »Quantenzeit« oder die Skulpturen der Reihe »Begleiter«. Die Kunstwerke wurden dabei nicht nur beschrieben, sondern zu Gesprächspartnern eines Abends, der Kunst, Naturwissenschaft und Glauben miteinander ins Gespräch brachte.
»Staunen ist der Anfang«
Zum Ende seines Vortrags rückte der Bischof das Staunen in den Mittelpunkt. Wer staune, lasse sich unterbrechen, müsse nicht alles sofort erklären und könne sich von der Welt berühren lassen. Gerade darin verbinde sich die Suche der Wissenschaft mit der Kraft der Kunst und der Offenheit des Glaubens.
»Das Staunen ist auch der Anfang vom Glauben«, sagte Werner Philipp. Selbst Menschen, die keinen ausdrücklichen Glauben hätten, seien oft weiterhin fähig zu staunen – über den Kosmos, über Schönheit und über das Leben selbst. Angesichts der Größe des Universums könne man letztlich nur staunen – und vielleicht zeige sich darin etwas von Gottes Größe und Liebe.
Der Vortrag fand großen Anklang bei den Besucherinnen und Besuchern, den beteiligten Künstlern und auch bei der anwesenden Lobrednerin. Viele blieben noch lange nach Veranstaltungsende in der Kirche, betrachteten die Kunstwerke, kamen miteinander ins Gespräch und nutzten den Abend für Begegnungen und Austausch.
Weiterführende Links
Die Ausstellung »IMPULSE« ist noch bis 17. Mai in der Christuskirche Böblingen zu sehen. Weitere Informationen zum Begleitprogramm gibt es unter: www.emk-boeblingen-sindelfingen.de/veranstaltungen/boeblingen-ausstellung
Weitere Eindrücke gibt es außerdem auf YouTube: www.youtube.com/watch?v=IP3IJZiijjk
Die Autorin
Anne Oberkampf ist leitende Pastorin der Evangelisch-methodistischen Kirche im Bezirk Böblingen-Sindelfingen. Kontakt: anne.oberkampf(at)emk.de






