Bischofsbesuch aus Burundi Von Michael Löffler  | 

»Eine Überraschung des Heiligen Geistes«

Im Flur der Kirchenkanzlei halten drei Herren in Jacketts gemeinsam ein gerahmtes Gemälde. Es zeigt Kreuz und Flamme sowie das Kreuz in der Weltkugel über zwei offenen Händen, durch die helles Licht scheint. Die unten dargestellte Welt ist zerrissen.
Symbol der wiederauflebenden Partnerschaft »United in Prayer – Verbunden im Gebet«: Grafiker Johannes Fritz (Mitte) übergibt gemeinsam mit Bischof Werner Philipp (links) sein Aquarell an Bischof Emmanuel Sinzohagera.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Neuer Bischof Emmanuel Sinzohagera knüpft an historische Partnerschaft an und gibt Einblick in die aktuellen Herausforderungen der EmK in Burundi.
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Im März wählte die Zentralkonferenz Afrika der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) Emmanuel Sinzohagera zum Bischof und übertrug ihm die Verantwortung für Burundi und Ruanda. Mitte September unternahm er seine erste Auslandsreise nach Deutschland. Während seines knapp einwöchigen Aufenthalts knüpfte er an historische Verbindungen an, da die ehemalige Südwestdeutsche Jährliche Konferenz eine Partnerschaft mit der Jährlichen Konferenz Burundi pflegte.

Verbunden im Gebet

Aus dem Bereich der ehemaligen Südwestdeutschen Konferenz werden sich noch manche an das Jahr 1993 erinnern. Damals besuchte Bischof Alfred Ndoricimpa aus Burundi die Tagung der Südwestdeutschen Jährlichen Konferenz. Unter der Leitung des damaligen Missionssekretärs Bodo Schwabe entstand die Partnerschaft »United in Prayer – Verbunden im Gebet«, die von da an die beiden Jährlichen Konferenzen verband. Ein Aquarell des Grafikers Johannes Fritz fasste diese Verbundenheit in eine eindrückliche Bildsprache.

Als großes Wandbanner reiste dieses Zeichen der Verbundenheit seinerzeit mit dem Bischof nach Burundi zurück. Für Deutschland ließ die EmK-Weltmission Plakate und Postkarten mit der Grafik anfertigen, die weite Verbreitung fanden. Jede Gemeinde im Gebiet der damaligen Südwestdeutschen Konferenz erhielt außerdem eine mit Stacheldraht umwickelte Kerze für den Abendmahlstisch als kraftvolles und Hoffnung spendendes Zeichen des gemeinsamen Gebets inmitten von Leid. Über Jahre hinweg erinnerten diese Kerzen in den Gottesdiensten an die Verbindung mit Burundi und den beiderseitigen Gebetsauftrag, mancherorts sogar bis heute.

Das Banner fiel später den Flammen des Bürgerkriegs in Burundi zum Opfer, der in den 1990er-Jahren bis ins Jahr 2000 tobte. Auch die Kirche erlebte schwere Krisen. Dem im Frühjahr neugewählten Bischof war es darum ein großes Anliegen, an die frühere Verbundenheit zwischen Burundi und Deutschland anzuknüpfen. Dies führte dazu, dass er seine erste Auslandsreise nach Deutschland unternahm.

Zum Auftakt der Begegnungen war sehr zur Überraschung von Bischof Sinzohagera der Grafiker des Aquarells in die Frankfurter Kirchenkanzlei eingeladen worden. Das Bild schmückt nämlich noch heute ein Kirchengebäude in Burundi. Das erklärt, welche Bedeutung dieses Symbol heute noch in Burundi hat. Johannes Fritz, damals in der Offenbacher EmK-Gemeinde, inzwischen zur Gemeinde im nordwestlich von Frankfurt am Main gelegenen Taunusort Brombach gehörig, übergab das Original-Aquarell an den Bischof und drückte mit diesem Geschenk aus: »Wir sind weiterhin im Gebet miteinander verbunden.«

Große Herausforderungen für das Land und die Kirche

Burundi liegt in Ostafrika. Das 14-Millionen-Einwohner-Land war jahrzehntelang von Konflikten der unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen betroffen. In den 1990er-Jahren mündeten diese Konflikte in einen Bürgerkrieg. »Es ist eine Überraschung des Heiligen Geistes«, betonte der Bischof mehrfach, »dass in Burundi die Evangelisch-methodistische Kirche dennoch gewachsen ist.« Sie zählt mittlerweile in dem Land über 270.000 Personen. Besonders beeindruckend sei das Engagement junger Menschen, erzählt der Bischof auf seiner Deutschlandreise. So nahmen beispielsweise dieses Jahr an Sommerbibellagern mehr als 10.000 Kinder teil.

Die Wahl Sinzohageras zum Bischof für Burundi und Ruanda ist eine große Chance für die EmK. Neben seiner Beauftragung zur geistlichen Leitung bringt er nämlich große politische Erfahrung mit. Von Mitte 2020 an war er bis August dieses Jahres fünf Jahre lang Präsident des Senats von Burundi und damit eine zentrale Stimme in der politischen Entwicklung seines Landes.

Allerdings steht die kirchliche Arbeit in Burundi vor großen Herausforderungen. »Von unseren 375 aktiven ordinierten Pastoren hat nur einer einen Masterabschluss in Theologie«, erklärte der Bischof und fügte, während er die Hand hob, hinzu: »Und nur eine Handvoll hat einen Bachelorabschluss.« Deshalb liegt ihm die theologische Ausbildung besonders am Herzen. Ebenso setzt er sich für die Unterstützung und Förderung von Frauen in Kirche und Gesellschaft ein. In allen Begegnungen während seiner Reise durch Deutschland ist sein tiefes Anliegen spürbar, die Menschen in seinem Land mit dem Evangelium von Jesus Christus zu erreichen.

Umfangreiches Besuchsprogramm

Die Reise durch Deutschland stand ganz im Zeichen dieser Anliegen. Am Dienstag, dem 16. September, war der Auftakt in der Kirchenkanzlei in Frankfurt am Main. Danach folgten Gespräche mit der in Frankfurt am Main ansässigen Bethanien Diakonissen-Stiftung und das Kennenlernen des von Bethanien betriebenen Kinder- und Jugendtreffs »Basement 26« im selben Gebäude. Am Folgetag führte die Reise nach Wuppertal zu Gesprächen mit der EmK-Weltmission und dem Besuch des »Museums auf der Hardt« der »Vereinten Evangelischen Mission« (VEM). Die Ausstellung zeigt die Entwicklung der protestantischen Mission von ihren Ursprüngen in Wuppertal und Bethel bis zur Gegenwart. Sie zeigt verschiedene Kulturen, beleuchtet kritisch koloniale Verstrickungen und würdigt Missionare und Missionarinnen, die eng mit der lokalen Bevölkerung lebten.

Der Donnerstag war einer Reise durch die deutsche Geschichte gewidmet: Über die thüringische Landeshauptstadt Erfurt, mit einem Besuch der evangelisch-methodistischen Ägidienkirche – wohl das älteste Kirchengebäude einer EmK-Gemeinde weltweit –, führte der Weg zum Deutsch-Deutschen Museum an der ehemaligen innerdeutschen Grenze nach Mödlareuth. Das kleine Dorf mit 55 Einwohnern liegt im Vogtland und der mitten durch das Dorf fließende Tannbach bildet noch heute die Grenze zwischen den beiden Freistaaten Thüringen und Bayern. Während der deutschen Teilung trennte eine Mauer das kleine Dorf entlang des Bachs, ähnlich wie in Berlin. Teile dieser Mauer und der Grenzanlage sind noch erhalten. Das Museum im Dorf bietet bewegende Einblicke in die damalige Situation und zeigt, dass die Wiedervereinigung ein Geschenk war.

Am Freitag reiste die Delegation nach Reutlingen, um an der dortigen evangelisch-methodistischen Theologischen Hochschule Gespräche zu führen. Ein abwechslungsreiches Besichtigungsprogramm in Reutlingen und Tübingen sowie ein Treffen mit dem in Tübingen im Ruhestand lebenden Bischof Walter Klaiber prägten den Samstag der Reisewoche.

Lob der Verbundenheit und ermutigende Herausforderung

Den Abschluss der Reise bildete der Sonntag: Im Gottesdienst des Bezirks Achalm predigte Sinzohagera in der Friedenskirche in Betzingen über einen Vers aus dem 1. Korintherbrief (Kapitel 3, Vers 11). Mit seiner Auslegung zu »Einen andern Grund kann niemand legen, außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus« setzte der Bischof ein geistliches Ausrufezeichen seiner Reise: »Wenn wir auf Jesus Christus unser Leben bauen, werden wir auch in den Stürmen und Auseinandersetzungen dieses Lebens Früchte des Geistes hervorbringen.« So wurde der Gottesdienst zu einem bewegenden Zeichen der Verbundenheit und gleichzeitig zu einer ermutigenden Herausforderung, dieses Fundament des Lebens und Glaubens persönlich in Anspruch zu nehmen.

»United in Prayer – Verbunden im Gebet«: Dieses Motto ist heute noch so aktuell wie damals.

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressespre-cher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Burundi und Ruanda: Evangelisch-methodistische Kirche

Die heutigen Staaten Burundi und Ruanda haben jeweils rund 14 Millionen Einwohner. Ihr Gebiet gehörte einst zur Kolonie Deutsch-Ostafrika.

Die World Gospel Mission begann mit der Evangelisierung in Burundi um 1937. Diese Organisation ist in den USA ansässig und kommt aus der Heiligungsbewegung, die sich auf John Wesley zurückführt, den Gründer der methodistischen Bewegung. Um 1970 brachten Konflikte zwischen Bevölkerungsgruppen das kirchliche Leben teilweise zum Erliegen. 1980 wählte die jetzt in Burundi World Gospel Church genannte Kirche ihren ersten einheimischen Bischof: Alfred Ndoricimpa.

Zwei Jahre später stellte die Kirche, die sich jetzt Evangelical Episcopal Church nannte, einen Antrag auf Aufnahme in die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK). Ihre Generalkonferenz gab dem Antrag 1984 statt. In Burundi entstand eine Jährliche Konferenz, die zur Zentralkonferenz Afrika gehörte. In den 1990er-Jahren veranlasste ein Bürgerkrieg in Burundi Bischof Ndoricimpa zur Flucht nach Kenia, von wo aus er Kontakt nach Burundi hielt. Aus Burundi stammende Flüchtlinge in den Nachbarländern Kenia, Ruanda und Uganda sorgten für ein Wachstum der EmK dort. Die Jährliche Konferenz Burundi wurde zur Jährlichen Konferenz Ostafrika erweitert.

Nach Ndoricimpas Tod 2005 wurde Bischof Machado zum Nachfolger ernannt. Ihm folgte von 2006 bis 2025 Bischof Daniel Wandabula, der für ganz Ostafrika zuständig war. Im Frühjahr 2025 wurde Emmanuel Sinzohagera zum Bischof für Burundi und Ruanda gewählt. Wandabula und Sinzohagera sind Bischöfe der Zentralkonferenz Ostafrika, die seit März 2025 existiert.

Im Bereich der Jährlichen Konferenz Burundi gehörten im Juli 2025 über 270.000 Menschen zur EmK. Eine Statistik von 2017 weist für den Bereich der Provisorischen Jährlichen Konferenz Ruanda etwas über 6.000 Kirchenglieder aus.