150 Jahre Friedenskirche Von Beate Latendorf  | 

150 Jahre Friedenskirche Esslingen – eine Hoffnungsgeschichte

In einem hohen Kirchensaal sitzen rund 40 Menschen, darunter viele mit grauen Haaren, an gedeckten Tischen und lauschen zwei Frauen, die vorne im Chorraum sitzen und erzählen.
Beim Erzählkaffee nach dem Jubiläumsgottesdienst berichten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus der Geschichte der Friedenskirche Esslingen.
Bildnachweis: EmK Bezirk Esslingen
Mit einem Festgottesdienst mit Bischof Werner Philipp, einem Erzählkaffee und einem Konzert feierte die Friedenskirche Esslingen ihr 150-jähriges Bestehen.
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In Esslingen, der baden-württembergischen Stadt, in der das Mittelalter bis heute sichtbar ist, wurde das 150-jährige Bestehen der evangelisch-methodistischen Friedenskirche gefeiert. Die erste Friedenskirche, ein kleines Kirchengebäude, wurde von 1876 bis 1962 genutzt. Die heutige Friedenskirche in der Friedensstraße entstand 1962/63 und ist seitdem die geistliche Heimat der Gemeinde. Gefeiert wurde das Jubiläum mit einem Festgottesdienst am 22. Februar mit Bischof Werner Philipp, einem Erzählkaffee am 1. März sowie einem Konzert am 7. März.

Hoffnung, die trägt

Bischof Werner Philipp, der gemeinsam mit seiner Frau Isabel Esslingen im Rahmen seiner Hoffnungstour besuchte, predigte über Kapitel 29 des Jeremiabuches. Hoffnung, so betonte er, brauche Menschen, die sie leben und pflegen. Mit einem Zitat des Religionsphilosophen Ernst Bloch erinnerte er daran, dass Hoffnung »ins Gelingen verliebt ist und nicht ins Scheitern«.

Ein Blick in die Geschichte der Gemeinde zeige, wie diese Hoffnung Gestalt gewann: Die ersten Methodisten in Esslingen trafen sich im Haus von »Mutter Hägele« – in der guten Stube und am Küchentisch. In einer Zeit, in der das religiöse Klima rau war, entstand dort eine Gemeinschaft, die ihren Glauben öffentlich leben wollte. Der Bau der ersten Friedenskirche im Jahr 1876 wurde zu einem sichtbaren Zeichen in der Stadt. Bereits ein Jahr später zählte die Gemeinde laut Chronik 47 Sonntagschullehrerinnen und -lehrer mit insgesamt 570 Kindern.

Die frühen Methodisten lebten aus der Haltung, Gott ein Leben lang zu dienen. Diese Spur der Hoffnung präge die Gemeinde bis heute, so der Bischof. Er ermutigte dazu, Brücken nach außen zu bauen, Orte des Zuhörens zu schaffen und den Frieden Gottes in die Stadt hineinzutragen.

Friedenskirche für die Stadt

Der Name Friedenskirche sei zugleich Auftrag, sagte Philipp, ein Ort des Friedens zu sein, soziale Verantwortung zu übernehmen und sich in die Stadtgesellschaft einzubringen. Projekte wie der »TreppenTreff«, die »Givebox« oder der »Fairteiler« zeigten, wie die Gemeinde dies im Alltag lebe. Öffentliche Begegnungsangebote, seelsorgerliche Begleitung und solidarisches Teilen in der Nachbarschaft seien konkrete Beiträge zum Frieden im Quartier.

Auch Esslingens Bürgermeister Yalcin Bayraktar würdigte in seinem Grußwort das Engagement der Gemeinde. Er dankte für den Einsatz zum Wohl der Menschen in der östlichen Innenstadt, in der die Friedenskirche beheimatet ist.

Erinnerungen an die Gemeindegeschichte

Beim Erzählkaffee nach dem Jubiläumssonntag wurde zunächst das Lied gesungen, das schon bei der Einweihung der zweiten Friedenskirche 1963 erklang: »Nun jauchzt dem Herren alle Welt«. Danach berichteten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen aus verschiedenen Epochen der Gemeinde.

Helmut Kobus, der 1937 in der Friedenskirche getauft wurde, erinnerte sich an eine lebendige Sonntagschule mit vielen Kindern aus der Nachbarschaft. Ab einem Alter von 13 Jahren nahm er Orgelunterricht und war später viele Jahre Organist der Gemeinde.

Wilfried Klatt, der nach dem Krieg aus Pommern nach Esslingen kam, heiratete 1960 in der Friedenskirche. Aus den alten Kirchenbänken der ersten Kirche baute er später ein Gartenhaus. Die alte Friedenskirche wurde 1962 – einen Tag nach der Konfirmation – abgerissen.

Margot Schubert berichtete von der Vereinigung der Evangelischen Gemeinschaft mit der Methodistenkirche, die in Esslingen bereits 1967 am Standort Friedenskirche vollzogen wurde. Besonders prägend war damals auch Diakonisse Schwester Lydia, die vielen Gemeindegliedern in Erinnerung geblieben ist.

Ein besonderer Gast war der Künstler Wolfgang Klein, der die Glasfront mit den Lichtkreuzen in der heutigen Friedenskirche gestaltet hat. Die rechteckige Struktur greift den architektonischen Entwurf von Günther Kobus auf und schafft eine besondere Harmonie im Raum.

Eine Gemeinde, die weitergeht

Pastor Holger Panteleit, der 2020 nach Esslingen kam, beschrieb die Lichtkreuze der Glasfront als ermutigendes Zeichen, das ihn im Alltag des Dienstes begleite.Die langjährige Organistin Christa Mayer erinnerte daran, welche Bedeutung Chor, Instrumentalkreis und gemeinsames Singen für das Gemeindeleben hatten – für viele sei die Gemeinde zu einer erweiterten Familie geworden. Heidelore Knöller schließlich berichtete von den guten ökumenischen Kontakten der Gemeinde und von der engagierten Arbeit des Frauenkreises. Eine Video-Grußbotschaft von Pastor Joachim Georg und Agnes Linke-Georg aus Berlin rundete die Erinnerungen ab.

Den Abschluss des Jubiläums bildete ein Konzert mit Jonathan Böttcher (Gitarre) und Bruno Bitschler (Percussion). Segenslieder begleiteten die Besucherinnen und Besucher in der voll besetzten Friedenskirche in den Abend.

Die Autorin

Beate Latendorf ist Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit im Bezirk Esslingen der Evangelisch-methodistischen Kirche. Kontakt: esslingen(at)emk.de