Bischof Philipp: Gebet und Verantwortung für Nahost
Im Wort des Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ruft Bischöfin Tracy S. Malone, Vorsitzende des Gremiums, zum Gebet für die Opfer des Krieges auf. Sie mahnt den Schutz der Zivilbevölkerung an und fordert politische Verantwortliche auf, alles dafür zu tun, eine weitere Eskalation zu verhindern. Außerdem fordert sie, Wege des Dialogs und diplomatischer Lösungen zu suchen.
Bischof Werner Philipp unterstreicht diesen Aufruf und betont, wie wichtig ihm das Gebet der Gemeinden in dieser Situation ist. Bereits im Januar hatte er dazu aufgerufen, für die leidenden Menschen im Iran und für Iraner im Exil – zu beten.
Zugleich weist Philipp darauf hin, dass die Situation Christen vor ein tiefes moralisches Dilemma stellt.
Menschenrechtslage im Iran
Man müsse sehen, dass das iranische Regime seit Jahrzehnten durch systematische Unterdrückung und Gewalt geprägt sei. Philipp verweist auf konkrete Beispiele: die brutale Niederschlagung von Protestbewegungen mit tausenden von Toten, willkürliche Verhaftungen, Folterberichte und Hinrichtungen politischer Gefangener, massive Einschränkungen der Presse- und Meinungsfreiheit, staatliche Repression gegen Frauen durch rigide Kleidungs- und Verhaltensvorschriften, die Verfolgung religiöser Minderheiten sowie die Kriminalisierung von Oppositionellen im In- und Ausland. Zudem unterstütze und finanziere das Regime seit Jahren militante Gruppen, die international als terroristische Organisationen eingestuft sind, und trage damit zur Destabilisierung der Region bei.
»Wer das benennt, betreibt keine Kriegsrhetorik, sondern beschreibt eine schmerzliche Realität«, so der Bischof.
Existenzrecht Israels
Zugleich nehme er die Stimmen aus der jüdischen Öffentlichkeit ernst, die auf die existentielle Bedrohung durch ein Regime hinweisen, das offen die Vernichtung Israels propagiert und Terrororganisationen unterstützt. Sicherheit und Selbstverteidigung seien biblisch keine Fremdwörter, betont Philipp. »Das Existenzrecht Israels steht für uns außer Frage.«
Zweifel an diplomatischen Perspektiven
Mit Blick auf diplomatische Perspektiven erklärt Philipp, die bisherigen Erfahrungen ließen erhebliche Zweifel an einer verlässlichen Dialogbereitschaft des Regimes aufkommen.
Das moralische Dilemma verantwortlichen Handelns
Dennoch bleibe die Lage ein moralisches Dilemma. Philipp erinnert an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der in seiner »Ethik« davon spricht, dass verantwortliches Handeln in Extremsituationen bedeuten könne, Schuld auf sich zu nehmen. Bonhoeffer schreibt: »Wer aus der Verantwortung handelt, der stellt sich in die Schuld – Gott gegenüber und den Menschen gegenüber« (»Ethik«, DBW Band 6). Bonhoeffer mache deutlich, dass es Situationen geben könne, in denen verantwortliches Handeln mit Schuldigwerden einhergeht, weil sich der Mensch zwischen zwei Übeln entscheiden müsse.
Philipp erklärt dazu: »Wir stehen vor der erschütternden Möglichkeit, dass Nichthandeln Leid verlängert – und Handeln neues Leid schafft. Christliche Verantwortung besteht nicht in moralischer Selbstgerechtigkeit, sondern im demütigen Wissen um die eigene Begrenztheit vor Gott.«
Stimmen iranischer Geflüchteter
Besonders bewegt zeige er sich von den Stimmen iranischer Geflüchteter in Deutschland. Viele hätten vor Repression, Gewalt und Perspektivlosigkeit fliehen müssen. Zugleich lebten sie nun in großer Sorge um Angehörige und Freunde im Iran und wüssten oft nicht, wie es ihnen derzeit gehe. Einige hofften trotz aller Angst, dass die aktuellen Ereignisse eines Tages den Weg zu Freiheit und zu einem Ende der Unterdrückung öffnen könnten. »Diese Menschen tragen Wunden. Ihre Sehnsucht nach Freiheit und einem Leben ohne Angst ist zutiefst ernst zu nehmen«, sagt Philipp.
Aufruf an die Gemeinden
So sind die Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche aufgerufen, für die Menschen im Iran, in Israel und in der gesamten Region zu beten – und zugleich solidarisch an der Seite derer zu stehen, die unter Unterdrückung leiden oder sich für Freiheit einsetzen.
Fürbittengebet
Gott des Friedens,
wir bringen vor dich die Not im Nahen Osten – die Angst der Menschen, die Trauer um die Toten, die Sorge um die Zukunft.
Wir bitten dich für die Menschen im Iran:
für alle, die unter Unterdrückung, Gewalt und fehlender Freiheit leiden; für Frauen und Kinder, für politische Gefangene, für religiöse Minderheiten und alle, die zum Schweigen gebracht werden.
Stärke sie und schenke ihnen Hoffnung.
Wir bitten dich für die Menschen in Israel
und für alle, die sich durch Terror und Hass bedroht fühlen. Schenke Schutz, Sicherheit und die Kraft zur Besonnenheit.
Wir bitten dich für die politisch Verantwortlichen.
Wo Entscheidungen zwischen schweren Übeln getroffen werden müssen, gib Weisheit, Demut und den ernsthaften Willen zum Frieden. Öffne Wege zum Dialog, wo sie verschlossen scheinen.
Sei nahe den Geflüchteten aus dem Iran
und allen, die ihre Heimat verloren haben. Heile ihre Wunden und lass sie eine Zukunft finden.
Gott, mache uns zu Werkzeugen deines Friedens.
Bewahre uns davor, Unrecht zu verschweigen, und davor, die Hoffnung auf Versöhnung aufzugeben.
Dir vertrauen wir diese Welt an.
Amen.
Weiterführende Links
Wort des Bischofsrats (Englisch)
Wort des Bischofsrats (Deutsch)
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de






