Bischof Philipp ruft zum Gebet für den Iran auf
Liebe Schwestern und Brüder,
seit Wochen erreichen uns erschütternde Nachrichten aus dem Iran. Menschen im ganzen Land erheben sich gegen ein unterdrückerisches System, das ihnen seit Jahrzehnten Freiheit, Würde und oft das Leben raubt. Frauen, Männer, junge Menschen, Studierende, Arbeitende und Familien riskieren viel, um für Gerechtigkeit und Zukunft zu protestieren.
Das Regime reagiert brutal. Sicherheitskräfte schlagen mit Gewalt zurück, viele Demonstrierende sterben oder erleiden Verletzungen, zahlreiche werden verhaftet. Harte Anklagen und Urteile sollen einschüchtern und Widerstand brechen. Familien leben in Ungewissheit, Trauer und Angst. Die Einschränkung von Kommunikation und freier Berichterstattung verschärft das Leid und die Isolation.
Als Christinnen und Christen dürfen wir nicht schweigen. Unser Glaube ruft uns zur Solidarität mit allen, die unter Gewalt, Unrecht und Entwürdigung leiden. Die Bibel erinnert uns: »Der HERR ist nahe denen, die zerbrochenen Herzens sind, und hilft denen, die ein zerschlagenes Gemüt haben. « (Psalm 34,19)
Unsere Verbundenheit gilt den Menschen im Iran – denen, die mutig für Freiheit eintreten, denen, die um Angehörige bangen, und denen, deren Alltag von Angst bestimmt ist. Wir widersprechen entschieden der Gewalt eines Terrorregimes, das sein Volk seit Jahrzehnten unterdrückt, und bekennen: Kein Staat, keine Ideologie und keine Religion rechtfertigen die systematische Verletzung von Menschenrechten.
Unsere Solidarität schließt auch die vielen Menschen aus dem Iran ein, die heute im Exil leben – auch hier in Deutschland, auch in unseren Gemeinden. Viele von ihnen sorgen sich täglich um ihre Familien und Freunde. Sie leben in Sicherheit, aber nicht frei von Angst, Trauer und Ohnmacht. Ihnen gelten unser Mitgefühl, unsere Aufmerksamkeit und unser Gebet.
Gleichzeitig halten wir an der Hoffnung fest. Christlicher Glaube resigniert nie. Er vertraut auf Gottes befreiende Kraft – auch dort, wo menschlich kaum noch Hoffnung sichtbar ist. Die Heilige Schrift verheißt: »Der Geist Gottes, des HERRN, ist auf mir, weil der HERR mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die Gefangenen frei zu machen und die Zerschlagenen aufzurichten. « (Jesaja 61,1)
Diese Hoffnung tragen wir im Gebet vor Gott.
Wir beten für Schutz der Bedrohten, für Heilung der Verletzten und für Trost der Trauernden.
Wir beten für alle Gefangenen und ihre Familien, dass sie nicht vergessen werden.
Wir beten für die Menschen im Exil, dass sie Halt, Hoffnung und solidarische Gemeinschaft erfahren.
Und wir beten um Weisheit und Mut für politische Verantwortungsträger weltweit, damit sie sich entschieden für Menschenrechte, Gewaltverzicht und den Schutz des Lebens einsetzen.
Wir beten um Befreiung: dass das iranische Volk eines Tages ohne Angst leben kann, dass Unterdrückung und Terror ein Ende finden und Wege zu Frieden, Gerechtigkeit und Versöhnung möglich werden.
Unser Gebet verbindet uns mit den Leidenden – über Grenzen hinweg. Wir vertrauen darauf, dass Gott die Schreie der Unterdrückten hört und dass kein Unrecht ewig Bestand hat.
Gott des Lebens, Gott der Freiheit – höre unser Gebet.
Mit brüderlichen Grüßen,
Ihr/Euer Werner Philipp
Der Autor
Werner Philipp D.Min. ist als Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche für Deutschland zuständig. Mit seinem bischöflichen Dienst möchte er dazu beitragen, dass lebendige Hoffnung in Christus in Kirche und Welt wächst – geprägt von kühner Liebe, dienender Nähe und entschlossenem Vorangehen. Der Dienstsitz ist in Frankfurt am Main. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de






