Iranisch-deutscher Begegnungstag in Friedrichsdorf
Anfang Februar trafen sich in Friedrichsdorf in der Nähe von Frankfurt am Main rund hundert Mitglieder der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) zu einem Tag der Begegnung. Dabei waren über fünfzig Personen mit Farsi als Muttersprache, vor allem aus den Gemeinden Fürth, Göppingen und Friedrichsdorf, und eine ähnlich große Zahl deutschsprachiger Menschen aus Friedrichsdorf und dem neuen Bezirk Rhein-Main. Der Tag stand unter dem Motto »Heimat«, das angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage und besonders der Situation im Iran eine besondere Aktualität besaß.
Gottesdienst unter dem Zeichen der Hoffnung
Im gemeinsamen Gottesdienst predigte Akbar Sadeghnezhad, der als Mitarbeiter im Gemeindedienst in Fürth tätig ist. Er griff die Josephsgeschichte (1. Mose, Kapitel 45) auf, in der Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gibt und deutlich macht, dass Gott ihn nach Ägypten gesandt hat, um seine Familie und sein Volk vor der Hungersnot zu retten.
In Verbindung mit der Kreuzes- und Auferstehungsgeschichte sowie der aktuellen Situation im Iran führte Akbar Sadeghnezhad aus: »Unser Iran ist heute wie jenes Grab; die Unterdrücker haben den schweren Stein von Terror, Hinrichtung und Angst vor die Öffnung gelegt. Doch die Kraft der Auferstehung ist eine Kraft, die von innen heraus quillt. Joseph war 13 Jahre lang Sklave und Gefangener eines korrupten Systems. Als er die Grube verließ, erhob er sich nicht als schwaches Opfer, sondern als ein Erlöser. Er rettete nicht nur sich selbst, sondern ein ganzes Land vor dem Untergang.«
Diese Hoffnung, so sein Fazit, soll gerade in dieser schwierigen Zeit unsere Farsi sprechenden Geschwister stärken. Eine große emotionale Anteilnahme war im Gottesdienst deutlich spürbar. Sie zeigte sich auch im gemeinsamen Singen von Liedern auf Deutsch und Farsi, darunter die iranische Nationalhymne.
Begegnung und Austausch
Im Anschluss an den Gottesdienst genossen die Teilnehmenden eine große Auswahl an iranischen und deutschen Speisen. Dabei entstanden viele lebhafte Gespräche und persönliche Begegnungen.
Den Nachmittag eröffneten zwei persönliche Beiträge zum Thema Heimat. Deutlich wurde, wie sehr das Erleben von Heimat von den eigenen Lebensgeschichten geprägt ist. Besonders für Menschen, die – wie viele der iranischen Geschwister – im Exil leben, hat Heimat eine andere Bedeutung als für Menschen, die ihr Leben lang in derselben Region verwurzelt sind. Dabei spielt auch der Glaube eine zentrale Rolle.
Heimat im Glauben
Siavash Arabkani brachte dies in seinem Beitrag so zum Ausdruck:
»Die Heimat des Glaubens ersetzt nicht die geografische Heimat, doch sie bewahrt den Menschen vor dem Zerfall. Dieser Glaube ermöglicht es dem Exilierten, sich in vollständiger Entwurzelung nicht zu verlieren und sich weiterhin in der Gegenwart Gottes zu bewahren.« In vier Gesprächsgruppen wurden die Impulse vertieft und persönliche Erfahrungen sowie Gedanken mitgeteilt.
Solidarität mit den Geschwistern im Iran
Besonders deutlich wurde an diesem Tag auch, dass unsere Farsi sprechenden Geschwister gerade jetzt unsere Aufmerksamkeit und Solidarität brauchen. Der Gebetsaufruf und die Botschaft des Bischofs zur Situation im Iran wurden entsprechend positiv und dankbar aufgenommen. In der EmK-Gemeinde Friedrichsdorf brennt seither an jedem Sonntag eine Kerze in den Farben der iranischen Nationalflagge; auch in den Fürbitten wird die Situation im Iran regelmäßig aufgegriffen. Vielleicht ist dies eine Anregung auch für andere Gemeinden – selbst dort, wo keine Farsi sprechenden Geschwister vor Ort leben.
Der Autor
Frank Aichele ist in der Evangelisch-methodistischen Kirche der Koordinator für internationale und Migranten-Gemeinden in Deutschland und Pastor der EmK-Gemeinde in Friedrichsdorf, die einen hohen Anteil Farsi-Sprechender hat. Kontakt: frank.aichele(at)emk.de
Zur Information
Die Sprache Farsi
Farsi, auch Persisch genannt, wird im Iran und in Tadschikistan gesprochen. Es ist dort Amtssprache. Dari, ein Dialekt, ist eine der Amtssprachen in Afghanistan und wird zum Teil als Zweitsprache genutzt. Farsi ist darüber hinaus in manch weiteren Ländern Zentralasiens als Minderheitensprache verbreitet, so in Usbekistan, Kirgisien und Turkmenistan. Die Schrift, geschrieben und gelesen von rechts nach links, ähnelt dem Arabischen. In Tadschikistan wird kyrillisch geschrieben. Im Deutschen gibt es Lehnwörter wie Basar, Karawane, Paradies, Schach und Schal.






