Bischofsrat der EmK Von Michael Löffler  | 

Mut zur Liebe in Zeiten der Tyrannei

Rechts die vordere Umschlagseite des Buches. Links folgender Text: »Geliebte Gemeinschaft Gestalten. Mut zur Liebe in Zeiten der Tyrannei. « und das Logo des Bischofsrats der EmK. Im Hintergrund eine Pflanze und zwei Gemälde.
»Building Beloved Community«: Das Arbeitsbuch des methodistischen Bischofsrats ruft zu einer Kultur der Liebe und des Respekts auf und wendet sich gegen Angst und gesellschaftliche Spaltung.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Ein neues Arbeitsbuch des Bischofsrats der EmK ermutigt Gemeinden zu Mut, Liebe und Verantwortung gegen Angst und Tyrannei.
3 Minuten

Wie positioniert sich die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) angesichts nationalistischer und autoritärer Entwicklungen in verschiedenen Teilen der Welt? Diese Frage beschäftigt derzeit viele Menschen – auch in Deutschland. Bischöfin i. R. Rosemarie Wenner regte deshalb in einem Schreiben an Verantwortliche der EmK-Region Deutschland an, ein neues Buch des EmK-Bischofsrats hierzulande stärker bekannt zu machen. Hintergrund seien zahlreiche Anfragen dazu, wie sich die Evangelisch-methodistische Kirche insbesondere in den USA zu aktuellen politischen Entwicklungen positioniere, schreibt Wenner.

Eine Antwort darauf gibt das Anfang 2025 veröffentlichte Buch »Building Beloved Community: The Courage to Love in the Face of Tyranny« (deutsch: »Geliebte Gemeinschaft gestalten: Der Mut zur Liebe angesichts von Tyrannei«). Mit dem Arbeitsbuch will der Bischofsrat Gemeinden und Gruppen dabei unterstützen, gesellschaftlichen Spannungen, Polarisierung und autoritären Tendenzen entgegenzutreten. Das Buch versteht sich zugleich als theologischer Impuls und praktische Arbeitshilfe. Es ermutigt Gemeinden und Gesprächsgruppen, sich mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Fragen auseinanderzusetzen und christliche Verantwortung in Politik und Gesellschaft einzubringen. Die Verfasserinnen und Verfasser beschreiben das Buch ausdrücklich als einen »Wegweiser zur Heilung« in einer Zeit wachsender Spannungen und Unsicherheit.

Aufbau des Buches

Das Buch ist bewusst als Studien- und Arbeitsbuch konzipiert. Die vier Hauptteile tragen die Überschriften »Deceptive Detours« (»Täuschende Irrwege«), »Empowered by Grace« (»Durch Gnade gestärkt«), »Staying Alert« (»Wachsam bleiben«) und »Seeds of Change« (»Samen der Veränderung«).

Die einzelnen Kapitel verbinden gesellschaftliche Analysen mit biblischen Impulsen, theologischen Reflexionen und Fragen für Gesprächsgruppen. Themen sind unter anderem »Recognizing Authoritarianism« (»Autoritäre Entwicklungen erkennen«), »When Rhetoric Becomes Violence« (»Wenn Worte zu Gewalt werden«) und »Migration and the Politics of Fear« (»Migration und die Politik der Angst«).

Immer wieder fragt das Buch danach, wie christliche Gemeinden konkret handeln können – etwa durch Zuhören, den Schutz von Minderheiten, die Stärkung demokratischer Prozesse und eine klare Absage an Hass und Ausgrenzung. Christlicher Glaube könne nicht unpolitisch bleiben, wenn Menschenwürde und Freiheit bedroht seien. Gemeinden müssten Haltung zeigen und Menschenwürde konkret verteidigen.

Warnung vor autoritären Tendenzen

Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Christinnen und Christen auf zunehmende autoritäre Entwicklungen reagieren können. Die evangelisch-methodistischen Bischöfe und Bischöfinnen warnen vor politischen Bewegungen, die demokratische Institutionen schwächen, Angst schüren und gesellschaftliche Gruppen gegeneinander ausspielen. Genannt werden Entwicklungen in den USA, Russland, Indien und Ungarn ebenso wie Erfahrungen aus Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas.

Besonders kritisch setzt sich das Buch mit christlichem Nationalismus auseinander. Dieser verbinde christlichen Glauben mit nationaler Überhöhung und grenze Menschen anderer Religionen oder Herkunft aus. Demgegenüber betonen die Bischöfe, dass das Evangelium Jesu Christi auf Versöhnung, Gerechtigkeit und die Würde aller Menschen ziele. Das Arbeitsbuch ruft dazu auf, Räume der Verständigung zu schaffen und gesellschaftlichen Zusammenhalt zu fördern.

Das Buch beschreibt typische Kennzeichen autoritärer Systeme: die Konzentration von Macht, die Schwächung demokratischer Kontrolle, die Verbreitung von Angst sowie die gezielte Spaltung der Gesellschaft. Dem setzt der Bischofsrat die Vision einer »beloved community« entgegen – einer Gemeinschaft, die von Liebe, Gerechtigkeit und gegenseitigem Respekt geprägt ist.

Wesleyanische Verantwortung und internationale Perspektive

Die Veröffentlichung knüpft bewusst an die wesleyanische Tradition an. Immer wieder wird auf John Wesleys Verständnis verwiesen, dass persönlicher Glaube und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar zusammengehören. »Das Evangelium Christi kennt Religion nur als soziale Religion und Heiligung nur als soziale Heiligung.«, schrieb Wesley programmatisch (siehe Soziale Grundsätze 2024 der EmK, S. 29).

Zugleich versteht die EmK ihre internationale Verbundenheit ausdrücklich als Stärke. Christinnen und Christen verschiedener Kulturen und Kontinente sollen gemeinsam für Demokratie, Frieden und Menschenrechte eintreten. Die internationale Perspektive des Buches macht deutlich, dass Christinnen und Christen weltweit vor ähnlichen Herausforderungen stehen.

Nur auf Englisch erhältlich

»Building Beloved Community« erschien Anfang 2025 bei Abingdon Press und ist bislang ausschließlich in englischer Sprache erhältlich. Herausgegeben wurde die Veröffentlichung vom Bischofsrat der Evangelisch-methodistischen Kirche.

 

Weiterführende Links

Website des Bischofsrats der EmK: https://www.unitedmethodistbishops.org
Soziale Grundsätze 2024 der EmK

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de