Digitalisierung Von Michael Löffler  | 

Nicht nur Technik, sondern Miteinander

Dreizehn Männer sitzen um einen Tisch herum und schauen freundlich in die Kamera. Im Vordergrund ist ein Platz mit Schreibutensilien frei. Viele Männer haben einen Laptop oder Tablet-PC vor sich, vorne links der Bischof einen kleinen Ventilator.
Mehrere Stunden nahmen sich die Teilnehmenden Zeit, um offen über Erwartungen, Fragen und den weiteren Weg der Digitalisierung zu sprechen.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Nach unterschiedlichen Beschlüssen zum Digitalisierungskonzept suchten Vertreter der drei Jährlichen Konferenzen Deutschlands das persönliche Gespräch.
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Manchmal braucht es vor allem eines: Zeit für ein gutes Gespräch. Genau dafür nahmen sich Vertreter der Norddeutschen (NJK), Ostdeutschen (OJK) und Süddeutschen Jährlichen Konferenz (SJK), der Arbeitsgruppe Digitalisierung und Bischof Werner Philipp am Nachmittag des 15. Juli mehrere Stunden Zeit. Auf den ersten Blick könnte das Gruppenfoto für das Treffen eines kirchlichen Männerkreises gehalten werden. Tatsächlich erzählt es eine andere Geschichte. Es zeigt Menschen, die nach intensiven und kontroversen Diskussionen der vergangenen Monate bewusst das persönliche Gespräch suchten – mit dem Ziel, Vertrauen wachsen zu lassen und gemeinsam weiterzukommen.

Dass in Deutschland die Digitalisierung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) notwendig ist, daran bestand in der Runde kein Zweifel. Unterschiedliche Auffassungen gab es jedoch darüber, wie dieses Ziel erreicht werden kann. Bereits 2025 hatten die SJK und der Kirchenvorstand der EmK in Deutschland das Digitalisierungskonzept für ihre jeweiligen Verantwortungsbereiche beschlossen. Als in diesem Jahr die NJK und die OJK darüber berieten, wurden Fragen zu Entscheidungswegen, Finanzierung und Kommunikation deutlich. Beide Konferenzen entschieden deshalb, über das Konzept zunächst noch nicht zu beschließen. Stattdessen sollten diese Fragen zuerst gemeinsam geklärt werden.

Gerade deshalb war das Treffen in der Kirchenkanzlei in Frankfurt am Main wichtig. Im Gespräch wurde deutlich: Die Digitalisierung kann nur gelingen, wenn sie von allen drei Jährlichen Konferenzen gemeinsam getragen wird. Zugleich wurde klar, dass dies nicht zwangsläufig identische Lösungen bedeutet. Wo gemeinsame Standards notwendig sind, sollen sie gemeinsam entwickelt werden. Gleichzeitig soll Raum bleiben, damit die einzelnen Jährlichen Konferenzen den Umfang und die Ausgestaltung einzelner Bausteine entsprechend ihrer jeweiligen Situation und ihren Möglichkeiten selbst bestimmen können.

Mehr als ein Technikprojekt

Den geistlichen Rahmen setzte Bischof Werner Philipp mit einer Andacht und einem Gebet. Digitalisierung, so machte er deutlich, dürfe niemals Selbstzweck sein. Sie müsse dazu dienen, Menschen mit der Botschaft des Evangeliums zu erreichen. Technik sei deshalb immer Werkzeug – und niemals das eigentliche Ziel.

Vor diesem Hintergrund entwickelte sich ein offenes Gespräch. Vertreter aller drei Jährlichen Konferenzen schilderten ihre Erfahrungen der vergangenen Monate. Dabei wurden unterschiedliche Erwartungen ebenso offen ausgesprochen wie die Sorge, mit Fragen und Bedenken nicht immer ausreichend Gehör gefunden zu haben. Gleichzeitig würdigten alle Beteiligten das große ehrenamtliche Engagement, mit dem das Digitalisierungskonzept vorbereitet und weiterentwickelt worden ist. Schnell wurde deutlich: Nicht die Digitalisierung selbst stand zur Diskussion, sondern die Frage, wie Kommunikation, Entscheidungswege und Zusammenarbeit künftig so gestaltet werden können, dass alle drei Jährlichen Konferenzen den Weg gemeinsam mitgehen können.

Ein Schritt nach vorn

Konkrete Beschlüsse standen an diesem Nachmittag nicht auf der Tagesordnung. Das eigentliche Ergebnis des Treffens lag an anderer Stelle. Im Gespräch zeichnete sich ein gemeinsamer Weg ab: mit gemeinsamen Standards dort, wo sie der ganzen Kirche in Deutschland dienen, mit Freiräumen für die einzelnen Jährlichen Konferenzen und mit einer Kommunikation, die alle Beteiligten frühzeitig einbezieht.

Dass dieser Weg gemeinsam gegangen werden soll, brachte einer der Anwesenden mit den Worten auf den Punkt: »Wir wollen produktiv mitmachen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen.« Die Stimmung am Ende des mehrstündigen Austauschs fasste ein anderer Teilnehmer so zusammen: »Ich bin von Herzen dankbar. Ich glaube, das heutige Treffen war ein wichtiger Schritt – nicht nur für die Arbeitsgruppe Digitalisierung, sondern auch für die Zusammenarbeit der drei Jährlichen Konferenzen.« Mit einem Dank für das offene Gespräch und einem Segenswort von Bischof Werner Philipp endete schließlich das Treffen in der Frankfurter Kirchenkanzlei.

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de