Bezirk RheinMain Von Michael Löffler (par)  | 

Pfingsten, Geburtstag und ein neues Wir

In einer Sporthalle sitzen viele Menschen unterschiedlichen Alters auf Stühlen. Sie sehen auf zwei Männer, die vorne auf einer kleinen Bühne stehen. Einer von ihnen spricht in ein Mikrofon. Auf einem Tisch befinden sich Kreuz, Bibel, Kerzen und Blumen.
Über 250 Menschen aus den Gemeinden des neuen EmK-Bezirks RheinMain kamen in Merzhausen bei Usingen im Taunus zusammen, um Pfingsten und den Start des neuen Bezirks zu feiern.
Bildnachweis: Karl-Alwin Hiller
Beim Pfingstfest des neuen EmK-Bezirks RheinMain wird spürbar: Aus organisatorischer Verbindung wächst gelebte Gemeinschaft.
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Manchmal braucht ein Beschluss Zeit, bis er Wirklichkeit wird, bis aus einer Entscheidung eine Erfahrung wird, bis Menschen nicht nur organisatorisch zusammengehören, sondern entdecken: Wir wachsen tatsächlich zusammen.

An Pfingsten 2026 wurde genau das in der Rauschpennhalle in Merzhausen bei Usingen im Taunus spürbar. Über 250 Menschen aus den Gemeinden des neuen EmK-Bezirks RheinMain feierten gemeinsam Gottesdienst – und zugleich die Gründung ihres neuen Bezirks. Gemeinden aus Brombach, Bad Kreuznach, Simmern, Darmstadt, Dreieich, Mühlheim, Friedrichsdorf, Rothenbergen, Büdingen, Lorsbach, Frankfurt mit der vietnamesischen Gemeinde, Mainz/Wiesbaden und Neuenhain kamen zusammen. Unterschiedliche Orte, verschiedene Prägungen, viele Geschichten – und doch die Erfahrung: Wir gehören zusammen.

Eröffnet wurde der Tag vom Posaunenchor RheinMain. In einem Videogrußwort würdigte Bischof Werner Philipp die Gründung des neuen Bezirks und die sichtbare Vielfalt der Gemeinden.

Ein Datum mit Geschichte

Dass dieser Tag ausgerechnet auf den 24. Mai fiel, bekam fast symbolische Kraft. Denn am 24. Mai 1738 beschrieb John Wesley jenes berühmte Erlebnis, bei dem sein Herz »seltsam erwärmt« wurde, ein Moment innerer Gewissheit, ein geistlicher Aufbruch. Fast drei Jahrhunderte später wurde daraus in Merzhausen keine historische Erinnerung, sondern eine lebendige Frage: Wie entsteht heute Gemeinschaft?

Gemeinschaft zum Anfassen

Die Antworten waren nicht zuerst auf der Bühne zu finden, sondern mitten unter den Menschen. Da wurde miteinander gebaut, gepflanzt, gestaltet und erzählt. Ein Turm entstand. Das »Pflänzchen Bezirk« wurde eingesetzt. Kerzen für die einzelnen Gemeinden wurden gestaltet. Im Begegnungscafé kamen Menschen ins Gespräch, die sich vorher kaum kannten. Kinder entdeckten die neue Kirchenmaus »Wusel«, die aus dem ersten gemeinsamen Gemeindebrief des Bezirks hervorgegangen ist. Und immer wieder zeigte sich: Kirche lebt dort, wo Menschen einander Raum geben.

Viele Sprachen – ein gemeinsamer Klang

Musikalisch wurde diese Vielfalt hörbar. Die Aufwind-Band leitete den Lobpreis. Die Chorwerkstatt unter Leitung von Jeanette Blunck ließ »für alle die Sonne aufgehen«. Gebete wurden auf Vietnamesisch, Farsi und Deutsch gesprochen: verschiedene Sprachen und doch dieselbe Hoffnung.

In ihrer Predigt fragten die Pastoren Clemens Klingel und Wesley Pereira, wie Gemeinschaft in aller Unterschiedlichkeit gelingen kann. Wesley Pereira formulierte einen Gedanken, der wie ein Leitwort über dem Tag stand: »Wir verstehen einander durch die Sprache der Liebe.« Vielleicht war genau das die eigentliche Pfingsterfahrung dieses Tages: Nicht Gleichförmigkeit schafft Einheit, sondern der Geist Gottes, der Menschen verbindet, ohne ihre Unterschiedlichkeit aufzuheben.

Kirche bekommt Gesichter

Wie konkret das bereits gelebt wird, zeigten die Gemeinden selbst. Vorgestellt wurden Projekte wie die Fahrradwerkstatt in Dreieich-Sprendlingen, das »Café gegenüber« in Lorsbach, die Zwergenkirche, der Kindergarten oder der Mittagstisch in Frankfurt. Kirche wurde an diesem Tag sichtbar. Ein besonderer Dank galt der Gemeinde Brombach, die das Fest vorbereitet und getragen hatte – von früh morgens bis spätabends.

Ein großer Schub für das Wir-Gefühl

Am Ende blieb mehr zurück als ein gelungenes Fest. Es entstand eine Ahnung davon, was Kirche sein kann: kein Nebeneinander einzelner Gemeinden, sondern eine Gemeinschaft in der Verschiedenheit. Ein Bezirk, der noch unterwegs ist, aber gemeinsam unterwegs.

 

Weiterführende Links

www.emk-rheinmain.de

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Die vorliegende Meldung basiert auf einem Bericht des »Redaktionsteams RheinMain« und wurde von ihm redaktionell bearbeitet. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de