Religions for Peace Von Michael Löffler  | 

Religionen bauen Brücken des Friedens

Seitlicher Blick auf eine Bühne: Ein Mann mit Turban spricht an einem Stehpult in zwei Mikrofone. Dahinter steht Bischof Rückert in Kollarhemd und dunklem Anzug mit Bischofsnadel am Revers. Dahinter ein Mann mit Kippa. Daneben eine Frau in schwarz-orangefarbenem Kleid.
Angehörige von vier Religionen gestalteten gemeinsam das Abendgebet der Weltratstagung von Religions for Peace auf Mauritius.
Bildnachweis: Privat
Bischof im Ruhestand Harald Rückert vertrat die EmK bei der Weltratstagung von Religions for Peace auf Mauritius.
2 Minuten

Vom 23. bis 25. Juni traf sich der Weltrat von Religions for Peace (RfP, Religionen für den Frieden) in Port Louis auf Mauritius. Im Auftrag des Bischofsrats der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) nahm Ruhestandsbischof Harald Rückert an der internationalen Tagung teil. Sein Fazit: »Gerade in einer Zeit, in der Religion häufig zur Legitimation von Krieg, Ausgrenzung und Nationalismus missbraucht wird, ist dieses gemeinsame Zeugnis für Frieden und Menschenwürde wichtiger denn je.«

Globale Herausforderungen gemeinsam angehen

Die Tagung stand unter dem Leitwort »Forging Pathways for Shared Sacred Flourishing« (sinngemäß: Wege zu einem gemeinsamen Wohlergehen aller Menschen aus dem Bewusstsein des Heiligen gestalten). Im Mittelpunkt standen globale Herausforderungen wie bewaffnete Konflikte, gesellschaftliche Polarisierung, klimabedingte Katastrophen, Fluchtbewegungen und der Verlust des Vertrauens in internationale Zusammenarbeit.

Nach Überzeugung der Teilnehmenden lassen sich diese Krisen weder von einzelnen Staaten noch von einzelnen Religionsgemeinschaften bewältigen. Deshalb müsse die Zusammenarbeit zwischen Kirchen, anderen Religionsgemeinschaften und weiteren gesellschaftlichen Akteuren gestärkt werden. Ziel sei es, Wege zu einem Wohlergehen aller Menschen zu entwickeln. Grundlage dafür sei die Überzeugung, dass das Bewusstsein des Heiligen Menschen verschiedener Religionen zu gemeinsamer Verantwortung für das Wohl aller verpflichte.

Beeindruckt zeigte sich Rückert von der vertrauensvollen Zusammenarbeit der Vertreterinnen und Vertreter unterschiedlicher Religionen. Die verschiedenen Glaubenstraditionen seien nicht als Hindernis, sondern als Bereicherung verstanden worden. Mauritius selbst sei dafür ein eindrückliches Beispiel: Die politische, geschichtliche und religiöse Vielfalt der Insel zeige, dass ein friedliches und respektvolles Miteinander gelingen könne.

Aus dem Glauben heraus gemeinsam handeln

Ein zentrales Ergebnis der Tagung war die Weiterentwicklung des bisherigen Leitbildes »Shared Sacred Worldview« – eines gemeinsamen Weltverständnisses. Dahinter steht die Überzeugung, dass Menschen verschiedener Religionen gerade aus ihren jeweiligen Glaubensüberzeugungen heraus Verantwortung für die Welt übernehmen können. Dieses gemeinsame Weltverständnis soll Orientierung geben und Religionen ermutigen, sich gemeinsam für Menschenwürde, Gerechtigkeit, Mitmenschlichkeit und das Gemeinwohl einzusetzen. Religions for Peace verbindet dieses Leitbild mit den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen und möchte deren Umsetzung durch die ethischen und spirituellen Ressourcen der Religionen stärken.

Für die EmK sieht Rückert in der Mitarbeit bei Religions for Peace eine wichtige Aufgabe. Die Kirche könne von den Erfahrungen des weltweiten Netzwerks profitieren, den Dialog mit anderen Religionen stärken und dazu beitragen, dass Religion als Kraft des Friedens sichtbar werde. Auch wenn sich Erfolge interreligiöser Zusammenarbeit nicht immer unmittelbar messen ließen, bleibe dieses Engagement unverzichtbar. »Wenn wir nichts tun, werden wir ganz sicher auch keine Ergebnisse sehen«, fasst Bischof Rückert seine Eindrücke zusammen. Gerade darin sieht er den Auftrag der Kirchen, gemeinsam mit Menschen anderer Religionen Verantwortung für Frieden und Menschenwürde zu übernehmen.

 

Weiterführende Links

Religions for Peace Deutschland 
Religions for Peace International: Bericht über das Weltratstreffen im Juni 2026 (englisch) 

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Religions for Peace (RfP)
Religions for Peace ist die weltweit größte interreligiöse Friedensorganisation. Sie wurde 1970 gegründet und bringt führende Vertreterinnen und Vertreter der Weltreligionen zusammen, um sich gemeinsam für Frieden, Menschenwürde, Gerechtigkeit und den Schutz der Schöpfung einzusetzen. Mit interreligiösen Räten in rund 90 Ländern und sechs Weltregionen setzt sich Religions for Peace auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene gemeinsam mit Regierungen, den Vereinten Nationen und der Zivilgesellschaft für Frieden, Menschenwürde, Gerechtigkeit und den Schutz der Schöpfung ein.

Mauritius
Der Staat Mauritius mit rund 1,3 Millionen Einwohnern auf mehreren Inseln liegt auf der Südhalbkugel der Erde im Indischen Ozean etwa 900 Kilometer östlich von Madagaskar. Er ist geprägt sowohl von den einstigen Kolonialmächten Frankreich und Großbritannien als auch von der aus Indien eingewanderten Bevölkerungsmehrheit. Mauritius hat eine stabile Demokratie. Die Hauptstadt ist Port Louis.