Wo Musik Herzen verbindet
Beim Seminar für Farsi sprechende Menschen im Stuttgarter Bildungs- und Begegnungszentrum stand die verbindende Kraft der Musik im Mittelpunkt. Drei Tage lang begegneten sich die Teilnehmenden im gemeinsamen Singen, im Glauben und im persönlichen Austausch.
Vom 16. bis 18. Oktober kamen Teilnehmende zum diesjährigen Seminar für Farsi sprechende Menschen im Bildungs- und Begegnungszentrum (BBZ) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Stuttgart-Giebel zusammen. Das Wochenende stand unter dem Motto »Gott und Menschen durch Musik begegnen«. Farsi, auch Persisch genannt, ist die vor allem im Iran gesprochene Muttersprache vieler Teilnehmender.
Musik als verbindende Sprache
Im Mittelpunkt des Seminars stand die Musik als verbindende Sprache zwischen Menschen, Kulturen und Gott. Einen Einblick in die Vielfalt iranischer Musik gab Siavash Arabkhani, Laienprediger und Mitglied der EmK-Gemeinde Göppingen. Anhand mystischer Musik und christlicher Lobpreislieder zeigte er, wie eng Musik in der iranischen Kultur mit Poesie und Spiritualität verbunden ist.
Pastor Hans Martin Hoyer, der im Bezirk Neckar-Voralb der EmK südöstlich von Stuttgart tätig ist, begleitete ein iranisches Lied am Klavier und sprach über die Bedeutung der Musik in der methodistischen Tradition. Frank Aichele, Koordinator für internationale und Migranten-Gemeinden der EmK in Deutschland und Pastor im Bezirk RheinMain, ging der Frage nach, wie Musik den Glauben bereichern und Menschen Gott näherbringen kann. Dabei erläuterte er auch, warum Lieder im Methodismus eine besondere Bedeutung haben.
Gemeinschaft, die verbindet
Neben den geistlichen und musikalischen Impulsen blieb viel Raum für Gemeinschaft. Schon am ersten Abend gab es einen besonderen Anlass: Gemeinsam feierten die Teilnehmenden einen Geburtstag. Das Wiedersehen mit alten Bekannten und die Begegnung mit neuen Menschen trugen zu einer familiären Atmosphäre bei. Auch die herzliche Gastfreundschaft und das gute Essen im BBZ prägten das Wochenende.
Am Samstag führte ein gemeinsamer Ausflug in die Stuttgarter Stadtbibliothek am Mailänder Platz. Anschließend kehrte die Gruppe in ein iranisches Restaurant ein. Bei traditionellen Gerichten, Musik, Gesprächen und auch etwas Tanz wurden Erinnerungen an die Heimat lebendig. Für einige Stunden rückte die Heimat ein wenig näher, und die Ferne war weniger spürbar.
Ermutigung und Solidarität
Ein besonderer Dank gilt Dietmar Honold aus der EmK-Gemeinde Göppingen, der ebenfalls zum Vorbereitungsteam gehörte. Seit vielen Jahren engagiert er sich ehrenamtlich für geflüchtete und zugewanderte Menschen und leitete lange das »Netzwerk Asyl« der EmK. Für viele Teilnehmende war seine Anwesenheit beim Seminar eine besondere Ermutigung und ein Zeichen gelebter Solidarität.
Ein Wochenende mit bleibenden Eindrücken
Am Sonntag fand das Seminar mit gemeinsamem Nachdenken über einen biblischen Text, kleinen Anspielen, Lobpreis und der Feier des Heiligen Abendmahls seinen Abschluss. Was bleibt, sind nicht nur viele schöne Erinnerungen, sondern auch das Gefühl tiefer Verbundenheit. Manchmal schafft eine gemeinsame Melodie Nähe, wo Worte allein nicht ausreichen.
Der Autor
Siavash Arabkhani ist Laienprediger und gehört zur evangelisch-methodistischen Gemeinde in Göppingen. Er engagiert sich dort besonders im Kreis der Farsi sprechenden Gemeindeglieder. Kontakt: Über Pastor Hans Martin Hoyer, goeppingen(at)emk.de
Zur Information
Die Sprache Farsi
Farsi ist die im Iran gesprochene Standardform des Persischen und dort Amtssprache. Eng verwandte Formen des Persischen haben ebenfalls offiziellen Status: Dari ist eine der Amtssprachen Afghanistans, Tadschikisch die Amtssprache Tadschikistans. Farsi und Dari werden von rechts nach links in einer auf dem Arabischen basierenden Schrift geschrieben, während Tadschikisch überwiegend das kyrillische Alphabet verwendet. Auch einige deutsche Wörter gehen auf persische Begriffe zurück, darunter Basar, Karawane, Paradies, Schach und Schal.






