»Handbuch« mit den nötigen Unterlagen und eingereichten Anträgen.

Zur Vorbereitung der Tagung der außerordentlichen Generalkonferenz haben die Delegierten eine Art »Handbuch« mit den nötigen Unterlagen und eingereichten Anträgen erhalten.

Tagung in Braunfels

Respektvolle Gespräche trotz großer Unterschiede

Zur Vorbereitung der außerordentlichen Generalkonferenz trafen sich die europäischen Delegierten. Sorge vor Lobbyarbeit und Wunsch nach Einheit.

Vom 11. bis 13. Januar 2019 trafen sich im hessischen Braunfels die europäischen und eurasischen Delegierten an die außerordentliche Generalkonferenz. Dieses höchste kirchenleitende Gremium der weltweit verfassten Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) tagt Ende Februar in St. Louis im US-Bundesstaat Missouri.

Gemeinschaft und Beratung

Es ist kein Geheimnis, dass es unter den 40 europäischen und eurasischen Generalkonferenz-Delegierten unterschiedliche Verständnisse der menschlichen Sexualität gibt. Daraus folgen auch unterschiedliche Ansichten, wie für die EmK der beste Weg in die Zukunft aussehen soll. Das wurde auch beim Treffen in Braunfels deutlich, wo die Delegierten sich zum Austausch trafen, Gottesdienste feierten, beteten und Gemeinschaft pflegten.

Ziel dieses Treffens war, den Delegierten aus Europa und Eurasien eine Gelegenheit zu bieten, einander zu begegnen und sich auf die bevorstehende außerordentliche Generalkonferenz-Tagung vorzubereiten. Die Bischöfe Patrick Streiff, Harald Rückert, Eduard Khegay und Christian Alsted leiteten die gottesdienstlichen Feiern und die Gespräche im Plenum. In Kleingruppen mit Personen aus jeweils allen Bischofsgebieten diskutierten die Delegierten sowohl den Bericht der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« als auch andere Anträge. In den Gesprächen hoben die Teilnehmer besonders hervor, inwiefern die verschiedenen Anträge in ihren Augen herausfordernd oder problematisch sind. Sie diskutierten auch mögliche Verbesserungen der vorliegenden Vorschläge. Die größte Aufmerksamkeit erhielten der »Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche« (One Church Plan) sowie der »Entwurf zur Bewahrung der bestehenden Ordnung« (Traditionalist Plan). Daneben wurde auch ein kurzer Blick auf jene Anträge geworfen, die zusätzlich zum Bericht der Kommission »Ein Weg in die Zukunft« eingereicht wurden.

Kirchenpolitische Manöver befürchtet

Wichtiger Gesprächsgegenstand war die Frage, welche Auswirkungen die verschiedenen Antragspakete auf die einzelnen Jährlichen Konferenzen und auf die drei europäischen Zentralkonferenzen haben könnten. Die anwesenden Delegierten beschlossen einstimmig, einen Abänderungsantrag zum »Entwurf zur Bewahrung der Einheit der Kirche« einzubringen, der einem rechtlichen Vakuum zwischen der außerordentlichen Generalkonferenz 2019 und den erst 2021 stattfindenden ordentlichen Tagungen der Zentralkonferenzen vorbeugen soll.

Die Delegierten berieten, wie sie sich im Vorfeld und während der Tagung der Generalkonferenz gegenseitig unterstützen könnten, was vor allem dann wichtig ist, wenn die Spannungen zunehmen sollten. In diesem Zusammenhang wurde die vom Gebet getragene Haltung einer »Überzeugung in Demut« hervorgehoben. Viele drückten aber auch ihre Sorge über kirchenpolitische Manöver und Lobbyarbeit vor und während der Generalkonferenz aus. Diese Verhaltensweisen seien nur schwer damit in Einklang zu bringen, wie eine Kirche in ihren Entscheidungsfindungsprozessen vorgehen müsse.

Überzeugung, Respekt und Wertschätzung

Kultur, staatliche Gesetzgebung und Dienst in den 27 Ländern Europas und Eurasiens mit einer evangelisch-methodistischen Präsenz – von Kasachstan bis Algerien und von Deutschland bis Lettland – sind sehr vielfältig. Doch es ist eine starke, von Liebe, Vertrauen, Gemeinschaft und methodistischer Identität geprägte Verbundenheit, die die Kirche zusammenhält. Die Tagung zeigte, dass Methodisten in Europa und Eurasien feste Überzeugungen haben, aber nach wie vor in der Lage sind, miteinander im respektvollen Gespräch zu bleiben, einander aufmerksam zuzuhören, einander zu verstehen versuchen, einander Wertschätzung entgegenzubringen und einen Umgang miteinander zu vermeiden, der Gewinner und Verlierer schafft. Die Delegierten äußerten ihre Sorge im Blick auf die Zukunft der Evangelisch-methodistischen Kirche, während die Atmosphäre gleichzeitig von Hoffnung geprägt war. Mehrere Anwesende betonten ihren großen Wunsch, dass es gelingen möge, als Kirche geeint zu bleiben. Im Horizont sehr unterschiedlicher Realitäten in Europa und in Eurasien solle die Kirche gemeinsam ihre Mission leben, Menschen in die Nachfolge von Jesus Christus zu führen, um so die Welt zu verändern.

Bildnachweis: privat


Der Autor
Christian Alsted ist seit zehn Jahren im Amt als Bischof für die Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien. Er ist für die skandinavischen und baltischen Länder zuständig. Sein Dienstsitz ist in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen. Kontakt über: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de