Wie bei der Weihnachtsbaum-Abfuhr vergessen, steht er da – der Ständer mit dem vertrockneten Stamm (links).

Wie bei der Weihnachtsbaum-Abfuhr vergessen, steht er da – der Ständer mit dem vertrockneten Stamm (links). Ein Querbalken samt Stacheldrahtkranz lässt auf den zweiten Blick das Kreuz erkennen. Die Münchner EmK-Gemeinde Friedenskirche stellt ihr Passionskreuz wegen der Corona-Pandemie kurzerhand vor die Tür und schafft es damit bis in die Süddeutsche Zeitung. Am Ostersonntag – jetzt blumengeschmückt – wird das Passionskreuz zur Botschaft des Neu-Werdens durch Jesus Christus. Sogar Bewohner aus der Nachbarschaft brachten Blumen vorbei.

Ostergottesdienst einmal anders

Das Kreuz vor der Tür

Ein von englischen Methodisten importierter Brauch wandert in München auf die Straße: das Passionskreuz aus dem vertrockneten Stamm des Weihnachtsbaums.

Ein Weihnachtsbaumständer mit einem vertrockneten, astlosen Weihnachtsbaumstamm steht da am Gehwegrand vor der Tür zur Hausnummer Fünf der Münchner Frauenlobstraße. Etwas eigenartig, fast deplaziert wirkt das Ensemble, das sich mit Querbalken und Stacheldrahtkranz auf den zweiten Blick als Kreuz verstehen lässt. Schon seit Montag dieser Woche steht das Kreuz dort am Wegesrand. Hinter den Eingangstüren geht es in die Räumlichkeiten der dort beheimateten Friedenskirche der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Was aber hat es mit diesem eigenartigen Ensemble auf sich?

Zeichen der Verbundenheit mit Menschen des Stadtteils

»Traditionell steht in der Passionszeit in unserer Kirche ein Kreuz, das aus dem Stamm des Christbaums besteht«, erklärt die Gemeinde diese öffentliche Installation. In der Erklärung zu ihrem Ostergottesdienst in der im Internet zugänglichen »Soundcloud« beschreiben sie den Brauch methodistischer Gemeinden in England, den Stamm des Christbaums zum Kreuz umzuwandeln. An Ostern würden dann alle Gottesdienstbesucher Blumen mitbringen, mit denen das vertrocknete Weihnachtsbaumkreuz zum Erblühen gebracht werde.

Weiter heißt es dann, dass die Münchner EmK-Gemeinde in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie an Ostern geschlossen bleibe. Deshalb hätten sie das Kreuz kurzerhand »vor die Tür in der Frauenlobstraße 5 in München gestellt«. Jetzt hätten Passanten dort die Möglichkeit, innezuhalten und ihre Sorgen und Ängste am Kreuz abzugeben oder ein Gebet zu sprechen. Auf einem Plakat gibt es dazu einige kleine Hinweise. Passanten werden eingeladen, an diesem Kreuz zu Ostern Blumen der Hoffnung, der Zuversicht und des Dankes anzubringen. Damit will die Friedenskirche ein Zeichen der Verbundenheit setzen für die Menschen aus dem Stadtteil mit ihren Sorgen und Hoffnungen in der Corona-Krise.

Akustisch buntes Blumenkreuz

Kurt Junginger, der Pastor dieser am Rand der Münchner Innenstadt gelegenen EmK-Gemeinde, berichtet, dass immer wieder Menschen stehen bleiben. Außerdem hätten sich einige Nachbarn für diese Initiative bedankt, von der zwischenzeitlich auch die Süddeutsche Zeitung und das Internetforum des Stadtteils berichteten.

Weil die Gemeinde in diesem Jahr ihr Osterkreuz nicht selber schmücken kann, ist eine andere Idee umgesetzt worden. Die Gemeindeglieder stellten einen gut einstündigen Ostergottesdienst zusammen, der ein »akustisches buntes Blumenkreuz« ist. Die Gemeindevertreterin Elke Dillmann erklärt, dass »sehr viele Menschen aus der Gemeinde in ihren Wohnungen Musik und größtenteils selbstverfasste Texte mit ihren Handys aufgenommen haben«, die zu einem »experimentellen und anrührenden Ostergottesdienst« zusammengefügt worden seien. Der ist jetzt schon in der Soundcloud anzuhören. Diesen Gottesdienst werden wohl nicht nur die Münchner Methodisten anhören. Wer weiß, wie viele Nachbarn im Stadtteil einmal »reinhören« werden, um die Gemeinde hinter dem »eigenartigen Ensemble« am Gehwegrand der Münchner Frauenlobstraße ein wenig kennenzulernen. Vielleicht lernen sie ja dann auch Jesus ein wenig kennen.

Bildnachweis: Kurt Junginger

[13.04.2020, 07:30:] Gegenüber der Erstveröffentlichung wurde der Artikel an drei Stellen geändert: Die Bilder stammen von Kurt Junginger; Elke Dillmann ist Gemeindevertreterin und nicht Pressebeauftragte; im Titelbild wurde das Bild mit dem blumengeschmückten Kreuz vom Ostersonntag ergänzt.


Der Autor
Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Weiterführende Links
Ostergottesdienst der EmK-Gemeinde München Friedenskirche (Audio)