Ein neuer Aufbruch für die Kirche
Ein historischer Schritt zur Gleichberechtigung der Regionen
Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) hat mit überwältigender Mehrheit die von der Generalkonferenz 2024 beschlossenen Änderungen zur weltweiten Regionalisierung angenommen. Mehr als 90 Prozent der stimmberechtigten Mitglieder der Jährlichen Konferenzen weltweit stimmten der Verfassungsänderung zu – nötig war eine Zweidrittelmehrheit. Der Bischofsrat verkündete am 5. November 2025 offiziell den Abschluss der Ratifizierung, also der Zustimmung der Mitglieder der Jährlichen Konferenzen weltweit zu einer Änderung der Verfassung der EmK.
Diese Entscheidung gilt als historisch, denn sie verändert die Struktur und das Selbstverständnis der Kirche grundlegend. Ziel der Reform ist es, die weltweite Gemeinschaft gerechter, ausgewogener und kontextbezogener zu gestalten.
Gleiche Rechte für alle Regionen
Bisher prägte der US-amerikanische Teil der EmK die Beschlüsse der Generalkonferenz, dem obersten Kirchenparlament der EmK, entscheidend. Grund dafür war, dass das dort beschlossene Kirchenrecht in den USA unveränderlich war. Wollte der US-Teil der Kirche neue Regelungen einführen, mussten diese automatisch für die gesamte EmK gelten. Außerhalb der USA konnten die Zentralkonferenzen Anpassungen bereits in begrenztem Umfang vornehmen. Hinzu kam, dass alle Generalbehörden der EmK traditionell in den USA angesiedelt waren. Dies hinterließ bei Teilen der weltweiten Kirche den Eindruck einer US-Vormachtstellung.
Mit der Umbenennung der Zentralkonferenzen in Regionalkonferenzen tritt nun eine grundlegende Veränderung in Kraft: Auch die USA haben nun eine Regionalkonferenz, und alle Regionalkonferenzen haben dieselben Rechte zur Anpassung des Kirchenrechts. Künftig können somit auch in den USA Teile des Kirchenrechts regional angepasst werden. Diese Reform entlastet die Generalkonferenz und schafft faktisch Gleichberechtigung zwischen allen Regionen der EmK. Der Wegfall der bisherigen US-Vormacht schafft ein günstigeres Klima für eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der Regionen.
Die Regionalisierung fördert eine stärkere Dezentralisierung innerhalb der Kirchenstruktur. Sie ermöglicht es, dass die EmK künftig vielfältiger und ausgewogener gestaltet wird – weg von einer vorwiegend US-geprägten Leitung hin zu einem lebendigen, eigenständigen Ausdruck von Kirche in jeder Region. Die neuen Verfassungsänderungen schaffen einen Rahmen, in dem die unterschiedlichen Regionen partnerschaftlich zusammenarbeiten und ihre Arbeit an die jeweiligen kulturellen, rechtlichen und gesellschaftlichen Gegebenheiten anpassen können.
Einheit in Vielfalt
»Die Ratifizierung dieser Verfassungsänderungen markiert einen entscheidenden Moment in der Erneuerung und Einheit unserer Kirche«, erklärte Bischöfin Tracy S. Malone, Präsidentin des Bischofsrates. Die Reform ist nach ihrer Überzeugung die bedeutendste strukturelle Veränderung seit der Vereinigung der Methodistenkirche mit der Evangelischen Gemeinschaft zur Evangelisch-methodistischen Kirche im Jahr 1968.
Bischof i. R. Harald Rückert, der sich über viele Jahre mit großem Engagement für die Regionalisierung eingesetzt hat, zeigt sich tief bewegt: »Diese Entscheidung ist ein Meilenstein für unsere weltweite Gemeinschaft – eine Chance, sichtbarer und zugleich stärker verbunden zu sein.« Er macht deutlich, dass es bei dieser Reform nicht um Machtverteilung geht, sondern um geistliche Verantwortung – um das Vertrauen, dass der Heilige Geist die Kirche weltweit leitet und gestaltet.
Ein geistlicher Aufbruch
»Diese Einheit in Vielfalt macht unsere Kirche stark und schön«, betont Bischof Werner Philipp. »Wir sollten offen sein für das Wirken des Heiligen Geistes.« Für ihn zeigt die Regionalisierung eine lebendige Kirche – eine Kirche, die sich bewege, weil Gott Neues in Gang bringe.
Diese Neuausrichtung knüpfe an den zentralen Auftrag der EmK an, Menschen zu Jüngerinnen und Jüngern Jesu Christi zu machen, um die Welt zu verändern, so Bischof Philipp. Der Geist Gottes befähige dazu, »kühn zu lieben, bereitwillig zu dienen und entschlossen voranzugehen«, wie es in der Vision der EmK heißt. Die Regionalisierung solle den Rahmen bieten, diesen Auftrag in den unterschiedlichen kulturellen und gesellschaftlichen Lebensräumen der Menschen noch deutlicher zu verwirklichen – mit Nähe zu den örtlichen Gegebenheiten, aber im Bewusstsein der weltweiten Verbindung.
Ein Prozess, der mit Leben gefüllt werden will
Bischof Werner Philipp erläuterte, dass es nun darum gehe, die neuen Strukturen mit Leben zu füllen: Verantwortlichkeiten zu klären, Zusammenarbeit zu gestalten und Wege gegenseitiger Unterstützung zu entwickeln. Dabei bleibe das gemeinsame Fundament der weltweiten EmK bestehen – das Vertrauen darauf, dass Gott in diesem Wandel am Werk sei.
Weltweit wird in der EmK dieses Ergebnis mit großer Freude und Erleichterung aufgenommen, weil darin kein Abschluss, sondern der Beginn eines neuen Kapitels gesehen wird: eine Kirche in Bewegung, offen für den Geist Gottes, verwurzelt im Glauben und bereit, die Welt zu verändern.
Weiterführende Links
https://www.umnews.org/en/news/regionalization-starts-taking-effect
https://www.umnews.org/en/news/new-united-methodist-church-structure-ratified
https://www.unitedmethodistbishops.org/newsdetail/umc-bishops-finish-canvassing-of-constitutional-amendments-19435612
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de






