EmK im Wandel Von Michael Löffler  | 

Einheit leben – weltweit neu gestalten

Das Foto zeigt das Innere der Jerusalemkirche in Kopenhagen mit etwa 80 Personen, die sich im vorderen Teil der Kirche zum Gruppenbild aufgestellt haben. Sie sehen hoch zur Kamera.
Internationale Beratungen zur Regionalisierung in Kopenhagen.
Bildnachweis: Heather Hahn, UM News
In Kopenhagen berieten Leitungspersonen aus vier Kontinenten über die neue Regionalstruktur der EmK – geprägt von Einheit, Liebe und geistlicher Verbundenheit.
3 Minuten

»Wenn jemand sagt: ›Ich liebe Gott‹, aber seinen Bruder hasst, ist er ein Lügner … Wer Gott liebt, muss auch seinen Bruder lieben.« Mit diesen Worten aus dem 1. Johannesbrief (Kapitel 4, Verse 20–21) wurden die internationalen Beratungen zur Regionalisierung der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Kopenhagen eröffnet. Bischof im Ruhestand Harald Rückert stellte das Bibelwort zu Beginn eines Gottesdienstes in den Mittelpunkt. Es prägte die Gespräche vom 6. bis 9. Februar und machte deutlich: Regionalisierung ist nicht zuerst eine strukturelle, sondern eine geistliche Aufgabe – Einheit und Liebe in aller Unterschiedlichkeit zu leben.

Wenn Einheit Gestalt gewinnt

In Kopenhagen berieten mehr als 80 Leitungspersonen aus vier Kontinenten über die konkrete Umsetzung der beschlossenen Veränderungen und kamen zusammen, um die bereits 2012 begonnene Arbeit an einer verschlankten Kirchenordnung voranzutreiben. Sie soll einerseits das Wesentliche und damit für alle Verbindliche klar zum Ausdruck bringen und andererseits genügend Freiraum gewähren, um in unterschiedlichen Kontexten den Auftrag der Kirche bestmöglich zu erfüllen. Angesichts der weltweiten Regionalisierung hat die Arbeit am künftigen »General Book of Discipline« (für die gesamte EmK verbindliche Verfassung, Ordnung und Lehre) zusätzliche Dynamik erhalten. Sie stellt einen wesentlichen Beitrag zur praktischen Umsetzung der neuen Regionalkonferenz-Strukturen dar.

Deutsche Stimmen im internationalen Prozess

Aus Deutschland nahmen Ruhestandsbischof Harald Rückert, Pastorin Anne Detjen, Bischöfin im Ruhestand Rosemarie Wenner, Bischof Werner Philipp, André Günther sowie Christine Flick an den Beratungen teil. Werner Philipp, Anne Detjen und André Günther sind die offiziellen Mitglieder der Regionalkonferenz Deutschland im Ständigen Ausschuss für Belange der Regionalkonferenzen außerhalb der USA , einem internationalen Ausschuss der Generalkonferenz der EmK, der strukturelle und ordnungsrechtliche Fragen im Blick auf die Regionalkonferenzen bearbeitet. Harald Rückert hat den Vorsitz dieses Ausschusses inne. Christine Flick ist deutsche Vertreterin im Connectional Table, einem weltweiten Leitungsgremium zur Koordination von Mission, Vision und Ressourcen der Kirche, und nahm als von diesem Gremium entsandtes Mitglied an den Beratungen in Kopenhagen teil.

Die ehemalige Präsidentin des Bischofsrats der EmK Rosemarie Wenner brachte ihre gesamtkirchliche Perspektive ein und betonte, auf dem Weg zu einer internationalen Kirche mit gleichberechtigten Regionalkonferenzen gehe es nicht in erster Linie um veränderte Strukturen oder eine neue Kirchenordnung, sondern um geistliche Verbundenheit. »In einer globalisierten Welt wollen wir an möglichst vielen Orten Menschen in die Nachfolge Jesu einladen und Gottes Liebe Gestalt geben.« Darum frage man nicht nur, welche Ordnung gebraucht werde, sondern auch, wie die Beziehungen lebendig gehalten werden könnten, damit voneinander gelernt werden könne, was Kirchesein in evangelisch-methodistischer Tradition bedeute.

Neun Regionen – neue Ordnung, gemeinsame Sendung

Durch die Regionalisierung, eine 2024 bis 2025 beschlossene Verfassungsänderung, entstanden neun gleichberechtigte Regionen: vier in Afrika, drei in Europa, eine auf den Philippinen und erstmals eine Region für die USA. Außerhalb der Vereinigten Staaten entsprechen diese Regionen den bisherigen Zentralkonferenz-Gebieten. Die neue Region USA markiert eine historische Verschiebung: Die Kirche in den Vereinigten Staaten, die lange Zeit eine prägende Rolle in der weltweiten Kirche innehatte, wird nun zu einer Region unter mehreren mit gleichen Rechten und Verantwortlichkeiten.

Allen Regionen wird die Möglichkeit gegeben, bestimmte Teile der Kirchenordnung an die jeweiligen kulturellen, rechtlichen und missionarischen Kontexte anzupassen. Die gemeinsame Mitte – die Verfassung, weitere Teile des Kirchenrechts und die Lehre einschließlich der Sozialen Grundsätze – bleibt verbindlich.

Nach der Tagung der Generalkonferenz 2028 wird erstmals ein Gremium tagen, das die Kirchenordnung für die Vereinigten Staaten anpassen darf: die Regionalkonferenz USA. Diese Regionalkonferenztagung wird derzeit vorbereitet.

Im Gebet verbunden – gemeinsam gesandt

Die Beratungen machten deutlich: Regionalisierung ist kein Projekt einzelner Teile der Kirche, sondern ein gemeinsamer Weg. Er wird im Gebet, im gegenseitigen Zuhören und im Vertrauen auf Gottes Geist gestaltet. Viele Teilnehmende beschrieben, wie intensiv die weltweite Verbundenheit spürbar war – »man kann sie riechen, man kann sie atmen«, formulierte Rückert.

Bis zur Generalkonferenz-Tagung 2028 soll die neue, verschlankte und für alle Regionen verbindliche Kirchenordnung weiter ausgearbeitet werden. Damit wird auch genauer festgelegt, welche Teile des Kirchenrechts künftig von den Regionalkonferenzen angepasst werden dürfen. Der Prozess bleibt anspruchsvoll. Zugleich eröffnet er die Chance, die weltweite Kirche in gelebter Einheit zu gestalten – getragen von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und der gemeinsamen Sendung.

Rückblick und geistliches Resümee

Rückblickend zog Bischof Werner Philipp ein persönliches Resümee der Tagung und knüpfte noch einmal an das biblische Leitwort der Beratungen an: »Wir haben erlebt, dass unsere Einheit durch kulturelle Unterschiede nicht infrage gestellt wird, sondern in Jesus Christus gründet. Wenn wir einander in Liebe begegnen – so wie es im 1. Johannesbrief heißt –, dann wird Regionalisierung nicht zur Abgrenzung, sondern zu einem gemeinsamen Weg, auf dem Vertrauen wächst und unsere missionarische Verantwortung gestärkt wird.«

 

Weiterführende Links

www.umnews.org/en/news/making-regionalization-a-reality-for-the-church

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de