Was die Kirche der Zukunft prägen soll
»Aber das Bleiben ist nicht unser ganzer Auftrag.« Mit diesen Worten machte Bischof Rubén Saenz Jr. beim weltweiten Leitungstreffen der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in Calgary (Kanada) deutlich, worum es bei den Beratungen geht. Nach Jahren schmerzhafter Konflikte und Trennungen soll sich der Blick nach vorne richten. Der Präsident des weltweiten Bischofsrats betonte, dass die Zukunft der Kirche nicht innerhalb einer Woche festgelegt werden könne. Vielmehr gehe es darum, gemeinsam eine Vision zu entwickeln und neue Wege kirchlichen Lebens zu entdecken.
Nicht nur Zahlen zählen
Pastor John Yambasu Jr. von der Ben Hill United Methodist Church in Atlanta (USA) stellte die Frage, woran erfolgreiche kirchliche Arbeit zu erkennen sei. Ausgehend von der biblischen Erzählung der Speisung der Fünftausend erinnerte er daran, dass Zahlen allein wenig über die Wirkung des Glaubens aussagen. Entscheidend sei die Frage: »Welchen Unterschied macht es?« Es gehe darum, wie sich das Leben von Menschen und ihr Umfeld durch die Arbeit der Kirche verändern.
Diakonin April Casperson vom Methodist Theological Seminary in Ohio (USA) sprach sich dafür aus, christliche Nachfolge stärker als gemeinschaftliche Aufgabe zu verstehen. Auch Meredith Hoxie Schol, Dekanin der Drew Theological School in New Jersey (USA), hob die Bedeutung von Beziehungen hervor. Kirchliche Verbindlichkeit dürfe sich nicht allein am Einhalten von Regeln bemessen, sondern müsse sich in gegenseitiger Verantwortung zeigen.
Wie ein Wald miteinander verbunden
Pastorin Beth Ludlum vom Wesley Theological Seminary in Washington (USA) verglich die weltweite EmK mit einem Wald. Unterirdische Pilzgeflechte verbinden Bäume miteinander und ermöglichen den Austausch von Wasser und Nährstoffen. Ähnlich könnten Gemeinden und kirchliche Arbeitsbereiche einander stärken – unabhängig von ihrer Größe oder finanziellen Ausstattung. Ludlum ermutigte dazu, neue Formen kirchlichen Lebens zu ermöglichen, ohne sie an vertrauten Gemeindemodellen zu messen. Gerade die Vielfalt sei eine Stärke der weltweiten Kirche.
Kinder gestalten Kirche schon heute
Pastorin Anne Thompson aus Dänemark lenkte die Aufmerksamkeit auf Kinder. Sie kritisierte, dass diese in einer weltweiten Umfrage zu kirchlichen Prioritäten nicht ausdrücklich als eigener Themenbereich berücksichtigt wurden. Kinder seien nicht nur die Zukunft der Kirche, sondern bereits heute Teil der Glaubensgemeinschaft – mit eigenen Erfahrungen, Fragen und Begabungen. Deshalb sollten sie das kirchliche Leben nicht nur miterleben, sondern aktiv mitgestalten können.
Verbundenheit, die trägt
Wie wichtig die weltweite Verbundenheit gerade in Krisenzeiten ist, schilderte Dariia Zhukovska aus der Ukraine. Angesichts der anhaltenden russischen Angriffe auf ihr Land sei die Unterstützung aus anderen Teilen der Kirche weit mehr als ein Zeichen institutioneller Zusammengehörigkeit. Sie bedeute vor allem eines: »Zu wissen, dass wir nicht allein sind.«
Auch Pastorin Eunice Musa Illiya aus Nigeria empfindet die Begegnungen und Gespräche als ermutigenden Neuanfang. Besonders die Beteiligung vieler jüngerer Leitungspersonen mache ihr Hoffnung.
Weltweite Beteiligung trotz Reisebeschränkungen
An dem Leitungstreffen nehmen insgesamt 281 Personen aus vier Kontinenten teil. Davon sind 235 in der Knox United Church in Calgary versammelt. Weitere 46 kirchliche Leitungspersonen, darunter auch Bischöfe, sind digital zugeschaltet, weil unterschiedliche Reisebeschränkungen eine Teilnahme vor Ort verhinderten. Mehr als ein Drittel der Teilnehmenden ist jünger als 35 Jahre.
Die Beratungen dauern bis zum 24. Oktober. Aus den Gesprächen sollen Empfehlungen für die weitere Entwicklung der weltweiten EmK hervorgehen. Bereits die ersten Impulse zeigen, dass es nicht allein um neue Strukturen geht. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie die Kirche ihren Auftrag glaubwürdig leben, Menschen miteinander verbinden und in der Gesellschaft wirksam werden kann.
Quelle: Nach einem Bericht von Heather Hahn, United Methodist News (UM News), 21. Oktober 2026. Redaktionell bearbeitet für emk.de. Zitate aus dem Englischen übersetzt.
Weiterführende Links
Originalbericht (UM News, Englisch): www.umnews.org/en/news/gathering-begins-to-imagine-church-yet-to-be
www.umnews.org/en/news/leadership-gathering-moves-ahead-amid-challenges
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Die Originalautorin ist Heather Hahn.






