Leitungstreffen in Calgary Von M. Löffler (nach Heather Hahn, UM News)  | 

Was Gemeinden verändern kann

Vor dem steinernen Kirchengebäude steht unter einem Baum eine große Willkommenstafel der Knox United Church in Calgary. Darauf steht auf Englisch: »Welcome worldwide UMC bishops and guests!«
Die Knox United Church in Calgary heißt die Bischöfinnen und Bischöfe der weltweiten EmK sowie die weiteren Gäste des Leitungstreffens willkommen.
Bildnachweis: Bischof Werner Philipp
Wie kann die EmK neue Wege gehen? Beim Leitungstreffen in Calgary geht es um Gebet, aufmerksames Zuhören und verbindliche Gemeinschaft.
3 Minuten

Wie können Gemeinden auf die Herausforderungen reagieren, vor denen die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) weltweit steht? Dieser Frage widmeten sich die Teilnehmenden des Leitungstreffens in Calgary (Kanada) am 22. Oktober. Nach der Bestandsaufnahme am Vortag beschäftigten sie sich nun mit konkreten Formen christlichen Lebens und Handelns.

In den Gesprächsgruppen ging es neben finanziellen Sorgen auch um die starke Beschäftigung mit dem Erhalt der eigenen Institution. Zur Sprache kam auch, starre, auf die USA ausgerichtete Strukturen sowie ungleiche Zugänge zu kirchlichen Leitungsaufgaben. Zugleich wurde der Wunsch nach einer Vertiefung des geistlichen Lebens deutlich.

Beten mit Blick auf die Welt

Nicht der Erhalt kirchlicher Einrichtungen, sondern die Not der Menschen sollte stärker im Mittelpunkt des Gebets stehen. Dazu ermutigte Pastor YoungHak Joseph Lee aus Pennsylvania (USA) im morgendlichen Gottesdienst. Er stellte das koreanische »Tongsung-Gebet« vor, bei dem alle gleichzeitig und laut ihre persönlichen Gebete sprechen. Diese Gebetsform habe Christinnen und Christen in Korea auch unter politischer Unterdrückung gestärkt. »Manchmal waren wir so sehr damit beschäftigt, unsere Kirchen und Einrichtungen zu schützen, dass wir die Menschen vergessen haben, die Jesus uns zu lieben aufgetragen hat«, sagte Lee.

Von Kindern lernen

Wie selbstverständlich Nächstenliebe bereits von Kindern gelebt werden kann, zeigte eine Begebenheit, von der Pastorin Anne Klitgaard Thompson aus Dänemark berichtete. Ein Mädchen brachte jeden Sonntag zwei Stofftiere zur Kirche mit. Auf die Frage nach dem zweiten antwortete es: »Eines ist für mich zum Spielen. Das andere ist für den Fall, dass ein Baby anfängt zu weinen.«

Darin sah Thompson ein Beispiel dafür, wie sich Heiligung bereits im Leben eines Kindes zeigen könne. Sie erinnerte an das methodistische Verständnis von Heiligung als Mitwirken an Gottes Wirken in der Welt. Daran könnten sich auch Kinder auf ihre Weise beteiligen.

Zuhören verändert die Hilfe

Welche Veränderungen durch aufmerksames Zuhören möglich werden, verdeutlichte ein Beispiel aus der Wohnungslosenarbeit. Eine Gemeinde unterstützte wohnungslose Menschen mit Busfahrkarten und sozialen Angeboten. Als die Mitarbeitenden begannen, auch nach den Fähigkeiten der Betroffenen zu fragen, erfuhren sie von deren Kenntnissen im Umgang mit Behörden und bei der Suche nach sicheren Übernachtungsmöglichkeiten.

Pastorin Beth Ludlum vom Wesley Theological Seminary in Washington (USA) berichtete, wie diese Gemeinde daraufhin ihre wöchentlichen Treffen umgestaltete. Statt für Hilfsangebote anzustehen, konnten die Menschen nun in kleinen Gruppen Erfahrungen austauschen und einander unterstützen.

Beziehungen brauchen Zeit

Dass ein freundlicher Empfang allein noch keine tragfähige Beziehung schafft, verdeutlichte Pastor John Yambasu Jr. aus Atlanta (USA) mit einer persönlichen Erfahrung. Auf der Suche nach einer Gemeinde wurde er viermal freundlich begrüßt. Doch erst aus der vierten Gemeinde erhielt er anschließend eine persönliche Nachricht mit einer Einladung zum Mittagessen. Dieser Kontakt gab für ihn den Ausschlag, sich ihr anzuschließen.

Wie Beziehungen über unterschiedliche Herkunft und Erfahrungen hinweg wachsen können, war auch Thema der weiteren Gespräche. Diakonin April Casperson vom Methodist Theological School in Ohio (USA) regte an, die traditionellen methodistischen »Klassen« neu zu entdecken – Kleingruppen, in denen Menschen regelmäßig zusammenkommen und einander ehrliche Fragen über ihren Glauben und ihr Leben stellen. »Brücken über Unterschiede hinweg zu bauen, ist kein Programm. Es ist eine Praxis«, erklärte Casperson.

Dazu gehöre auch die Bereitschaft, eigene Überzeugungen hinterfragen zu lassen. Darauf machte Pastor Chris McAlilly aus Mississippi (USA) aufmerksam. Niemand könne allein überblicken, was Gott in der Welt tue.

Weltweite Beteiligung bleibt eine Herausforderung

Die bisherigen Gespräche stimmten Bischof Rodel M. Acdal von den Philippinen zuversichtlich. Er begrüßte, dass die Teilnehmenden die Probleme der Kirche offen benannt hatten, und zeigte sich gespannt auf die Vorschläge zu deren Lösung. »Wir sind auf dem richtigen Weg«, sagte er.

Wie schwierig weltweite Beteiligung praktisch sein kann, zeigte sich allerdings bei den digitalen Gesprächsgruppen. Von den 46 außerhalb Kanadas zugeschalteten Personen konnten sich wegen technischer Probleme nur neun beteiligen.

Die Mitorganisatorin Stephanie Henry erinnerte daran, dass die Empfehlungen aus den Beratungen dem weltweiten Bischofsrat vorgelegt werden. Die Bischöfinnen und Bischöfe tragen die Verantwortung dafür, wie damit weitergearbeitet wird. Konkrete Beschlüsse wurden an diesem Tag nicht gefasst.

Quelle: Nach einem Bericht von Heather Hahn, United Methodist News (UM News), 22. Oktober 2026. Redaktionell bearbeitet für emk.de. Zitate aus dem Englischen übersetzt.

 

Weiterführende Links

Originalbericht (UM News, Englisch): www.umnews.org/en/news/gathering-begins-to-imagine-church-yet-to-be

www.unitedmethodistbishops.org/newsdetail/united-methodist-church-gears-up-for-major-leadership-gathering-20038865  

https://www.umnews.org/en/news/leadership-gathering-moves-ahead-amid-challenges  

the-holy-club.blogs.audiorella.com

Programmheft (PDF, Englisch)

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Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Die Originalautorin ist Heather Hahn.