Kirche neu denken: 16 Zukunftsimpulse aus Calgary
Nicht allein neue Mitglieder gewinnen, sondern Menschen für die Nachfolge Jesu Christi begeistern: Das ist einer der Leitgedanken aus 16 Vorschlägen für die Zukunft der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK). Sie wurden zum Abschluss des Leitungstreffens am 24. Oktober in Calgary (Kanada) vorgestellt. Die Teilnehmenden aus vier Erdteilen hatten gemeinsam darüber beraten, wie die EmK ihren Auftrag künftig erfüllen kann. Ihre Empfehlungen betreffen das geistliche Leben der Gemeinden, die Weitergabe des Glaubens und neue Wege für die Kirche.
Das geistliche Erbe John Wesleys stärken
Eine Gesprächsgruppe empfiehlt, sich neu auf das geistliche Erbe John Wesleys, des Begründers der methodistischen Bewegung, zu besinnen. Dazu gehört, gemeinsam im Glauben an Jesus Christus zu wachsen, den Glauben weiterzugeben und Menschen in Not zu helfen. Persönliche Beziehungen und der weltweite Zusammenhalt der Gemeinden sollen dabei gestärkt werden.
Eine wichtige Rolle spielen Gebet, Bibellesen, Gottesdienst und Abendmahl. Nach methodistischem Verständnis sind das Wege, auf denen Menschen Gottes Gnade erfahren und im Glauben wachsen können.
Eine weitere Gruppe möchte neue Wege finden, wie Menschen den Glauben an Jesus Christus kennenlernen und vertiefen können. Vorgeschlagen werden unter anderem Treffen für junge Erwachsene, Begegnungen zwischen Menschen unterschiedlicher Kulturen und neue digitale Möglichkeiten, das Leben Jesu anschaulich zu vermitteln. Auch Gemeindemitglieder, die nicht hauptberuflich für die Kirche arbeiten, sollen mehr Unterstützung erhalten. Sie sollen ihre persönlichen Fähigkeiten und Aufgaben im Glauben entdecken, Verantwortung übernehmen und anderen von ihrem Glauben erzählen können.
Junge Menschen im Glauben stärken
Besondere Aufmerksamkeit gilt den jüngeren Generationen. Eine Gesprächsgruppe empfiehlt, junge Menschen innerhalb und außerhalb der Kirche auf ihrem Glaubensweg zu begleiten. Verwurzelt in Jesus Christus und gestärkt durch den Heiligen Geist sollen sie sich geistlich, seelisch und körperlich entfalten können.
Der Bischofsrat der EmK soll ein Modellprogramm unterstützen, bei dem mindestens eine Jährliche Konferenz in jeder Region neue Wege erprobt. Jährliche Konferenzen sind Kirchenparlamente der EmK. Erprobt werden sollen beispielsweise neue Angebote zur christlichen Nachfolge für Kinder und Jugendliche, andere Formen theologischer Ausbildung oder die Verbindung des pastoralen Dienstes mit einem weiteren Beruf.
Eine andere Gruppe schlägt vor, in jeder Region zehn neue örtliche Gruppen für junge Menschen aufzubauen. Dort sollen sie sich mit weltweiten Krisen auseinandersetzen. Gebet und andere geistliche Übungen sollen ihnen helfen, mit Trauer umzugehen, Hoffnung zu schöpfen und gemeinsam aktiv zu werden.
Auch bei kirchlichen Entscheidungen sollen junge Menschen mehr Einfluss erhalten. So sieht ein Vorschlag vor, dass junge Erwachsene erfahrene Leitungspersonen beraten und begleiten.
Gebet und gelebter Glaube
Mehrere Empfehlungen verbinden geistliches Leben mit gesellschaftlicher Verantwortung. So soll sich die EmK neu zu ihrem Taufversprechen bekennen, dem Bösen, der Ungerechtigkeit und Unterdrückung zu widerstehen.
Eine Gesprächsgruppe schlägt ein kurzes Gebet vor, das Gemeinden weltweit einmal im Monat sprechen sollen. Es soll dazu anregen, eigene Einstellungen und Verhaltensweisen zu hinterfragen, die Rassismus, autoritäres Denken und Ausgrenzung möglich machen.
Auch Gebäude und finanzielle Mittel sollen stärker dem Auftrag der Kirche dienen. Weitere Vorschläge betreffen die Zusammenarbeit zwischen Stadt- und Landgemeinden, neue Angebote an Hochschulen und die gleichberechtigte Beteiligung gehörloser Menschen sowie anderer behinderter Menschen.
Eine Kirche für die ganze Welt
Die 16 Empfehlungen entstanden in ebenso vielen Gesprächsgruppen. 15 trafen sich in Calgary, eine weitere beriet online. Ihr gehörten überwiegend Menschen aus Afrika an, die wegen Reisebeschränkungen nicht nach Kanada reisen konnten.
Bischof Ande Emmanuel, zuständig für Nigeria, Senegal und Kamerun, forderte, den afrikanischen Teil der EmK als gleichberechtigten Partner anzusehen. Die weltweite Zusammenarbeit müsse von gegenseitigem Respekt und gemeinsamer Verantwortung geprägt sein.
Wie es weitergeht
»Ihr habt ein Fenster in die Zukunft geöffnet«, sagte Bischof Rubén Saenz Jr., Präsident des Bischofsrats der EmK, zum Abschluss. Er würdigte die Vorstellung einer Kirche, die fest in Jesus Christus und der methodistischen Glaubenstradition verwurzelt ist. Sie solle Menschen in die Nachfolge führen, statt nur Mitglieder zu zählen. Gebet, Weitergabe des Glaubens, Dienst am Nächsten und Gerechtigkeit gehörten zusammen. Die Zukunft der EmK werde weit über Calgary hinaus Gestalt gewinnen – in Gemeinden, Familien und im Zusammenleben der Menschen, betonte Saenz, der auch Bischof im US-Bundesstaat Texas ist.
Im November wollen die Bischöfinnen und Bischöfe die Empfehlungen beraten. Für Januar 2027 ist vorgesehen, einen Bericht über das Leitungstreffen einer breiteren Öffentlichkeit in der EmK zugänglich zu machen. Welche Vorschläge anschließend umgesetzt werden, ist noch offen.
Weiterführende Links
Originalbericht (UM News, Englisch): www.umnews.org/en/news/gathering-offers-16-ideas-for-church-future
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Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de






