Wenn Hoffnung Hände bekommt
Seit dem ersten Advent 2025 ist Bischof Werner Philipp unter dem Leitwort »Hoffnung unterwegs« in den Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) unterwegs. Er möchte zuhören, Gedanken teilen, Mut machen – und gemeinsam entdecken, wie Hoffnung heute Gestalt gewinnt. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht schnelle Antworten, sondern echte Begegnungen, das gemeinsame Hören auf biblische Worte und die Frage, wie Hoffnung im ganz normalen Alltag spürbar und wirksam wird.
Nach dem Auftakt im Norden, in Flensburg, führte die Tour im Januar weiter in den Osten nach Thalheim im Erzgebirge und wenig später in den Süden nach Wangen im Allgäu. Diese zweite und dritte Station machte deutlich, wie unterschiedlich Kontexte sein können – und wie verbindend zugleich die Suche nach tragfähiger Hoffnung ist.
Thalheim: Hoffnung braucht Hände und einen Ort
Am 11. Januar versammelte sich in Thalheim nicht nur die örtliche Gemeinde. Auch Geschwister aus Zwönitz sowie Burkhardtsdorf/Gornsdorf waren zu Gast. Begrüßt werden konnte zudem Bürgermeister Nico Dittmann, der den Gottesdienst mitfeierte. Im Zentrum stand der Predigttext aus dem Buch des Propheten Jeremia (Kapitel 29), ein Brief an Menschen im babylonischen Exil. Hoffnung erscheint hier nicht als Vertröstung, sondern als Auftrag: bauen, pflanzen, beten.
Bischof Philipp legte den Text als Hoffnungsbrief aus, der die Realität ernst nimmt und zugleich die Richtung weist. Hoffnung, so seine Botschaft, ist keine Beschönigung, sondern eine »Trotzdem-Hoffnung«, die handlungsfähig macht. »Hoffnung hat Hände«, sagte der Bischof – Hände, die anpacken, säen und sich im Gebet öffnen.
Zur Tour gehört die Übergabe eines Apfelbaums als sichtbares Hoffnungszeichen. In Thalheim ließ das Winterwetter das Pflanzen noch nicht zu. Doch die Bilder waren bereits lebendig: Ein Baum, der wächst, Blüten trägt und Frucht bringt.
Als Zeichen dieser Hoffnung überreichte die Gemeinde dem Bischof bereits jetzt Apfelsaft. Unter dem Leitwort »Suchet der Stadt Bestes« erklärte sich der Bürgermeister bereit, den Baum zu gegebener Zeit gemeinsam mit der Gemeinde zu pflanzen – ob auf kirchlichem oder städtischem Grund wird noch entschieden.
Pastor Pedro Freundel beschrieb den Besuch als sehr ermutigend. Die Begegnungen wurden intensiv genutzt, die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Hoffnung zeigte sich hier als etwas, das vor Ort Wurzeln schlägt.
Wangen im Allgäu: Hoffnung erweitert den Blick
Am 25. Januar erreichte »Hoffnung unterwegs« mit Wangen im Allgäu die südliche Station der bisherigen Wegstrecke. Claudia Neuland führte durch den Gottesdienst und erinnerte gleich zu Beginn daran, dass der letzte Bischofsbesuch in Wangen in den 1960er-Jahren stattgefunden hatte, als Bischof Friedrich Wunderlich die Gemeinde besuchte – ein historischer Bezug, der die besondere Bedeutung dieses Tages unterstrich.
Auch in Wangen lag an diesem Wintertag Schnee, der Boden war tief gefroren. Wie schon in Thalheim konnte der zur Hoffnungstour gehörende Apfelbaum daher noch nicht gepflanzt werden. Doch die Hoffnung blieb lebendig: Der Baum soll zu einem späteren Zeitpunkt seinen Platz finden – als bleibendes Zeichen dessen, was an diesem Tag gesät wurde.
Ein Interview eröffnete den Gottesdienst und gab Einblick in Anliegen und Ausrichtung der Tour. In der anschließenden Predigt griff Bischof Philipp – wie schon in Thalheim – erneut den Text aus Jeremia 29 auf. Hoffnung wurde dabei als etwas beschrieben, das sich im Konkreten bewährt: in Verantwortung füreinander, in kleinen Schritten des Handelns und im Vertrauen auf Gottes Zukunft. Dabei betonte der Bischof: »Gebet weitet uns die Augen für das, was Gott möglich machen kann.«
Pastor Stefan Schörk fasste die Wirkung des Besuchs so zusammen: »Der Besuch von Bischof Werner Philipp hat den Horizont der Gemeinde spürbar erweitert.« Mit seiner menschlichen und zugewandten Art habe er vielen Menschen die Weite der Kirche erfahrbar gemacht, die über die Grenzen der Ortsgemeinde hinausreiche. Seine Botschaft habe den Puls der Zeit getroffen und viele Herzen berührt.
Auch hier nahmen sich der Bischof und seine Frau Isabel Philipp nach dem Gottesdienst viel Zeit für persönliche Gespräche. Nähe, Aufmerksamkeit und echtes Interesse wurden zu tragfähigen Zeichen der Hoffnung.
Ein Kreuz der Hoffnung – und ein offener Weg
Mit den bisherigen Stationen im Norden, Osten und Süden zeichnet sich der Weg von »Hoffnung unterwegs« zunehmend als Kreuzbewegung ab. Im April wird in Essen die westliche Station hinzukommen – dort wird das »Kreuz der Hoffnung« vollständig geschlagen sein. Doch dieses Kreuz markiert keinen Abschluss.
Vielmehr ist es ein Orientierungspunkt. Von dort aus wird »Hoffnung unterwegs« weitergehen – kreuz und quer durch Deutschland, hinein in unterschiedliche Gemeinden, Lebenssituationen und Fragen. Hoffnung bleibt in Bewegung. Oder, mit dem Leitmotiv der Predigten gesagt: Hoffnung hat Hände – und sie ist unterwegs, wo Menschen bauen, pflanzen und beten.
Weiterführende Links
Berichterstattung zur Hoffnungstour auf UM News (engl.):
www.umnews.org/en/news/church-in-germany-plants-seeds-of-hope
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de






