Auftakt: Bischof Werner Philipp im Dialog
Mit der Videokonferenz-Reihe »nah dran im Dialog mit …« hat das deutsche Bildungswerk der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) einen Raum geschaffen, in dem jeweils eine verantwortliche Person aus einem kirchlichen Arbeitsbereich mit Interessierten aus den Gemeinden ins Gespräch kommt. Das Format verbindet geistliche Impulse und verbindlichen Austausch in überschaubarem Rahmen. Es geht nicht um fertige Antworten, sondern um gemeinsames Hören, Fragen und Weiterdenken. Rund 30 Teilnehmende aus ganz Deutschland waren beim Auftakt am 19. Februar zugeschaltet. Zuvor hatten sie sich über die Homepage des Bildungswerks der EmK angemeldet; die meisten von ihnen engagieren sich ehrenamtlich in ihren Gemeinden.
Pastor Wilfried Röcker, der Leiter des Bildungswerks, begrüßte die Runde herzlich und eröffnete den Abend mit einem Gebet. Damit war der Ton gesetzt: aufmerksam, geistlich konzentriert und von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.
Hoffnung ent-decken
Im Mittelpunkt stand der Impuls von Bischof Werner Philipp zu seinem Projekt »Hoffnung unterwegs«. Es gehe darum, Hoffnung neu zu ent-decken – nicht sie zu produzieren oder aus eigener Kraft herzustellen, sondern freizulegen, was Gott bereits geschenkt habe. Hoffnung sei keine menschliche Leistung, sondern Gabe Gottes.
Dabei knüpfte der Bischof auch an seine eigene Amtszeit an. Schon zu Beginn habe ihn die Frage bewegt, aus welcher inneren Haltung Kirche in schwierigen Zeiten handelt. Mit spürbarem Nachdruck betonte er: »Nicht immer vom Kleiner-Werden, Zusammenlegen oder Schließen her denken – nicht aus Realitätsverweigerung, sondern weil von der Hoffnung auf eine gedeihliche Zukunft unser Handeln in der Gegenwart abhängt.«
Darum beginne Hoffnung nicht bei unseren Machbarkeiten, sondern bei Gottes Möglichkeiten. Von dort her gewinne unsere Gegenwart neue Perspektive und neuen Mut. Und Philipp ergänzte: »Hoffnung ist Geschenk Gottes und zugleich Übungsfeld – wir lernen, uns ins Gelingen zu verlieben und die kleinen Geschichten des Gelingens wahrzunehmen.«
Biblisch spannte der Bischof den Bogen von der Verheißung des Propheten Jeremia über Jesu Verkündigung vom Reich Gottes bis zur Auferstehung als Grund christlicher Hoffnung. Er zitierte aus dem Jeremiabuch Kapitel 29, Vers 11:
»Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.«
Diese Zusage gelte Gottes Volk im Exil – einer Gemeinschaft in bedrängter Lage. Auch Jesu Gleichnisse vom Senfkorn, von der selbst wachsenden Saat und vom Sauerteig erzählten davon, dass Gottes Reich aus dem Kleinen und Unscheinbaren wachse – mitten unter den Menschen.
Sichtbar werde dieser Gedanke auch im Logo der Initiative »Hoffnung unterwegs«: Der weite Bogen der Kirche als Zeichen von Bewegung und Verbundenheit, eine karge Scholle, Wasser als Zeichen der Pflege und ein wachsendes Bäumchen – Hoffnung, die behutsam genährt werde und neues Leben hervorbringe.
Hoffnung, so machte Philipp deutlich, bleibe nicht privat. Sie dränge in die Gemeinschaft. Wer von Gottes Zukunft her denke, suche nicht den Rückzug, sondern den gemeinsamen Aufbruch. »Es kommt darauf an, wohin wir schauen«, sagte der Bischof. Wer nur Defizite wahrnehme, verliere leicht den Mut. Wer dagegen die »kleinen Geschichten des Gelingens« ent-decke und anderen mitteile, erkenne Spuren von Gottes Handeln. Hoffnung verbinde – im Erzählen, im Beten und im gemeinsamen Unterwegssein.
Angst lähmt – Hoffnung befreit
Die Krisenerfahrungen unserer Zeit verschwieg der Bischof nicht: gesellschaftliche Polarisierung, Kriege, Klimakrise, kirchliche Strukturveränderungen. Angst sei nachvollziehbar. Doch sie neige dazu, sich selbst zu bestätigen. Wer ausschließlich vom Niedergang her denke, laufe Gefahr, eine selbsterfüllende Prophezeiung in Gang zu setzen – auch als Kirche, auch als EmK.
Hoffnung hingegen eröffne gemeinschaftliche Handlungsspielräume. Sie nehme die Realität ernst, lasse sich aber nicht von ihr bestimmen. Angst lähme – Hoffnung befreie. Sie ermutige dazu, einander zu stärken, gemeinsam neue Schritte zu wagen und Verantwortung zu übernehmen. Dazu gehöre auch eine geistliche Gelassenheit im Blick auf das Scheitern. Wo Hoffnung trägt, dürfe ausprobiert werden. Nicht alles müsse gelingen, damit Neues wachsen kann. Hoffnung kenne die Brüchigkeit menschlichen Handelns – und halte dennoch an Gottes Möglichkeiten fest.
Mit einem einprägsamen Bild brachte Philipp diese Dynamik auf den Punkt: »Wenn der Wunsch Vater des Gedankens ist, dann ist Hoffnung die Mutter der Tat.« Hoffnung habe Hände – viele Hände.
Ein Kreuz über Deutschland
Die ersten vier Stationen der Bischofstour »Hoffnung unterwegs« seien bewusst gewählt worden: Flensburg im Norden, Thalheim im Osten, Wangen im Süden – und mit Essen im Westen werde das geografische »Kreuz der Hoffnung« über Deutschland vollendet. Erst danach erfolge die weitere Auswahl per Losverfahren aus allen drei Konferenzgebieten.
Persönliche Fragen – geteilte Verantwortung
In einer fünfzehnminütigen Gruppenphase und in der anschließenden gemeinsamen Runde wurde es sehr persönlich. Wie erreichen wir die Menschen um uns herum, auch unsere Jugendlichen? Wie hören wir ihnen wirklich zu – mit ihren Fragen, ihren Sorgen um Klima, Gerechtigkeit und Zukunft?
Hoffnung, so die Antwort des Bischofs, beginne mit Aufmerksamkeit und wachse im Miteinander. Gemeinden seien berufen, Räume zu schaffen, in denen Fragen gestellt und Zweifel ausgesprochen werden dürften. Auf die Frage nach der Schöpfung betonte er, christliche Hoffnung gehe nicht vom Untergang der Welt aus, sondern von ihrer Erneuerung. Vollendung bedeute Verwandlung. Als Ebenbilder Gottes tragen wir gemeinsam Verantwortung für die Bewahrung der Schöpfung – im Vertrauen auf Gottes Zukunft.
Zum Schluss weitete Philipp den Blick noch einmal auf die Gemeinden selbst. Mit ermutigendem Ton sagte er: »Als Gemeinden sind wir berufen, nicht nur Wegweiser auf Gottes Zukunft hin zu sein, sondern Hope-Stationen – Orte, an denen Hoffnung konkret erfahrbar wird, wo Menschen Heimat finden und Räume der Geborgenheit und des offenen Austauschs erleben.« Den Abschluss bildete das Segenswort aus Kapitel 15, Vers 13 des Briefs an die Römer: »Der Gott der Hoffnung aber erfülle euch mit aller Freude und Frieden im Glauben, dass ihr immer reicher werdet an Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes.«
Die Reihe wird fortgesetzt. »nah dran im Dialog mit …« will einüben, was an diesem Abend deutlich wurde: Hoffnung zu ent-decken – als Geschenk Gottes, das in Gemeinschaft führt und gemeinsam in Bewegung setzt.
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de
Zur Information
»nah dran im Dialog mit …«
Diese Videokonferenz-Reihe ist ein neues, monatliches digitales Gesprächsformat des deutschen Bildungswerks der Evangelisch-methodistischen Kirche. Verantwortliche aus verschiedenen Arbeitsbereichen der Kirche kommen mit Interessierten aus den Gemeinden ins Gespräch. Ein geistlicher und inhaltlicher Impuls steht jeweils am Beginn und eröffnet Möglichkeiten zum Austausch in kleiner Runde sowie im anschließenden Videokonferenz-Plenum. Ziel ist es, aktuelle Themen aus Kirche, Glauben und Gemeindeleben aufzunehmen, Perspektiven mitzuteilen und gemeinsames Weiterdenken zu ermöglichen.
Die Abende finden online per Zoom statt und sind nach vorheriger Anmeldung über das Bildungswerk der EmK zugänglich. Informationen zu Terminen, Themen und zur Anmeldung sind unter folgendem Link abrufbar: www.emk-bildung.de/fachbereiche/glaube-und-theologie/nah-dran






