Spontanes Live-Interview beim Besuch eines Amsterdamer Lokalradio-Senders: Johannes Welschen (links), Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Brüder-Unität, und Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Spontanes Live-Interview beim Besuch eines Amsterdamer Lokalradio-Senders: Johannes Welschen (links), Mitglied der Kirchenleitung der Evangelischen Brüder-Unität, und Harald Rückert, Bischof der Evangelisch-methodistischen Kirche.

Konsultation

Was hindert uns?

Die Evangelische Brüder-Unität und die Evangelisch-methodistische Kirche intensivieren ihre Zusammenarbeit.

Zum dritten Mal trafen sich die erweiterte Kirchenleitung der Evangelischen Brüder-Unität (EBU) und das Zentralkonferenz-Kabinett der Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland (EmK) zu einer Konsultation. Inhaltlich beschäftigte sich das Treffen mit der Multikulturalität der Kirchen und dem Selbstverständnis als missionarische Kirchen. Für das Treffen hatte die Evangelische Brüder-Unität vom 19. bis 21. September nach Amsterdam eingeladen.

Die Bedeutung der eigenen Sprache für die multikulturelle Arbeit 

Für den Austausch über die multikulturellen Herausforderungen, die sich beiden Kirchen in ihrer Arbeit stellen, bot der Tagungsort einen guten Hintergrund. Getagt wurde nämlich in dem im Südosten von Amsterdam gelegenen Stadtteil »Zuidoost«, wo der Anteil der Einwohner mit Migrationshintergrund besonders hoch ist. Die in diesem Stadtteil aktive Gemeinde der Herrnhuter hatte dort vor einigen Jahren eine neue Kirche errichtet mit dem Namen »Wi Eegi Kerki« (deutsch: Unsere eigene Kirche). Wie die gegenseitige Durchdringung verschiedener Kulturen gelingen könne und wo Grenzen liegen war eine der Fragestellungen, die sich aus den Diskussionen ergab. Thematisiert wurde die Bedeutung der jeweils eigenen Sprache für den Ausdruck des persönlichen Glaubens. Zudem sei ein Kulturwandel in den Kirchen nötig, der eine stärkere Beteiligung von Migranten an der Verantwortung und Leitung ermögliche.

Bekenntnis und Akzeptanz

In der Runde zum missionarischen Selbstverständnis der Kirchen wurden Gemeindegründungsprojekte in der EmK vorgestellt. Im Austausch wurde deutlich, dass es zuerst darum gehen müsse, sich für die Menschen zu interessieren und zu öffnen. Eindrücklich waren Informationen über das Haus der Religionen in Bern, in dem auch die Herrnhuter ihren Platz gefunden haben und aktiv mitarbeiten. Im religiösen Dialog, der sich aus dem Projekt entwickle, werde auch Diskussionsbedarf deutlich, der sich nicht vernachlässigt werden dürfe. Es gehe in der Begegnung mit Menschen anderen Glaubens darum, das eigene Bekenntnis zu Jesus Christus zum Ausdruck zu bringen, dabei aber auch das Gegenüber in seiner Überzeugung zu akzeptieren und mitunter auch auszuhalten.

Sender-Besuch mit Live-Interview 

Großes Interesse fand eine Tour durch den Stadtteil Amsterdam-Zuidoost, zu der auch der Besuch einer von der EBU verantworteten Schule, das Miteinander verschiedener Religionen sowie der Besuch eines lokalen Radiosenders gehörten. Der Sender berücksichtigt in seinem Programm die zahlreichen im Stadtteil gesprochenen Sprachen, wodurch regionale Informationen weitergegeben werden können. Jeden Samstag gestaltet die EBU eine Sendezeit im Rahmen des Programms. Beim Besuch des Senders waren Harald Rückert, Bischof der EmK, und Johannes Welschen, für die Region Niederlande zuständiges Mitglied der EBU-Kirchenleitung, spontan zu einem kurzen Live-Interview eingeladen worden.

Mehr gegenseitige Durchlässigkeit

Im Resümee der Tagung wurden Arbeitsaufgaben formuliert, um in der Zusammenarbeit beider Kirchen die nächsten gemeinsamen Schritte anzugehen. Damit findet die Frage »Was hindert uns, mehr Durchlässigkeit in verschiedenen Arbeitsbereichen zu ermöglichen?« ihre konkrete Antwort. In der theologischen Ausbildung sollen die vorhandenen Ressourcen gegenseitig genutzt werden. Außerdem werden Gemeinden ermutigt, aufeinander zuzugehen und an Orten, wo beide Kirchen mit Gemeinden vertreten sind, Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu prüfen. Zur gegenseitigen Hilfe oder als Horizonterweiterung soll auch ein Austausch-Programm für Mitarbeiter installiert werden, und im Bereich Gemeindeneugründung soll es einen Erfahrungsaustausch geben. Bereits bestehende Angebote wie das von der Ostdeutschen Konferenz der EmK gemeinsam mit der Ev. Landeskirche Sachsens getragene Pastoralkolleg oder der Theologische Konvent der EBU sollen gegenseitig geöffnet werden. Auch der Theologische Grundkurs der EmK biete gute Möglichkeiten für die Ausbildung von Ehrenamtlichen beider Kirchen. Für diese Vorhaben wurden Verantwortliche benannt.

Bildnachweis: Stephan Ringeis


Der Autor
Stephan Ringeis ist Superintendent der Evangelisch-methodistischen Kirche für den Distrikt Zwickau. Kontakt: stephan.ringeis(at)emk.de.

Zur Information
Im Jahr 2012 vereinbarten die Europäisch-Festländische Kirchenprovinz der EBU und die Evangelisch-methodistische Kirche regelmäßige Begegnungen zur gegenseitigen Konsultation und Intensivierung der Zusammenarbeit. Die ersten beiden Begegnungen fanden in Herrnhut (2012) und Reutlingen (2015) statt. Für 2021 ist die nächste Konsultation in Planung. Der Ort steht noch nicht fest.

Die Evangelische Brüder-Unität (EBU) – Herrnhuter Brüdergemeine ist eine evangelische Kirche. Sie ist der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) angegliedert und zugleich Gastmitglied in der Vereinigung Evangelischer Freikirchen (VEF). Die Europäisch-Festländische Kirchenprovinz der EBU vereint Gemeinden und Werke in Deutschland, den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark, Schweden, Estland, Lettland und Albanien. Zu dieser Kirchenprovinz zählen sich 16.000 Menschen, 9.000 davon sind in den Niederlanden beheimatet. Sie ist eine der weltweit 27 Provinzen der Brüder-Unität (Unitas Fratrum, Moravian Church).
www.ebu.de