Hoffnung öffnet Räume
Mit geistlichen Impulsen, ersten Beratungen und einer klaren Orientierung auf die Zukunft hat die Süddeutsche Jährliche Konferenz (SJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ihre diesjährige Tagung begonnen. Unter dem Leitwort »Bring & Share« (Mitbringen und Mitteilen) kamen die Mitglieder der Konferenz erstmals zu einer Kurztagung zusammen. Das Parlament der EmK für den Süden Deutschlands beriet über seinen Auftrag in einer sich wandelnden Gesellschaft. Die Themen des ersten Konferenztages spannten dabei einen Bogen von Hoffnung und Menschenwürde über finanzielle Verantwortung bis hin zu konkreten Zukunftsfragen der Kirche.
Gott stellt Menschen auf weiten Raum
Bereits in der Eröffnung griff Bischof Werner Philipp die geistliche Grundlage der Konferenz auf. Ausgehend von Psalm 31 – »Du stellst meine Füße auf weiten Raum« – erinnerte er daran, dass Gott Menschen nicht in Angst und Enge festhält, sondern ihnen Freiheit und neue Perspektiven schenkt. Angesichts gesellschaftlicher Unsicherheiten, politischer Spannungen und kirchlicher Herausforderungen sei die Versuchung groß, vor allem auf Begrenzungen und Probleme zu schauen. Der christliche Glaube eröffne jedoch einen anderen Blick: Gott führe in die Weite und ermögliche neue Schritte. Kirche lebe deshalb nicht aus der Sorge um den Erhalt des Bestehenden, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Zukunft.
Hoffnung als widerständige Kraft
Im Mittelpunkt des Nachmittags stand das Impulswort des Bischofs unter der Überschrift »Hoffnung öffnet Räume«. Dabei griff Werner Philipp Erfahrungen seiner Hoffnungstour auf, die ihn seit mehr als einem Jahr durch Gemeinden in Deutschland führt.
Hoffnung, so der Bischof, sei weder Vertröstung noch naiver Optimismus. Vielmehr sei sie eine Kraft, die Menschen verändere und zum Handeln befähige. Angst verenge den Blick und ziehe Grenzen. Hoffnung dagegen eröffne Möglichkeiten und lasse Neues entstehen. In diesem Zusammenhang zitierte Philipp den Schriftsteller Martin Walser: »Dem Gehenden schiebt sich der Weg unter die Füße.« Hoffnung wachse oft nicht aus Gewissheit, sondern aus dem Mut, den nächsten Schritt zu gehen. Mit dem Bild einer Pflanze, die den Asphalt durchbricht, beschrieb der Bischof die beharrliche und widerständige Kraft der Hoffnung.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen von Krisen, Kriegen und gesellschaftlichen Konflikten geprägt seien, brauche es Orte, an denen Hoffnung erfahrbar werde. Kirche habe die Aufgabe, solche Räume zu eröffnen und Menschen zu ermutigen, Vertrauen zu wagen.
Menschenwürde ist nicht verhandelbar
Einen weiteren wichtigen Akzent setzte der Impuls des Bischofs zum Umgang mit menschenfeindlichen Positionen. Ausgangspunkt war die biblische Überzeugung, dass jeder Mensch als Ebenbild Gottes geschaffen ist und deshalb eine unveräußerliche Würde besitzt. Diese Würde gelte unabhängig von Herkunft, Nationalität, Religion, Geschlecht oder sozialem Status. Wo Menschen ausgegrenzt, herabgewürdigt oder bedroht werden, widerspreche dies dem christlichen Menschenbild.
Vor diesem Hintergrund wurden die Delegierten auf die Beratungen zu einem Antrag eingestimmt, der die Vereinbarkeit kirchlicher Mitarbeit mit menschenfeindlichen und extremistischen Haltungen thematisiert. Konferenzmitglieder erklärten, die Kirche könne ihrem Auftrag nur dann gerecht werden, wenn sie Räume schaffe, in denen Menschen sicher, respektiert und willkommen sind. Die Frage nach der Menschenwürde sei deshalb keine Randfrage, sondern berühre das Selbstverständnis der Kirche unmittelbar.
Ermutigende Grüße aus der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz
Verbunden wurden diese Themen durch das Grußwort der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz. Christiane Fritzsch berichtete von den Beratungen in Plauen, die unter dem Leitwort »Ja, ich will – Gott helfe mir« standen. Dabei wurde deutlich, dass Gottes Zusage jedem menschlichen Handeln vorausgeht. Aus diesem Vertrauen heraus können Menschen Verantwortung übernehmen und sich auf neue Wege einlassen. Fritzsch schilderte Beispiele dafür, wie aus Abschieden und Veränderungen neue Möglichkeiten entstanden sind und wie Gemeinden trotz schwieriger Rahmenbedingungen mutig nach vorne blicken. So wurde auch aus der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz die Botschaft hörbar, dass Kirche ihre Zukunft nicht allein aus vorhandenen Ressourcen gestaltet, sondern aus dem Vertrauen auf Gottes Wirken.
Verantwortung für die Zukunft der Kirche
Neben den geistlichen Schwerpunkten standen bereits erste Beratungen auf der Tagesordnung des ersten Tages. Die Delegierten befassten sich unter anderem mit dem Haushalt sowie mit Berichten aus verschiedenen Arbeitsbereichen im Verantwortungsbereich des Kirchenparlaments.
Rückläufige Mitgliederzahlen und veränderte gesellschaftliche Rahmenbedingungen verlangten eine sorgfältige Planung und einen verantwortungsvollen Umgang mit den vorhandenen Ressourcen. Zugleich wurde mehrfach betont, dass finanzielle Fragen nicht losgelöst vom Auftrag der Kirche betrachtet werden könnten. Vielmehr gehe es darum, die vorhandenen Mittel so einzusetzen, dass Gemeinden, diakonische Arbeit, Bildungsangebote und missionarische Initiativen auch künftig wirksam gestaltet werden können. Die Diskussionen waren deshalb nicht allein von Einsparungen geprägt, sondern ebenso von der Suche nach neuen Möglichkeiten und tragfähigen Perspektiven für die Zukunft.
Gemeinsam Kirche gestalten
Das Konferenzmotto »Bring & Share« zog sich wie ein roter Faden durch den ersten Tag der Kurztagung. Ein Konferenzmitglied äußerte, Kirche lebe davon, dass Menschen ihre Begabungen, Erfahrungen, Fragen und Hoffnungen einander mitteilten. Wo Menschen Verantwortung übernähmen und ihre Gaben einbrächten, entstünden neue Räume für Glauben, Gemeinschaft und Dienst. So habe über dem Auftakt der Süddeutschen Jährlichen Konferenz eine klare Botschaft gestanden: Hoffnung eröffne neue Perspektiven. Sie helfe, Herausforderungen realistisch wahrzunehmen, ohne sich von ihnen bestimmen zu lassen. Sie stärke den Einsatz für die Würde jedes Menschen und ermutige dazu, die Zukunft der Kirche gemeinsam und vertrauensvoll zu gestalten. Gerade darin zeige sich die Weite, in die Gott seine Kirche auch heute führe.
Weiterführende Links
Website der SJK: www.emk-sjk.de
Während der Tagung finden sich dort aktuelle Berichte und Informationen zur Konferenz. Außerdem wird über die Website der Livestream des Ordinationsgottesdienstes erreichbar sein.
Der Autor
Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit@emk.de
Zur Information
Konferenzsonntag am 21. Juni 2026 in der Schwabenlandhalle in Fellbach
Guntram-Palm-Platz 1, 70734 Fellbach
- 10.30 - Bringen – aber was?
Ordinationsgottesdienst mit Bischof Werner Philipp, Band und Posaunenchor - 10.30 - Metho-Kids-Konferenz
Gottesdienst für Kinder mit dem Kinder- und Jugendwerk - 12.00 - Erlebnis-Mittagspause
rund um die Halle mit Essensangeboten, Infoständen und Büchertisch - 14.00 - Teilen – aber wie?
Inspirierende Ideen mit Annika Finkbeiner, Alexander Striewski & »Hidden Haven« - 14.00 - Zauberer Tommy Bright
zaubert für Kinder und Eltern
Süddeutsche Jährliche Konferenz
Die SJK ist ein Parlament der Evangelisch-methodistischen Kirche. Sein Verantwortungsbereich gliedert sich in die beiden Distrikte Südost und Südwest. Sein Gebiet umfasst die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teile Nordrhein-Westfalens.






