SJK 2026 Von Michael Löffler  | 

Zwischen Erinnerung, Orientierung und Aufbruch

Auf einer Bühne: In der Mitte steht an einem Stehpult eine Frau und spricht eine Frau rechts daneben an. Ganz rechts sitzt der Bischof an einem Tisch und sieht zu. Ganz links stehen sechs weitere Personen und sehen größtenteils zu.
Konferenzdelegierte bedanken sich bei Christine Flick (rechts) für ihren langjährigen Dienst als Vertreterin der Konferenzdelegierten der Süddeutschen Jährlichen Konferenz.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Süddeutsche Jährliche Konferenz berät über aktuelle Herausforderungen und die Zukunft der Kirche.
3 Minuten

Mit einer Gedächtnisfeier begann der Samstag der diesjährigen Kurztagung der Süddeutschen Jährlichen Konferenz (SJK). Die Erinnerung an Menschen, die das Parlament der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) für Süddeutschland geprägt haben, stand am Anfang eines Tages, der von sehr unterschiedlichen Themen bestimmt wurde: von Aufnahmen in den pastoralen Dienst und dem Ringen um einen Unvereinbarkeitsbeschluss über die Weiterführung des Änderungsprozesses bis hin zu Fragen der Digitalisierung und künftigen Zusammenarbeit.

Der Vormittag: Erinnern und Verantwortung übernehmen

Ausgehend vom 2. Samuelbuch, Kapitel 14, Vers 14 richtete Superintendent Matthias Kapp den Blick auf die Spannung zwischen Vergänglichkeit und Hoffnung. »Wir alle müssen sterben. Wir sind wie Wasser, das auf die Erde geschüttet wird und versickert. Doch Gott will Leben nicht zerstören.« Mit diesem Vers wurde die Gedächtnisfeier eröffnet. Die Erinnerung an die Verstorbenen blieb dabei nicht beim Abschied stehen. Sie verwies auf die christliche Hoffnung und auf einen Gott, der Menschen nicht verloren gibt. Die Namen und Lebensgeschichten der Verstorbenen machten sichtbar, wie vielfältig die Beiträge waren, mit denen sie die Evangelisch-methodistische Kirche geprägt haben – im pastoralen Dienst ebenso wie im ehrenamtlichen Engagement.

Im weiteren Verlauf des Vormittags wurden die Ergebnisse der Wahlen vom Vorabend bekanntgegeben und Menschen für verschiedene Schritte ihres Dienstweges bestätigt. Die Konferenz nahm neue Mitglieder auf Probe auf, bestätigte Lokalpastoren und bereitete die Aufnahme mehrerer Pastorinnen und Pastoren in die volle Verbindung der Jährlichen Konferenz vor. Mit den Ordinationen am Sonntag findet dieser Weg seinen sichtbaren Höhepunkt.

Einen Blick über die Grenzen der eigenen Konferenz hinaus eröffnete das Grußwort von Holger Sieweck, ein Superintendent der Norddeutschen Jährlichen Konferenz. Er schilderte die Veränderungen und Herausforderungen in seiner Konferenz, die für ein noch größeres Gebiet verantwortlich ist. Dabei wurde deutlich, dass viele Fragen die verschiedenen Jährlichen Konferenzen gleichermaßen beschäftigen.

Mit Dank und Anerkennung verabschiedete die Konferenz außerdem Christine Flick aus ihrem langjährigen Dienst als Vertreterin der Konferenzdelegierten (Begriff in der Gesamtkirche: Konferenzlaienführerin). Über viele Jahre hinweg hatte sie die Arbeit der Süddeutschen Jährlichen Konferenz in unterschiedlichen Funktionen begleitet und mitgestaltet. Das Kirchenparlament würdigte ihr Engagement mit langem Applaus und guten Wünschen für ihren weiteren Weg.

Breiten Raum nahmen die Beratungen zur Unvereinbarkeit von Engagement im Verantwortungsbereich der SJK und der Unterstützung extremistischer Parteien und Vereine ein. Die Delegierten (Begriff in der Gesamtkirche: Mitglieder) setzten sich mit der Frage auseinander, wie die Kirche dort Orientierung geben kann, wo politische Überzeugungen oder gesellschaftliche Haltungen der christlichen Überzeugung von der gleichen Würde aller Menschen widersprechen. Die Konferenz sieht diese Voraussetzungen insbesondere bei der AfD als gegeben an und verabschiedete eine entsprechende Unvereinbarkeitserklärung. Damit setzte die SJK ein deutliches Signal für die Orientierung an den Sozialen Grundsätzen der Kirche und ihrer Verpflichtung zum Schutz der Menschenwürde.

Unmittelbar nach der Beschlussfassung ordnete Bischof Werner Philipp die Entscheidung theologisch ein. Die Würde jedes Menschen als Ebenbild Gottes sei keine Nebensache christlichen Glaubens, sondern gehöre zu dessen Fundament. Der Beschluss diene deshalb nicht der Ausgrenzung von Menschen, sondern dem Schutz eines kirchlichen Raumes, in dem Menschen ohne Angst leben, glauben und dienen können.

Der Nachmittag: Veränderung gestalten

Der Nachmittag stand im Zeichen der Weiterentwicklung im Verantwortungsbereich der Süddeutschen Jährlichen Konferenz. Der Koordinierungskreis des SJK-Change-Prozesses legte seinen Abschlussbericht vor und zog Bilanz der vergangenen Jahre: Viele der angestoßenen Veränderungen hätten inzwischen ihren Weg in die Bezirke und Gemeinden gefunden. Das Leitmotiv »Bring and Share – Menschen in Begegnung« sei durch zahlreiche Projekte und Initiativen sichtbar gemacht worden.

Der Prozess endet nicht mit dem Abschlussbericht. Die Konferenz beschloss deshalb, wichtige Impulse dauerhaft zu verankern. Eine neue Arbeitsgruppe »Gemeindeleben« soll künftig Erfahrungen auswerten, Entwicklungen begleiten und Gemeinden unterstützen.

Breiten Raum nahm außerdem der Bericht der Arbeitsgruppe Digitalisierung ein. Vorgestellt wurden die nächsten Schritte hin zu gemeinsamen digitalen Plattformen, Kommunikationswegen und Arbeitsumgebungen. Daneben beriet die Konferenz über Anträge mit finanziellen Auswirkungen und verwies weitere Themen an die zuständigen Ausschüsse.

Mit Zuversicht nach vorne

Zum Ende des Tages richtete Bischof Werner Philipp den Blick noch einmal auf die geistliche Grundlage allen kirchlichen Handelns. Strukturfragen, Beschlüsse und Veränderungsprozesse seien notwendig, sagte er. Entscheidend bleibe jedoch, woran sich die Kirche orientiere. Zukunft entstehe dort, wo Menschen sich von Jesus Christus leiten ließen und darauf vertrauten, dass Gottes Geist auch unter veränderten Bedingungen Wege eröffne.

So verband dieser Konferenztag Erinnerung und Zukunft, geistliche Orientierung und konkrete Entscheidungen. Das Gedenken am Morgen, die Beratungen des Tages und der Ausblick auf die kommenden Aufgaben machten deutlich, wie die Süddeutsche Jährliche Konferenz ihren Weg in einer Zeit des Wandels gestalten will.

 

Weiterführende Links

Gedächtnisseite der SJK: gedaechtnis.sjk-emk.de

 

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Süddeutsche Jährliche Konferenz
Die SJK ist ein Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche und gliedert sich in die beiden Distrikte Südost und Südwest. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teile Nordrhein-Westfalens.