OJK 2026 Von Stephan Ringeis  | 

Ein »Ja« hat Gewicht

In einem hohen Kirchenraum mit gelben Wänden sitzen Menschen mit meist grauen Haaren in Kirchenbänken. Im Chorraum sitzen drei weitere Menschen an einem Tisch. Ein Mann steht an einem Pult. Auf zwei Leinwände wird etwas projiziert.
Die Erlöserkirche Plauen wurde 1954 eingeweiht. Die erste Kirche der Gemeinde Plauen wurde im 2. Weltkrieg zerstört.
OJK
Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz nahm gestern ihre Geschäfte auf. Biblische Besinnung und Abendgottesdienst gaben den Rhythmus vor.
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Bischof Werner Philipp eröffnete am 4. Juni 2026 die 59. Tagung der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz. Bezugnehmend auf das Konferenzthema »Ja. Ich will. Gott helfe mir.« sagte der für Deutschland zuständige Bischof: »Ein Ja hat Gewicht.« Es eröffne Möglichkeiten und schaffe Verbindlichkeit. Es sei mehr als eine spontane Zustimmung; es beschreibe eine Haltung, mit der Menschen Verantwortung übernähmen und sich auf einen Weg einließen.

In diesem Sinn verstehe der Bischof die bevorstehende Konferenztagung. Sie sei ein geistlicher Raum im Sinn von »Holy Conferencing«. Sie lebe von der Gemeinschaft der Glaubenden, vom gemeinsamen Gebet und von der Erwartung, dass Gott selbst durch sein Wort und seinen Geist seine Kirche leitet. »Mögen diese Tage für uns alle zu einer Zeit der Ermutigung, der Begegnung und der geistlichen Orientierung werden«, wünschte Philipp dem evangelisch-methodistischen Kirchenparlament für den Süden Ostdeutschlands.

Am Anfang steht das Hören

Pastor Gerhard Künzel, Schönheide, gab der Konferenz noch vor Beginn der ersten Geschäftsdebatten einen wichtigen geistlichen Impuls. Mit seinen Ausführungen zur Berufungsgeschichte des Samuel (1. Samuelbuch, Kapitel 3) erinnerte er facettenreich daran, wie schwer es Menschen falle, Gottes Stimme zu hören. Dabei sei das »Hinhören« für eine gelingende Konferenz unverzichtbar. Angesichts weitreichender Entscheidungen sei es nötig, Gottes Stimme zu vernehmen. Dies sei ein Prozess, der das Kirchenparlament als Ganzes herausfordere.

Gemeinsam Kirche sein – in Christus verbunden

Im Mittelpunkt der Plenarsitzung am ersten Tag stand der Bericht der Superintendenten Mitja Fritsch und Thomas Roscher. Sie betonten die Bedeutung eines starken Miteinanders unter dem Leitgedanken »Gemeinsam Kirche sein«. Grundlage dafür sei die geistliche Verbundenheit in Christus, die Einheit trotz unterschiedlicher Perspektiven und Entwicklungen ermögliche. So sei der Auftrag, »gemeinsam Kirche zu sein«, nicht nur als geistliche Haltung zu verstehen, sondern auch als konkrete Gestaltungsaufgabe.

Sie fragten: »Wie gewinnt Christus vor Ort Gestalt und Raum?« Thomas Roscher, Distrikt Zwickau, und Mitja Fritsch, Distrikt Dresden, sehen dafür einen notwendigen kulturellen Wandel (»Cultural Turn«) als Voraussetzung an: Statt den Blick auf schwindende Ressourcen, sinkende Mitgliederzahlen oder strukturelle Herausforderungen zu richten, solle die Kirche ihre Aufmerksamkeit stärker auf vorhandene Stärken, Chancen und Entwicklungsmöglichkeiten lenken. Gefördert werden soll eine Kultur der Dankbarkeit, der gegenseitigen Wertschätzung, des Lernens voneinander sowie des Mutes, Bewährtes weiterzuentwickeln und neue Wege auszuprobieren.

Ziel sei es, von einer »Kirche des Mangels« zu einer »Kirche der Möglichkeiten« zu werden, die Veränderungen nicht primär als Verlust, sondern als Chance für geistliches Wachstum und neue Formen kirchlichen Lebens verstehe. Es gehe um Bewegung, nicht um ein Verharren im Rückblick. Schließlich sei es nötig, Kräfte zu bündeln und durch strukturelle Veränderungen die Möglichkeiten der Gemeinden zu stärken.

Beschlüsse nehmen eine größere Perspektive in den Blick

Nach intensiver Diskussion beschloss die Konferenz eine Reduktion und Konzentration der Standorte im Umfang von etwa 25 bis 30 Prozent bis 2030. Die konkrete Zahl wurde in den Diskussionen hinterfragt. Eine große Mehrheit unterstützte schließlich den leicht veränderten Antrag der Superintendenten in dem Wissen, dass an nicht wenigen Orten die Kräfte sehr knapp geworden sind. Die Aufgaben für ein wirksames Gemeindeleben und die Verantwortung für Immobilien überfordern zusehends kleine Gemeinden. Schließlich seien auch die personellen Möglichkeiten der Konferenz zunehmend begrenzt.

Mit einem weiteren Beschluss unterstützt das Kirchenparlament den Weg, gemeinsam mit der Regionalkonferenz Deutschland und damit der Norddeutschen und Süddeutschen Jährlichen Konferenz regelbasiert unterwegs zu sein. Zur größeren Perspektive gehöre auch die Regionalkonferenz mit ihren Strukturen und gemeinsamen Regelungen. Besonders genannt wird im Beschluss die Versorgung der Hauptamtlichen. Die Konferenz beauftragte mit großer Mehrheit ihre Gremien, diesen Weg weiterzugehen.

Gott ruft zum Perspektivwechsel

Im Abendgottesdienst stand Abram und damit erneut das Hören im Mittelpunkt (1. Mosebuch, Kapitel 15, Verse 1–6). Abrams Glaube sei aufgrund eines fehlenden Nachkommens angefochten gewesen. Er sei durch Gottes Zusage jedoch nicht bei sich selbst stehen geblieben. Pastorin Heidrun Hertig, Eibenstock, lud die Konferenzgemeinde zu einem Perspektivwechsel ein. Gott rufe seine Gemeinde heraus aus dem Zelt der Begrenzung, wo es manchmal eng und ungemütlich zugehe, wo die Sorge, wie lange Ressourcen, Geld und Kraft noch reichen, die Gedanken bestimme. Abram habe »draußen« die Weite des Sternenhimmels und damit die Weite der Verheißung wahrnehmen dürfen.

Diese von Gott geschenkte Weite feierte die Konferenzgemeinde mit dem Mahl des Herrn. Heidrun Hertig resümierte am Ende ihrer Verkündigung: Auch wenn Abram weiter warten musste, sei sein Gottvertrauen zurückgekehrt. »Und der Tag komme, da wird er geboren – Isaak. Und dann gibt es viel Grund zum Lachen!«

 

Weiterführende Links

Homepage der OJK 2026: www.emk-ojk.de/ojk2026/ojk2026-home
Programm, Zeiten und Orte der Konferenzveranstaltungen: www.emk-ojk.de/ojk2026/ojk2026-programmablauf

Der Autor

Stephan Ringeis ist Beauftragter für Öffentlichkeitsarbeit und Rundfunkarbeit der Evangelisch-methodistischen Kirche für die Ostdeutsche Konferenz. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit.ojk(at)emk.de

Zur Information

Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und gliedert sich in die Distrikte Zwickau und Dresden. Das Parlament hat rund 160 Mitglieder. Es ist zuständig für etwa 100 Gemeinden in rund 40 Bezirken mit etwas mehr als 10.000 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen (Stand: 31.12.2025).