Hoffnung unterwegs Von Michael Löffler  | 

Eine frag-würdige Hoffnung

Christoph Ihling, Rainer König und Bischof Werner Philipp stehen vor einem jungen Apfelbaum. Ihling und Philipp halten Spaten, König zeigt ein Schild zur Baumpflanzung; im Hintergrund sind weitere Teilnehmende zu sehen.
Nach Gottesdienst und Friedensandacht pflanzten Oberbürgermeister Christoph Ihling, Rainer König vom Volksbund und Bischof Werner Philipp (von links) den 91. »Martin-Luther-Apfelbaum« in Eisenach-Hötzelsroda.
Bildnachweis: Jürgen Stolze
Was trägt, wenn Sicherheiten ins Wanken geraten? In Eisenach sprach Bischof Werner Philipp über Hoffnung, die nicht bei Worten stehen bleibt.
3 Minuten

Ein Apfelbaum der Sorte »Martin Luther« wächst seit dem 9. August vor der Kriegsgräberstätte in Eisenach-Hötzelsroda. Gepflanzt haben ihn Bischof Werner Philipp, Oberbürgermeister Christoph Ihling und Rainer König vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Die Baumpflanzung schloss einen Besuch mit Gottesdienst und Friedensandacht ab.

Der Besuch gehörte zur Initiative »Hoffnung unterwegs«, mit der Bischof Philipp Gemeinden der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in ganz Deutschland besucht. Dabei möchte er vor allem mit den Menschen vor Ort ins Gespräch kommen. Zu jedem Besuch gehört ein Apfelbaum, der gemeinsam mit der Gemeinde gepflanzt wird.

Hoffnung, die Fragen aushält

Der Tag begann mit einem Gottesdienst in der Eisenacher EmK. Der Posaunenchor der Gemeinde Bebra unter der Leitung von Dieter Hohmann übernahm die musikalische Gestaltung. Oberbürgermeister Christoph Ihling und Pastor Jürgen Stolze wirkten in der Liturgie mit. Seiner Predigt gab Bischof Philipp die Überschrift »Frag-würdige Hoffnung«. Grundlage war Vers 15 aus dem dritten Kapitel des ersten Petrusbriefs:

»Heiligt aber den Herrn Christus in euren Herzen. Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.« (1. Petrus 3,15)

Philipp entfaltete das Wort »fragwürdig« in drei Richtungen. Zunächst sei christliche Hoffnung heute gefragt. Viele Menschen erlebten die Zukunft nicht mehr als Verheißung, sondern als Bedrohung. Die Antwort des Glaubens bestehe weder in Wunschdenken noch in religiöser Schönfärberei. Christliche Hoffnung richte sich vielmehr vertrauensvoll auf Gottes Handeln. »Optimismus lebt von günstigen Prognosen. Hoffnung lebt von Gottes Verheißungen«, sagte der Bischof. Deshalb könne Hoffnung auch dann tragen, wenn eine positive Einschätzung kaum noch möglich sei.

Im zweiten Gedanken ging es um eine Hoffnung, die selbst infrage gestellt wird. Kriege, Katastrophen, Krankheiten und persönliche Leiderfahrungen ließen Menschen fragen, ob und wie Gott in der Welt wirke. Der Bischof wich diesen Fragen nicht aus. Christliche Hoffnung verdränge Leid und Zweifel nicht; sie halte beides aus. Das gelte auch für die Lage der Kirche: Gemeinden würden kleiner, Gebäude müssten aufgegeben und Bezirke zusammengelegt werden. Hoffnung bedeute nicht, darauf zu warten, dass alles wieder so werde wie früher. Sie vertraue darauf, dass Gott neue Wege eröffne, wenn bekannte Wege endeten. »Hoffnung ist Möglichkeitssinn. Wer hofft, rechnet mit Gottes Möglichkeiten.«

Schließlich sei christliche Hoffnung des Fragens würdig. Damit andere nach ihr fragten, müsse sie im Leben von Christinnen und Christen sichtbar werden. Nicht fertige Antworten machten sie glaubwürdig, sondern Mitgefühl, Barmherzigkeit, Demut und der Verzicht auf Vergeltung.

Friedensandacht in Hötzelsroda

Nach dem Gottesdienst kamen rund vierzig Menschen an der Kriegsgräberstätte in Hötzelsroda zusammen. Rainer König, Mitglied des Landesvorstands des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge in Thüringen, erläuterte die Geschichte der Anlage und die Arbeit des Volksbundes.

Für Pastor Jürgen Stolze war dieser Teil der Andacht besonders berührend: König erzählte von einem deutschen und einem US-amerikanischen Soldaten und rückte damit zwei konkrete Lebensgeschichten in den Mittelpunkt. Sie zeigten, was Krieg für einzelne Menschen bedeutet – unabhängig davon, auf welcher Seite sie kämpften. Anschließend sang König Hannes Waders Antikriegslied »Es ist an der Zeit«. Das Lied beklagt den frühen Tod eines Soldaten und verbindet die Erinnerung mit einer Mahnung an die Gegenwart: Aus dem Gedenken muss der Wille wachsen, neue Kriege zu verhindern.

Oberbürgermeister Ihling erinnerte in seinem Grußwort an den Atombombenabwurf auf Nagasaki am 9. August 1945. Er berichtete auch von einem eigenen Besuch in der japanischen Stadt. Nagasaki sei heute wieder eine lebendige und friedliche Stadt. Ihling sah darin ein Zeichen dafür, dass nach Zerstörung neues Leben entstehen könne.

Bischof Philipp nahm in seinem geistlichen Wort die gegenwärtigen Kriege und Krisen in den Blick. Christliche Hoffnung nehme das Leid nicht weg. Sie könne Menschen jedoch davor bewahren, zu resignieren, und sie dazu bewegen, sich für Frieden einzusetzen.

Der 91. »Martin-Luther-Apfelbaum«

Zum Abschluss pflanzten Christoph Ihling, Rainer König und Werner Philipp vor dem Friedhofstor einen Apfelbaum der Sorte »Martin Luther«. Es ist der 91. von insgesamt 95 Lutherbäumen – in Erinnerung an die 95 Thesen des Reformators.

Die Sorte wurde für das Reformationsjubiläum 2017 in den Barnimer Baumschulen Biesenthal gezüchtet, die zu den Hoffnungstaler Werkstätten gehören. Dort arbeiten Menschen mit geistigen oder psychischen Behinderungen gemeinsam mit Fachkräften. Der Name der Sorte greift den Martin Luther zugeschriebenen Satz auf: »Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.« Historisch belegt ist das Zitat allerdings nicht.

In Eisenach wurde der Baum zugleich zu einem Zeichen des Friedens. Wie Pastor Jürgen Stolze berichtet, verband sich mit dem gemeinsamen Gebet die Hoffnung, dass der Frieden in der Welt wachsen möge – »so wie der Apfelbaum: langsam, aber nachhaltig«.

 

Weiterführende Links

»Eisenach Online« vom 10. August 2026 
»Thüringer Allgemeine« vom 11. August 2026

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Bezirk Bebra-Eisenach (EmK)
Der Bezirk Bebra-Eisenach verbindet Gemeinden über die Landesgrenze von Hessen und Thüringen hinweg. Zum gemeinsamen Bezirk gehören die hessischen Gemeinden Bebra, Ronshausen und Obersuhl sowie die thüringische Gemeinde Eisenach. Die Arbeit vor Ort wird von Pastor Jürgen Stolze geleitet. Weitere Informationen und aktuelle Termine finden Sie auf der Bezirks-Homepage: EmK Bezirk Bebra-Eisenach