Süddeutsche Jährliche Konferenz Von Klaus Ulrich Ruof  | 

Gemeinden, die sich radikal für andere öffnen

An sieben Stationen und mit kreativen Arbeitstechniken suchten die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz nach Wegen zur Veränderung der kirchlichen Arbeit.
An sieben Stationen und mit kreativen Arbeitstechniken suchten die Mitglieder der Süddeutschen Jährlichen Konferenz nach Wegen zur Veränderung der kirchlichen Arbeit. Im Bild der Rutesheimer Pastor Gottfried Liese an der Themenstation »Strukturen und Entscheidungsprozesse«.
Bildnachweis: Klaus Ulrich Ruof, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Ein Impuls des Bischofs und der 56 Seiten starke Superintendenten-Bericht setzen den Ton: Es geht um Veränderung in der Süddeutschen Jährlichen Konferenz.
2 Minuten

Am ersten Sitzungstag der Süddeutschen Jährlichen Konferenz der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) ging es um Veränderung. Harald Rückert, der für Deutschland zuständige EmK-Bischof, sprach davon in seinem Bischofsimpuls. In vielen Facetten entfaltet der Superintendenten-Bericht dieses Thema und bildete den inhaltlichen Mittelpunkt des Tagesgeschehens am gestrigen Donnerstag.

Die Zeit für Veränderungen in der Kirche ist gut

»Tiefgreifender und unbequemer als uns lieb ist« sei die Herausforderung, die kirchliche Arbeit neu zu verstehen und neu zu gestalten, sagte Rückert den Mitgliedern der Jährlichen Konferenz zum Auftakt seines Impulses. Der Bischof beschreibt die aktuelle Situation als Zeit vieler Krisen. In der Gesellschaft erkennt er einen »Trend zu noch mehr Individualisierung«. Und das häufig übliche Schlechtreden mache auch vor der Kirche nicht halt. Im Letztgenannten sieht Rückert einen »innerkirchlichen Klimawandel«, der »unsere Arbeit in den Kabinetten (das ist die Ebene der Zusammenarbeit des Bischofs mit den Superintendenten der jeweiligen Jährlichen Konferenz; d. Red.) stark belastet«.

Daraus zieht Rückert den Schluss: »Die Notwendigkeit zu grundlegenden Veränderungen ist für jeden und jede aber unausweichlich offenbar.« Gleichzeitig macht er den Konferenzmitgliedern Mut zur notwendigen Veränderung: »Die Zeit für grundlegende Veränderungen in der Kirche ist gerade richtig gut!« Wenn die Mitglieder des Kirchenparlaments dazu bereit seien und darauf vertrauten, dass »das Evangelium von Jesus Christus Menschen erreichen, bewegen und verändern will«, dann wandle sich das kirchliche und persönliche Handeln »vom verbissenen ›Tun-Müssen‹ zum ›Dabei-sein-Wollen‹, wenn Gott Neues schafft mitten unter uns«.

Mission ist »Leben in Beziehung«

Schon im Vorfeld der Konferenztagung signalisierte der Superintendenten-Bericht mit seinen 56 Seiten, dass es um eine gewichtige Botschaft gehen werde. Mit dem Titel »Veränderung wagen« setzten Superintendentin Dorothea Lorenz für den Distrikt Stuttgart und die drei Superintendenten Tobias Beißwenger, Markus Jung und Stefan Kettner für die Distrikte Reutlingen, Nürnberg und Heidelberg das Thema. Nach der auf einer umfangreichen innerkirchlichen Befragung beruhenden Beschreibung der großen gesellschaftlichen Entwicklungen und deren Auswirkungen auf die EmK betonen sie Stärken der EmK und ihrer Gemeinden und entwerfen einen Ansatzpunkt für den Weg der Kirche in die Zukunft. Dafür stehe das Motto: »Unsere Mission: Leben in Beziehung«.

Weil die EmK eine Kirche sei, die auf Gemeinschaft setze, müsse sie sich »in der Verbindung niederschwelliger Gemeinschaft und intensiv gelebten Glaubens weiterentwickeln«. Deshalb wünschten sie sich »Gemeinden, die sich radikal für andere öffnen und anderen Menschen einfach Heimat bieten«. Das seien »Gemeinden, die die schützenden Kirchenmauern verlassen und sich auf das Abenteuer Begegnung im Café, auf dem Spielplatz oder der Bowlinghalle einlassen«. So solle die EmK dazu beitragen, »dass unser Umfeld, unsere Gesellschaft und damit vor allem die Menschen, mit denen wir gemeinsam leben, in Beziehung kommen: zu Gott, zu sich selbst und zu ihren Nächsten«.

In einer ersten Diskussionsrunde reagierten die Mitglieder der Konferenz und begaben sich am Nachmittag auf einen fast dreistündigen Stationen-Weg. Dort wurden an sieben Stationen die Themenfelder des Berichts, die Lösungsansätze zur Veränderung bieten sollen, andiskutiert. Dabei ging es um Themenbereiche wie Ehrenamt, die Frage von Gemeinde-Standorten, Finanzen, Gottesdienste und Angebote oder die Frage von Personal und Führung. An den beiden Sitzungstagen Freitag und Samstag werden weitere Gesprächseinheiten im Plenum der Konferenz folgen, bevor über den weiteren Weg zur Veränderung Beschlüsse gefasst werden sollen.

 

Weiterführende Links

Internetauftritt der Süddeutschen Jährlichen Konferenz 
Impuls des Bischofs zur Süddeutschen Jährlichen Konferenz  (You-Tube-Video)

Der Autor

Klaus Ulrich Ruof ist Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland mit Sitz in Frankfurt am Main. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Die Süddeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche. Ihr Zuständigkeitsbereich umfasst die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teile Nordrhein-Westfalens. Sie gliedert sich in die vier Distrikte Heidelberg, Nürnberg, Reutlingen und Stuttgart. Das Kirchenparlament hat rund 450 Mitglieder. Es ist verantwortlich für die Arbeit von 228 Gemeinden mit 26.196 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen (Stand 31.12.2020).
www.emk-sjk.de