NJK 2026 Von Michael Putzke  | 

Kirche als Schiff auf hoher See

Blick in die Friedenskirche Braunfels beim Eröffnungsgottesdienst der Norddeutschen Jährlichen Konferenz der EmK. Superintendent Holger Sieweck steht im Chorraum vor der Orgel.
Mit einem Abendmahlsgottesdienst begann in der Friedenskirche Braunfels die 34. Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz der EmK.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Auftakt der Norddeutschen Jährlichen Konferenz der EmK in Braunfels war ein Abendmahlsgottesdienst unter dem Leitwort »Gemeinde in stürmischen Zeiten«.
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Mit einem Abendmahlsgottesdienst unter der Leitung von Superintendent Holger Sieweck wurde am Abend des 28. Mai die 34. Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz (NJK) der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in der evangelisch-reformierten Friedenskirche eröffnet. Unter dem Leitwort »Gemeinde in stürmischen Zeiten. Abbruch. Umbruch. Aufbruch« treffen sich die Konferenzmitglieder und Gäste bis zum 31. Mai im hessischen Braunfels, um über die Zukunft von Kirche und Gemeinde in einer sich wandelnden Gesellschaft zu beraten.

Die Predigt im Eröffnungsgottesdienst hielt Professor Christof Voigt, Rektor der Theologischen Hochschule Reutlingen. Unter dem Thema »In Gottes Hand« griff er die dramatische Erzählung vom Schiffbruch in Kapitel 27 der Apostelgeschichte auf. Die gefährliche Überfahrt des Paulus über das Mittelmeer wurde dabei zum Bild für die Situation der Kirche in einer Zeit des Wandels.

Kirche mitten im Sturm

Voigt widersprach düsteren Untergangsszenarien, die die Kirche als zerfallendes Wrack sehen. Die biblische Geschichte erzähle nicht vom Ende, sondern von Bewahrung und Hoffnung. Trotz Sturm, Orientierungslosigkeit und Todesangst überlebten am Ende alle. »Wir sind auf hoher See«, sagte Voigt, »und wir sind in Gottes Hand.« Die Kirche sei keine Zuschauerin, sondern mitten im Sturm unterwegs. »Da schüttelt es uns durch, da werden wir nass«, führte Voigt aus. Doch in allem Umbruch könne Kirche auf Gottes Nähe vertrauen.

Der Prediger zitierte den Dichter Kurt Marti: »In Jesus von Nazareth steigt Gott zu uns Menschen ins Boot. Von jetzt an ist er mit uns im gleichen Boot, mit uns auf der Fahrt zu neuen Ufern, bei uns auch, wenn, wie hier auf dem See, Nacht und Sturm hereinbrechen.«

Aufbruch zu neuen Ufern

Mehrfach zog Voigt Parallelen zwischen der Reise des Paulus und den aktuellen Herausforderungen kirchlicher Arbeit. Gegenwind, Kursänderungen und das Loslassen von Ballast prägten das Leben der Gemeinden ebenso wie Phasen der Unsicherheit. Doch die Kirche dürfe nicht im sicheren Hafen verharren. Wer neue Ufer erreichen wolle, müsse sich hinauswagen – auch auf die Gefahr des Scheiterns hin.

Eindringlich verband Voigt die Erzählung vom Schiffbruch mit dem Abendmahl. Als Paulus Brot nimmt, Gott dankt und es austeilt, bekommt die erschöpfte Besatzung neuen Mut. Im Abendmahl zeige sich, wie Gott in Jesus Christus sich den Menschen ganz hingibt. Auch die Kirche erfülle ihren Auftrag nicht durch Selbstbewahrung, sondern durch Hingabe – »im Meer der Welt«, wie Voigt sagte.

Grüße aus der Ökumene

Pfarrer Sven Baum überbrachte die Grüße der Friedenskirchen-Gemeinde der Evangelischen Kirche im Rheinland, einer Gliedkirche der Evangelischen Kirche in Deutschland, und stellte die Frage: »Was gibt uns Halt im Sturm?« Vieles verändere sich, aber die Kirchen der Ökumene hätten einen »gemeinsamen Grund in Jesus Christus«. Grüße der Römisch-katholischen Kirche übermittelte die Pastoralreferentin Andjelka Ferincevic.

Die Tagung der Norddeutschen Jährlichen Konferenz dauert noch bis Sonntag, 31. Mai. Themen sind unter anderem Fragen der Digitalisierung sowie der Umgang mit menschenfeindlichen politischen Positionen.

Der Autor

Michael Putzke lebt in Bremen. Er ist Pastor der Evangelisch-methodistischen Kirche und leitet die Redaktion des zweiwöchentlich erscheinenden Kirchenmagazins »Unterwegs«. Kontakt: redaktion(at)emk.de

Zur Information

Die Norddeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Kirchenparlament hat rund 120 Mitglieder. Es ist zuständig für rund 80 Gemeinden.