NJK 2026 Von Michael Löffler  | 

Engagiert diskutiert – respektvoll gerungen

Viele Menschen sitzen an Tischen. Die Tischgruppen bilden das Plenum der Norddeutschen Jährlichen Konferenz, einem evangelisch-methodistischen Kirchenparlament.
Die Norddeutsche Jährliche Konferenz diskutierte engagiert über Zukunftsfragen der Kirche und gesellschaftliche Verantwortung.
Bildnachweis: Michael Löffler, EmK-Öffentlichkeitsarbeit
Die NJK diskutierte engagiert über Kirchenentwicklung, Jugendbeteiligung und den Umgang der Kirche mit gesellschaftlichen Spannungen.
3 Minuten

Die Beratungen der Norddeutschen Jährlichen Konferenz (NJK) am Nachmittag des zweiten Sitzungstages standen ganz im Zeichen großer Zukunftsfragen. Dabei ging es nicht nur um organisatorische Entscheidungen, sondern auch um das Selbstverständnis der Evangelisch-methodistischen Kirche (EmK) in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten. Die Diskussionen verliefen offen, engagiert und zugleich respektvoll.

Grußwort vom Stadtoberhaupt

Zu Beginn der Sitzung begrüßte die Konferenz den Braunfelser Bürgermeister Christian Breithecker. Er würdigte die Bedeutung kirchlicher Arbeit für das gesellschaftliche Leben und zog Parallelen zwischen den Herausforderungen von Kommune und Kirche. Besonders hob er den sozialen Beitrag der Kirchen hervor – etwa in der Arbeit mit Kindern, Familien und sozialen Einrichtungen. Kirche sei eine wichtige Säule des gesellschaftlichen Zusammenhalts.

Berichte aus Kirche und Werken

Außerdem wurden Grüße und Informationen aus verschiedenen Arbeitsbereichen der Kirche weitergegeben. Hans Martin Kienle berichtete über die Arbeit von »Freiraum – Glaube geht raus«. Die Initiative löst nach 100 Jahren die bisherige Zeltmission ab und führt deren missionarisches Anliegen in neuer Form weiter. Gemeinden sollen ermutigt werden, Menschen außerhalb klassischer Gemeindestrukturen zu erreichen und Glauben im Alltag sichtbar werden zu lassen.

Aus anderen Jährlichen Konferenzen wurde von tiefgreifenden Veränderungen berichtet: größere Bezirke, neue Formen der Zusammenarbeit und die Herausforderung, kirchliches Leben trotz sinkender personeller Möglichkeiten verlässlich zu gestalten. Auch die Beteiligung junger Menschen spielte dabei eine wichtige Rolle.

Beteiligung junger Menschen sichern

In weiteren Beratungen ging es um die zukünftige Arbeitsfähigkeit der Konferenz und die Beteiligung junger Menschen. Einstimmig beschloss die Konferenz, Übergangsregelungen auf den Weg zu bringen, damit die Zahl jugendlicher Konferenzmitglieder trotz der veränderten Zusammensetzung der NJK erhalten bleiben kann.

Zugleich wurde deutlich, wie stark sich kirchliches Leben derzeit verändert: weniger Hauptamtliche, größere Bezirke und neue Formen der Zusammenarbeit prägen viele Gemeinden. Dabei klang manches von dem an, was Jens Stangenberg am Vormittag beschrieben hatte: Gerade kleine Gemeinden können dort stark sein, wo Menschen Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft tragen.

Intensive Debatte über Rechtspopulismus

Den größten Raum nahm die Diskussion über zwei Anträge zum Verhältnis der Evangelisch-methodistischen Kirche zur AfD ein. Die antragstellende Arbeitsgruppe machte deutlich, dass es ihr nicht um parteipolitische Auseinandersetzungen gehe, sondern um das christliche Menschenbild und den Schutz von Menschen, die Ausgrenzung und Angst erleben. Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit sei mit dem Auftrag der Kirche nicht vereinbar.

Die Debatte zeigte, wie unterschiedlich die Sichtweisen innerhalb des Kirchenparlaments sind. Manche Konferenzmitglieder warnten davor, Menschen vorschnell auszugrenzen oder politische Grenzen zu eng zu ziehen. Andere betonten, dass Kirche gerade jetzt klar Stellung beziehen müsse, wenn Menschenwürde, Demokratie und gesellschaftlicher Zusammenhalt bedroht seien. Persönliche Erfahrungen aus Ost- und Westdeutschland, aus der Arbeit mit Geflüchteten, queeren Menschen oder Jugendlichen prägten die Wortmeldungen.

Mehrere Beiträge machten deutlich, dass viele Gemeinden diese Spannungen bereits erleben. Andere warben dafür, die Sozialen Grundsätze der EmK stärker bekannt zu machen und in Gemeinden intensiver darüber ins Gespräch zu kommen.

Beschlüsse mit deutlicher Mehrheit

Am Ende nahm die Konferenz beide Hauptanträge mit deutlicher Mehrheit an. Darin hält die NJK fest, dass gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit mit dem christlichen Menschenbild unvereinbar sei. Außerdem erklärte die Konferenz, eine aktive Mitarbeit in oder öffentliche Unterstützung der AfD sei nicht mit einer aktiven Mitarbeit in Gemeinden der NJK vereinbar. Grundlage dafür seien die Sozialen Grundsätze der EmK und die Verantwortung, die Würde aller Menschen zu schützen.

Bischof Werner Philipp machte klar, dass die Diskussion damit nicht beendet sei. Die Kirche werde weiter lernen müssen, schwierige gesellschaftliche Fragen offen und respektvoll miteinander zu besprechen.

 

Weiterführende Links

Soziale Grundsätze der EmK, Neufassung von 2024 (PDF)

Der Autor

Michael Löffler ist Theologischer Leiter der EmK-Kirchenkanzlei mit Sitz in Frankfurt am Main und Pressesprecher für die Evangelisch-methodistische Kirche in Deutschland. Kontakt: oeffentlichkeitsarbeit(at)emk.de

Zur Information

Die Norddeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der Evangelisch-methodistischen Kirche. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Schleswig-Holstein sowie Teile von Nordrhein-Westfalen, Hessen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Das Kirchenparlament hat rund 120 Mitglieder. Es ist zuständig für rund 80 Gemeinden.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist die Diskriminierung von Menschen aufgrund ihrer tatsächlichen oder nur vermeintlichen Zugehörigkeit zu einer Gruppe. Dabei werden andere Gruppen abgewertet, um die eigene Gruppe und sich selbst aufzuwerten. Zur gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gehören beispielsweise Rassismus, Antijudaismus, Fremdenfeindlichkeit, Diskriminierung Wohnungsloser, Arbeitssuchender, Behinderter und von Frauen. Es zeigte sich, dass Menschen, die eine Gruppe von Menschen diskriminieren, häufig auch Menschen aus anderen Gruppen benachteiligen.
Ausführliche Info: www.bpb.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/214192/gruppenbezogene-menschenfeindlichkeit/